Steigender Umsatz mit Kriegsgeräten

Trotz Corona: Deutsche Rüstungsexporte laufen auch 2020 auf Hochtouren

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In der Kieler Werft wurde nun ein drittes U-Boot an Ägypten übergeben.

Die deutsche Rüstungsindustrie trotzt der wirtschaftlichen Krise durch die Coronavirus-Pandemie und macht weiter gute Geschäfte. Ein Großteil der Erzeugnisse wandert nach Ägypten.

  • 2019 war für Deutschlands Rüstungsindustrie ein Rekordjahr, mit Einnahmen von über acht Mrd. Euro.
  • Bislang leidet dieser Wirtschaftszweig nicht unter Corona - 2020 ist Ägypten ein dankbarer Abnehmer.
  • Die Geschäfte mit dem nordafrikanischen Land sind umstritten, auch aufgrund einer Kriegskoalition.

Berlin - Im ersten Quartal 2020 wurden durch die Bundesregierung mehr Rüstungsexporte genehmigt, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Wert der erlaubten Lieferungen lag von Januar bis März bei 1,16 Milliarden Euro und damit 45 Millionen Euro höher als von Januar bis März 2019. Eine entsprechende Anfrage der Linken-Politikerin Sevim Dagdelen hat das Bundeswirtschaftsministerium beantwortet, wie die dpa berichtet.

Deutsche Rüstungsindustrie macht viel Umsatz im maritimen Bereich

Deutlich gestiegen ist der Anteil der besonders heiklen Exporte an sogenannte Drittstaaten, die nicht der EU oder der Nato angehören oder diesen Ländern gleichgestellt sind wie etwa Australien. Er lag im ersten Quartal 2020 bei 53 Prozent, im Vorjahreszeitraum waren es 35 Prozent. Das Wirtschaftsministerium erklärt den Anstieg mit „einzelnen großvolumige Genehmigungen im maritimen Bereich“.

Das Hauptempfängerland ist Ägypten mit einem Exportvolumen von 290,6 Millionen Euro. Erst in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung die Genehmigung einer U-Boot-Lieferung für das von Präsident Abdel Fattah al-Sisi mit harter Hand regierte nordafrikanische Land bekanntgegeben. Am Donnerstag wurde das dritte von insgesamt vier U-Booten in Kiel von ThyssenKrupp Marine Systems übergeben. Den Kieler Nachrichten zufolge soll das Auftragsvolumen rund eine Milliarde Euro betragen.

Ägypten war bereits im vergangenen Jahr mit genehmigten Rüstungsgeschäften für 802 Millionen Euro drittbester Auslandskunde der deutschen Hersteller. Die Lieferungen an das nordafrikanische Land sind nicht nur wegen der Menschenrechtslage im Land umstritten. Ägypten gehört auch zu der Kriegskoalition, die im Jemen gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpft. Außerdem ist die Regierung al-Sisis wegen Waffenlieferungen in den Libyen-Konflikt in der Kritik.

Deutsche Rüstungsexporte ins Ausland: Rekordwert im Jahr 2019

Im Jahr 2019 waren die von der Bundesregierung genehmigten Rüstungsexporte mit 8,015 Milliarden Euro auf einen Rekordwert gestiegen. Dass diese Marke in diesem Jahr wieder erreicht werden kann, gilt schon wegen der Corona-Krise als unwahrscheinlich. Im vergangenen Jahr gab es den massiven Zuwachs an Exportgenehmigungen erst ab dem zweiten Quartal.

Die Linken-Außenpolitikerin Dagdelen kritisierte die Rüstungsexporte vor allem vor dem Hintergrund der derzeitigen Pandemie. „Während die UN zum weltweiten Waffenstillstand aufrufen, um die Coronavirus-Pandemie* zu bekämpfen, gießt die Bundesregierung mit ihren Kriegswaffen in Krisengebiete* weiter Öl ins Feuer“, sagte sie. „Wir brauchen einen sofortigen Waffenexportstopp und eine Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile Güter wie medizinische Geräte. Es ist Zeit, für das Leben statt für den Tod zu produzieren.“

*Merkur.de ist ein Angebot des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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