K-Frage der Union

Merz schießt gegen Söders Kandidatur: Wütende Mail an CDU-Mitglieder

Friedrich Merz mischt sich erneut in die Debatte um die Kanzlerkandidatur ein. In einer Mail an die CDU-Mitglieder im Hochsauerlandkreis schießt er gegen die Kandidatur von Markus Söder (CSU).

Hochsauerland - Friedrich Merz (CDU) hat sich bei der K-Frage der Union wieder zu Wort gemeldet - diesmal in Form einer Mail an die Unionsmitglieder in seinem Wahlkreis, dem Hochsauerlandkreis (HSK). Dabei schießt er scharf gegen die CSU und Kanzlerkandidat Markus Söder, die weiter eine Kandidatur von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verhindern wollen.

Name Friedrich Merz
geboren 11. November 1955 in Brilon
Heimatstadt Arnsberg

Friedrich Merz schießt gegen Söders Kandidatur: Wütender Mail an CDU-Mitglieder im Sauerland

„Bei allem Verständnis für die CSU und ihren Vorsitzenden: Macht sich die CSU klar, was es bedeutet, innerhalb von wenigen Wochen den nächsten Parteivorsitzenden der CDU zu demontieren? “, fragt Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz in einer Mail, die unserer Redaktion vorliegt. Auch weitere Vorwürfe formuliert er als Fragen: „Will die CSU wirklich mit einer derart geschwächten CDU in den Wahlkampf ziehen? Soll die CDU mal so eben den dritten Vorsitzenden innerhalb von gut zwei Jahren wählen? Ist der CSU das Schicksal der CDU-geführten Landesregierung in Nordrhein-Westfalen gleichgültig? Ich kann mir all das nicht wirklich vorstellen.“

Friedrich Merz wirft der CSU vor, das Votum des höchsten Führungsgremiums der CDU infrage zu stellen. CDU-Präsidium und der Bundesvorstand haben sich am Sonntag auf Armin Laschet als Kanzlerkandidat der Union geeinigt. Das CSU-Präsidium stärkte Markus Söder den Rücken. Der hatte ursprünglich angekündigt, nur antreten zu wollen, wenn die CDU dies breit unterstütze.

„Damit hätte die Entscheidung (...) zwischen CDU und CSU einvernehmlich getroffen werden können“, so Friedrich Merz in seiner Mail. Er sehe es kritisch, dass in gut fünf Monaten die Bundestagswahl stattfinde „und die Union ist in keinerlei Hinsicht auf die Wahl vorbereitet. weder personell noch inhaltlich.“

Friedrich Merz schießt gegen Söders Kandidatur: „Wertvorstellungen über die eigene Person stellen“

Aber statt das Votum der CDU zu akzeptieren, brachte Markus Söder die Haltung des Bundestagsfraktion sowie Umfragewerte ins Spiel. Dazu schreibt Merz, es könne sein, „dass es mehr auf einzelne Personen ankommt und auf kurzfristige Medienperformance, mehr als auf inhaltliche Überzeugungen und Grundsatzfestigkeit.“

Trotzdem hoffe er, dass es bei dem „Markenkern der Union“ bleibe, „dass sie auch bereit ist, sich dem häufig sehr flüchtigen Zeitgeist entgegenzustellen und ihre gewachsenen Wertvorstellungen über die eigene Person zu stellen.“

K-Frage der Union: Söder verspricht Entscheidung noch in dieser Woche

Unmittelbar nach der Aussprache in der Unionsfraktion hatte Markus Söder am Dienstagabend eine Entscheidung mit Armin Laschet über die Unions-Kanzlerkandidatur noch für diese Woche angekündigt. „Man muss das Ergebnis jetzt auch sacken lassen, für jeden einzelnen. Armin und ich haben vereinbart, dass wir uns in dieser Woche auch abschließend dann besprechen werden, wie es weitergehen wird“, sagte Söder.

Er bezeichnete die Aussprache als einen „sehr, sehr wichtigen Moment“ und befand den Schritt in die Fraktion als richtig. „Es war wichtig, dass wir die Abgeordneten hören konnten, und zwar in einer Ausführlichkeit, wie es, glaube ich, sonst kaum möglich ist und auch selten der Fall war. Es sind viele Stimmen aus der Basis berichtet worden, und es war, glaube ich, insgesamt eine gute Diskussion.“ Armin Laschet sprach von einer „sehr guten Diskussion“. In allen Wortbeiträgen habe es eine Botschaft gegeben: „Einigt Euch schnell.“

Friedrich Merz in Mail an CDU-Mitglieder: „Geschlossene Union ist notwendiger denn je“

Friedrich Merz schrieb in der Mail zu Armin Laschet, er wisse, dass sich viele CDU-Mitglieder im Hochsauerlandkreis, seinem möglichen Wahlkreis, eine andere Entscheidung der Union wünschten. Aber er stehe zu seinem Wort, das er Armin Laschet nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden gegeben habe. „(...) Eine handlungsfähige und geschlossene Union ist notwendiger denn je, vor allem nach Corona. Die Zeiten werden anspruchsvoll.“ Am Samstag wird sich entscheiden, ob Friedrich Merz sich in der Kandidatur für die HSK-CDU durchsetzen kann.

Friedrich Merz hatte sich schon vor der offiziellen Kandidatur von Laschet und Söder klar für den CDU-Chef ausgesprochen.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

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