Wer wird es?

Baerbock oder Habeck: Grüne haben Entscheidung für Kanzlerkandidatur getroffen

Wer wird Kanzlerkandidat der Grünen? Die Partei hat entschieden, ob sie mit Annalena Baerbock oder Robert Habeck antreten wird.

Update vom 19. April, 11.14 Uhr: Die Grünen ziehen mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl. Das teilte Ko-Parteichef Robert Habeck am Montag bei einem gemeinsamen Auftritt mit Baerbock in Berlin mit. „Wir haben eine klare Idee einer Kanzlerschaft für Deutschland“, sagte die 40-Jährige.

Update vom 18. April, 13.55 Uhr: Annalena Baerbock oder Robert Habeck? Bekommen die Grünen eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten? Fest steht: Der Name wird früher verkündet als der Kandidat bei der Union. Nach übereinstimmenden Medienberichten wird bei CDU und CSU am Sonntag keine Entscheidung fallen, ob Markus Söder oder Armin Laschet ins Rennen geht. Die beiden Parteichefs konnten sich offenbar noch nicht einigen. Die Grünen hatten bereits vor Wochen angekündigt, die Entscheidung - Habeck oder Baerbock - am 19. April bekanntgeben zu wollen.

ParteiBündnis 90/Die Grünen
gegründet14. Mai 1993
VorsitzAnnalena Baerbock, Robert Habeck

Update vom 17. April, 20 Uhr: Kurz vor der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur der Grünen sind die beiden dafür in Frage kommenden Parteichefs für die Bundestagswahl nominiert worden. Die Brandenburger Grünen machten am Samstag Annalena Baerbock mit 106 von 109 Delegiertenstimmen auf einem Landesparteitag zu ihrer Spitzenkandidatin. Robert Habeck wurde von den Kreisverbänden Flensburg und Schleswig-Flensburg im Norden Schleswig-Holsteins mit 72 von 73 Stimmen als Direktkandidat nominiert.

Grüne und ihr Kanzlerkandidat: Baerbock oder Habeck?

[Erstmeldung] Hamm - Zwei Vorsitzende, zwei erklärte Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur: So nah wie in der K-Frage sind sich Grüne und CDU/CSU selten. Allerdings ist die Frage, wer für die Union diese Position als Kanzlerkandidat besetzen könnte, zumindest eine eindeutige Richtungsentscheidung. Annalena Baerbock und Robert Habeck liegen in Inhalt und Personality nicht so weit auseinander wie Armin Laschet und Markus Söder.

Annalena Baerbock und Robert Habeck führen die Partei Bündnis 90/Die Grünen seit 2018 gemeinsam. Als Duo wollen sie auch in den Bundestagswahlkampf ziehen - die Position des ersten Kanzlerkandidaten der Grünen überhaupt kann aber nur einer der beiden besetzen. Wer es sein soll, werden die Grünen am Montag (19. April) bekannt geben - so hat es der Parteivorstand angekündigt. Die Bestätigung durch den Parteitag vom 11. bis 13. Juni gilt als Formsache.

Grüne und ihr Kanzlerkandidat: Baerbock oder Habeck am Montag bei Pro Sieben

Die Gelegenheit, der oder dem grünen Kandidat/in auf den Zahn zu fühlen bekommen die potenziellen Wähler am Montagabend: Zur Primetime (20.15 Uhr) wird der Sender Pro Sieben am Abend ein Interview mit Annalena Baerbock oder Robert Habeck senden. Wer es sein wird, wissen offenbar bislang nur die beiden Parteivorsitzenden selbst.

Wer sind die Kandidaten? Wie sind ihre Erfahrungen, wie die Chancen auf die Kandidatur?

Grüne K-Frage: Annalena Baerbock wäre die jüngste Kanzlerkandidatin

Annalena Baerbock würde in vielerlei Hinsicht grüne Geschichte schreiben. Sie wäre nicht nur in ihrer Partei die Erste, die sich je der Kanzlerwahl gestellt hätte. Sie wäre damit auch gleichzeitig die erste Frau, die dieses Amt für die Grünen anstrebt. Und sie wäre die jüngste aller Politiker, die sich jemals um das wichtigste Amt im Staat beworben haben.

Annalena Baerbock ist 40 Jahre alt, geboren wurde sie am 15. Dezember 1980 in Hannover. Nahe der niedersächsischen Landeshauptstadt wächst sie auf, als eine von drei Töchtern einer Sozialpädagogin und eines Maschinenbauingenieurs. Sie ist Leistungssportlerin, betreibt erfolgreich Trampolinspringen.

Kanzlerkandidat der Grünen: Baerbock seit 2013 im Bundestag

Nach dem Abitur studiert sie Politikwissenschaften und Öffentliches Recht in Hamburg, dann ein Jahr Vökerrecht in London. Von 2005 bis 2008 leitet sie das Büro der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter und wird dann Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. 2009 übernimmt sie die Führung des grünen Landesverbandes Brandenburg - Baerbock lebt inzwischen mit ihrem Mann und zwei Kindern in Potsdam. 2013 zieht Annalena Baerbock für die Grünen in den Bundestag ein.

Die junge Politikerin erwirbt sich schnell einen Ruf als Klima- und Umweltexpertin. Folgerichtig führt Baerbock die Verhandlungen über Umwelt- und Energiepolitik, als die Grünen nach der Bundestagswahl 2017 in Koalitionsverhandlungen mit CDU/CSU und FDP treten. Die Jamaika-Koalition scheitert schließlich an der Entscheidung der FDP, lieber „nicht als schlecht zu regieren“.

