Auf Deeskalation geeinigt 

Erdogan bei Putin zu Besuch: Lage in Syrien spitzt sich zu - türkischer Präsident warnt die USA

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Der türkische Präsident Erdogan bei dem Besuch in Russland. 

Nach dem Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei Kremlchef Wladimir Putin soll sich die Lage in Syrien schon bald „normalisieren“. Zugleich wird die USA gewarnt.

Update vom 29. August 2019: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnt die USA davor, die Umsetzung ihrer Vereinbarung zur Schaffung einer "Sicherheitszone" in Nordsyrien zu verzögern. "Wir werden keine Verzögerung erlauben. Der Prozess muss rasch voranschreiten", sagte Erdogan laut türkischen Presseberichten auf dem Rückflug von einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau.

Erdogan besucht Putin und spricht von einem „aufrichtigen und engen Dialog“

Unsere Erstmeldung vom 28. August:

Das gemeinsame Treffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Kremlchef Wladimir Putins dürfte auch in Zukunft für ordentlich Zündstoff sorgen. Während einer ersten gemeinsamen Stellungnahme am Rand einer internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Moskau sprach Erdogan bereits von einem „aufrichtigen und engen Dialog“ mit Russland. Er glaube, dass die Beziehungen sich weiter vertiefen werden.

Hauptthema des Treffens am Rand der Messe war die eskalierende Lage in der letzten Rebellenhochburg in Syrien in der Provinz Idlib. Die Türkei unterstützt dort die Rebellen, Russland ist Schutzmacht der syrischen Regierung. Beide Länder hatten sich in Idlib auf eine Deeskalationszone geeinigt und die Türkei hatte Beobachtungsposten eingerichtet. 

Türkischer Präsident Erdogan zu Besuch bei Wladimir Putin 

Seit Ende April rücken aber Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gegen die Aufständischen vor und haben jüngst auch einen türkischen Posten eingekesselt. Außerdem wurde ein türkischer Konvoi aus der Luft angegriffen. Nun einigten sich sowohl die Türkei als auch Russland auf eine Deeskalation. 

Sie hätten "zusätzliche gemeinsame Schritte" vereinbart, um die Situation in Idlib zu "normalisieren", sagte der russische Präsident Wladimir Putin nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan. Dieser forderte den Stopp der Angriffe der syrischen Regierungstruppen.

"Es ist inakzeptabel, dass das Regime unter dem Vorwand des Kampfs gegen den Terror Zivilisten am Boden und aus der Luft tötet", sagte Erdogan dabei. Millionen Syrer drohe eine "neue humanitäre Katastrophe" in Idlib, und viele bewegten sich auf die türkische Grenze zu. "Wir können unsere Verantwortung unter dem Sotschi-Abkommen nur erfüllen, wenn das Regime seine Angriffe stoppt."

Erdogan und Putin einigten sich bereits schon einmal auf Waffenruhe

Erdogan und Putin hatten im vergangenen September im südrussischen Sotschi eine Waffenruhe zwischen den überwiegend islamistischen Rebellen und den Regierungstruppen in Idlib vereinbart, doch wurde die Vereinbarung nie komplett umgesetzt.

Seit Ende April gehen die Assad-Truppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe wieder verstärkt gegen Rebellen und Dschihadisten vor. Die jüngste Offensive hat die tiefen Differenzen zwischen der Türkei und Russland offen gelegt, doch Moskau rechtfertigt die Offensive mit dem Kampf gegen "Terrorgruppen". Die Regierung in Ankara befürchtet dagegen eine neue Fluchtwelle in die Türkei.

Die Offensive hat auch die türkische Armee zwischen die Fronten gebracht. Einer ihrer Beobachtungsposten zur Überwachung der Waffenruhe in Idlib wurde kürzlich von der syrischen Armee eingekreist. Doch Ankara schließt aus, die Soldaten abzuziehen. Die Türkei werde "alle nötigen Maßnahmen ergreifen", um ihre Soldaten zu schützen, sagte Erdogan in Moskau.

Nachdem die Regierungstruppen vergangene Woche die Stadt Chan Scheichun im Süden von Idlib erobert hatten, starteten mehrere Dschihadistengruppen am Dienstag einen Gegenangriff auf die Stellungen der Armee. Bei den Gefechten nahe Chan Scheichun wurden mehr als 50 Kämpfer beider Seiten getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Nach Treffen von Erdogan und Putin: Einigung auf Deeskalation erzielt 

Putin begrüßte bei dem Treffen mit Erdogan die Vereinbarung der Türkei mit den USA zur Einrichtung einer Pufferzone zu den Kurdengebieten in Nordsyrien. Die Schaffung einer "Sicherheitszone" entlang der türkischen Grenze sei ein "positiver Schritt", sagte Putin. Russland verstehe die Sorgen der Türkei. Für die Sicherheit ihrer Grenze zu sorgen, sei ihr "legitimes Recht".

Aus Istanbul bekam der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Ende August eine Kampfansage ganz anderer Art. Für Boris Johnson wird es in der Heimat zunehmend eng. Nun bittet der britische Premierminister sogar die Queen um die Schließung des Parlaments. 

Fußball ist (meist) unpolitisch - in Erdogans Türkei taugt der Sport trotzdem für einen Eklat. Die Polizei kassierte Fan-Fahnen wegen christlicher Symbole. Der Grüne Cem Özdemir fordert Konsequenzen. Unterdessen hat sich Özdemir auch zu einem möglichen Tempolimit geäußert. Die Grünen wollen darüber im Bundestag abstimmen lassen. Kommt die Begrenzung auf 130 Kilometer pro Stunde?

AFP/dpa

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