Gauck: Sorge über  Demokratie in Deutschland

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Gauck wird nich noch einmal für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren.

München - Der gescheiterte Kandidat bei der Bundespräsidentenwahl, Joachim Gauck, hat sich besorgt über den Zustand der Demokratie in Deutschland geäußert.

“Wir sind in einer gefährdeten Situation, weil das hochkomplexe Politikgeschäft immer stärker von Managern des Politischen geprägt wird“, sagte er dem Magazin “Focus“ zufolge. Politisch Interessierte außerhalb der Institutionen würden abgehängt, “sie haben nicht die kommunikativen Mittel, sich Gehör zu verschaffen“.

Der 70-Jährige erklärte zugleich, er wolle sich nicht noch einmal um das Amt des Bundespräsidenten bewerben.

Gauck warnte vor populistischen Führern: “Stellen wir uns eine junge, attraktive Frau vor, die sich hinstellt und allen erzählt: Diese Gangster da in Berlin, denen müssen wir es zeigen! Wie ein Jörg Haider, nur noch etwas radikaler und mit einem kleinen sozialen Touch dazu. Da wäre schon ein Potential“, wird er im “Focus“ zitiert.

Eine politische Funktion für sich selbst sieht er im Moment nicht. Er wolle nicht in die gestaltende Politik oder in eine Partei, erklärte Gauck. “Ich bleibe ein linker, liberaler Konservativer. Wenn es aber einen Ort gäbe, auf dem sich ein parteiloser Mann meines Alters mit einiger Aussicht auf Wirkmöglichkeit einbringen könnte, will ich nichts ausschließen. Aber ich sehe diesen Ort zurzeit nicht.“

Der frühere Chef der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen zeigte sich erfreut über die, wie er sagte, wachsende Distanz zwischen SPD und Grünen auf der einen und den Linken auf der anderen Seite. Er finde es bemerkenswert, dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel jetzt sage, “er werde die Partei Kurt Schumachers nicht in ein Bündnis mit einer solchen Linken führen“, erklärte Gauck. “Das zeigt mir, dass meine Gespräche mit der SPD auch etwas bewirkt haben könnten.“

Gauck war als Kandidat von SPD und Grünen bei der Bundespräsidentenwahl am 30. Juni angetreten, der Bewerber von Union und FDP, Christian Wulff, hatte sich erst im 3. Wahlgang gegen ihn durchsetzen können. Nach der Wahl hatte Gabriel erklärt, es sei vorstellbar, dass Gauck in fünf Jahren wieder Kandidat sei, wenn er denn wolle. “Davon gehe ich nicht aus“, sagte dieser jetzt im “Focus“.

Lobend äußerte er sich über den neuen Bundespräsidenten. “Die Deutschen werden ihn und seine junge Frau mögen. Unsere Landsleute haben eine positive Beziehung zu ihrem Präsidenten. Und Christian Wulff bringt vieles mit, um zu einer Identifikationsfigur zu werden.“

apn

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