Kanzlerin Annalena Baerbock? Energisch und mitreißend

Die Stunde der Annalena Baerbock schlägt am 27. Januar 2018, als sie der Grünen-Parteitag zur Co-Vorsitzenden von Robert Habeck wählt - ein unerwarteter Coup, den die damals 37-Jährige wohl vor allem ihrem energischen und mitreißenden Auftritt zu verdanken hat. Der Posten hätte per Grünen-Statut an eine Vertreterin des linken Flügels der Partei gehen müssen - ist doch Robert Habeck schon - wie Baerbock - dem Realo-Flügel zuzuschlagen. Doch Annalena Baerbock setzt sich deutlich gegen die damalige Vorsitzende der niedersächsichen Landtagsfraktion, Anja Piel, durch.

Dass sie nicht bloß die Frau neben dem Vorsitzenden ist, sondern eigene politische Akzente setzt, setzt Baerbock in den folgenden drei Jahren immer wieder unter Beweis. Die Grünen erleben zwischenzeitlich ein Umfragehoch, liegt in den Trends inzwischen an Platz zwei hinter der CDU. Auch die Umfragewerte für Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin sind gut - im Deutschlandtrend sogar leicht vor denen ihres Co-Vorsitzenden (Baerbock 24, Habeck 22 Prozent, Stand 16. April). Unter den Grünen-Anhängern ist der Vorsprung der Brandenburgerin deutlicher; hier würden sich derzeit 50 Prozent für Baerbock, 35 Prozent für Habeck aussprechen.

K-Frage der Grünen: Welche Rolle spielt das Frauenstatut?

Auch wenn Annalena Baerbock die Frauenkarte nicht ziehen will: Sie wird bei der Entscheidung der Grünen für eine Kandidatin oder einen Kandidaten eine wichtige Rolle spielen. Denn Baerbock wäre die einzige weibliche Option bei der anstehenden Bundestagswahl. CDU und CSU müssen ihre Wahl zwischen Markus Söder und Armin Laschet treffen - die SPD hat sich bereits für Olaf Scholz entschieden. Eine Rolle könnte auch das „Frauenstatut“ der Grünen spielen - bei Listenwahlen steht den weiblichen Kandidaten der Grüne die ungerade Zahl der Plätze zu. Und damit auch Platz eins.

Dass er sich das Kanzleramt zutraut, hat auch Robert Habeck bereits erklärt. Habeck ist Philosoph und promovierter Literaturwissenschaftler. Der 51-Jährige (geboren am 2. September 1969 in Lübeck) verdiente seinen Lebensunterhalt sehr erfolgreich als Schriftsteller und Übersetzer. Er schreibt gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch, mit der er seit 25 Jahren verheiratet ist und vier gemeinsame - inzwischen erwachsene - Söhne hat.

Grüner Kanzlerkandidat: Habeck legt bei den Grünen steile Karriere hin

Habeck studiert in Freiburg, Hamburg und Dänemark. Bei den Grünen liegt Habeck eine steile Karriere hin - obwohl er erst 2002 und eher zufällig Mitglied wird. Noch im Jahr seines Parteieintritts wird er Vorsitzender seines Kreisverbandes Schleswig-Flensburg, schon 2004 ist er Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein. Er wird 2008 zunächst Kreitagsmitglied, 2009 dann Mitglied des Landtags in Kiel - und jeweils Vorsitzender seiner Fraktion.

Gegen das Ergebnis der Landtagswahl 2009 klagen die Grünen - und bekommen Recht. Bei den daraufhin vorgezogenen Landtagswahlen 2012 ist Robert Habeck der Spitzenkandidat seiner Partei. Nach der Wahl wird er stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Als einer seiner größten Erfolge gilt die Verhinderung des Kohlekraftwerkbaus in Brunsbüttel.

Kanzlerkandidat Robert Habeck? Brillanter Redner, intellektueller Denker

Habeck behält sein Ministeramt auch in der Jamaika-Koalition nach der Wahl 2015 im Kabinett Günther. Im gleichen Jahr kündigt er an, bei der Urwahl seiner Partei 2017 als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl anzutreten. Er unterliegt dem damaligen Parteivorsitzenden Cem Özdemir mit gerade einmal 78 Stimmen und verzichtet auf eine Bundestagskandidatur.

Als er 2018 Bundesvorsitzender wird, ändern die Grünen ihre Parteistatuten, um ihm eine Übergangszeit im Umweltministerium zu ermöglichen. Er behält das Ministeramt noch bis Mai, dann gibt er auch das Landtagsmandat zurück und widmet sich seither nur den Parteigeschicken.

Robert Habeck gilt als brillanter Redner, der seine Manuskripte selbst schreibt, gelegentlich aber über das Ziel hinaus schießt. So hat er nach zwei „schiefen“ Tweets zu Landtagswahlen in Thüringen und Bayern seine Accounts bei Twitter und Facebook gelöscht. Robert Habeck hängt neben seinem Image als Intellektueller und Denker auch der Ruf an, Menschen für sich und seine Sache einnehmen zu können - und sind ihre Positionen noch so kontrovers. Dabei kokettiert der Politiker auch schonmal damit, sich bei einem Thema nicht bis ins Detail auszukennen.

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa

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