DGB-Chef verzichtet auf Sitz im SPD-Vorstand

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SPD-Chef Sigmar Gabriel (links) will den DGB-Vorsitzenden Michael Sommer in den neuen Parteivorstand holen.

Berlin - Das Angebot von SPD-Chef Sigmar Gabriel sorgte gewerkschaftsintern für viel Ärger. Der DGB-Boss spricht von Indiskretionen und Falschmeldungen. Ob die Sache damit für ihn erledigt ist, bleibt offen.

Nach wachsender Kritik auch in den eigenen Reihen verzichtet DGB-Chef Michael Sommer auf einen Sitz im neuen SPD-Bundesvorstand. “Um den DGB und die Einheitsgewerkschaft nicht zu beschädigen, erkläre ich hiermit, dass ich für kein Amt in der SPD zu Verfügung stehe“, teilte Sommer am Freitag in einer Erklärung mit. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel hatte ihm zuvor angeboten, als kooptiertes Mitglied ohne Stimmrecht dem nächsten Vorstand anzugehören.

Seine Bereitschaft, an den Sitzungen der SPD-Führung teilzunehmen, habe zu Irritationen geführt, ob der Charakter der Einheitsgewerkschaft noch gewahrt werden könne, erklärte Sommer weiter. “Gezielte Indiskretionen und Falschmeldungen darüber, dass ich angeblich ein Bundestagsmandat für die SPD anstrebe, haben dazu beigetragen“, fügte er hinzu. Er sei seit 25 Jahren SPD-Mitglied. Alle DGB-Vorsitzende seien Mitglied des SPD-Parteirats gewesen, der mit der Organisationsreform jetzt abgeschafft werde. Deshalb habe er sich zwischenzeitlich bereiterklärt, im künftigen SPD-Vorstand Arbeitnehmerpositionen zu vertreten.

Sie waren die Chefs der SPD

Sie waren die Chefs der SPD

Der neue Partei-Vorstand wird auf dem SPD-Bundesparteitag Anfang Dezember in Berlin gewählt. Die Zahl der Mitglieder soll dabei von bislang 45 auf 29 verringert werden.

Bislang stimmen sich die Spitzen von SPD und DGB vor allem im regelmäßig tagenden SPD-Gewerkschaftsrat ab, dem neben Sommer alle Einzelvorsitzenden mit SPD-Parteibuch angehören. Sommer soll dem Vernehmen nach demnächst stellvertretender Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung werden.

Gabriel bemüht sich seit längerem um eine Entspannung des Verhältnisses zu den Gewerkschaften, das seit der Reform-Agenda 2010 von SPD-Kanzler Gerhard Schröder gestört ist. Der SPD-Vorsitzende wolle diese personelle Verzahnung zu einer Dauereinrichtung machen, berichtete die “Süddeutsche Zeitung“. Auch jeder künftige DGB-Vorsitzende sollte in den Bundesvorstand berufen werden, wenn er SPD-Mitglied sei.

Scharfe Kritik kam von der CDU. Generalsekretär Hermann Gröhe sprach in der Ulmer “Südwest Presse“ von einem “erneuten Versuch der SPD, die Gewerkschaften als eigene Vorfeldorganisation zu missbrauchen“. Der DGB verdanke seine Stärke nicht zuletzt der Idee der Einheitsgewerkschaft, meinte Gröhe. Auch in Teilen der Gewerkschaftsspitzen gab es offene Verwunderung über Sommers Vorgehen.

Seit einigen Wochen gibt es in Gewerkschaftskreisen wachsende Unzufriedenheit mit Sommers Amtsführung. Es kursieren auch Spekulationen über seine mögliche vorzeitige Ablösung.

dpa

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