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Mordanschlag auf Darja Dugina: Russland nennt neuen Komplizen

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Von: Tobias Utz, Moritz Serif, Nadja Austel, Christian Stör

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Die Tochter eines kremlnahen Rechtsextremen kommt bei einem mutmaßlichen Mordanschlag ums Leben. Die Ermittlungsbehörden nennen neue Details.

Update vom Montag, 29. August, 10.45 Uhr: Russische Ermittlungsbehörden haben nach dem Mord an der kremlnahen Darja Dugina einen weiteren mutmaßlichen Beteiligten identifiziert. Laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur TASS handelt es sich dabei um einen ukrainischen Staatsbürger, der 1978 geboren wurde. Er sei am 30. Juli über Estland nach Russland eingereist, so der russische Inlandsgeheimdienst FSB.

Er soll bei der Vorbereitung der Tat geholfen und Russland anschließend wieder verlassen haben. Der Wagen mit der Tochter des Rechtsnationalisten Alexander Dugin am Steuer explodierte am 20. August in einem Vorort von Moskau. Die Ermittlungsbehörden beschuldigten bereits kurz nach der Tat eine aus der Ukraine stammende Tatverdächtige, die zur Fahndung ausgeschrieben wurde. Russland macht für das Attentat ukrainische Geheimdienste verantwortlich. Die Regierung Kiew weist jegliche Beteiligung weiterhin zurück. Alle genannten Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Dugin-Tochter bei Autoexplosion nahe Moskau getötet
Bei dem mutmaßlichen Mordanschlag ist nach Angaben russischer Ermittler Daria Dugina, die Tochter des rechtsnationalistischen Ideologen Alexander Dugin, getötet worden. © dpa

Update vom Mittwoch, 24. August, 11.30 Uhr: Papst Franziskus hat die ermordete Darja Dugina als „eines der unschuldigen Opfer, die durch den Krieg getötet wurden“ bezeichnet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. „Unschuldige zahlen für den Krieg, Unschuldige“, betonte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

+++ 20.15 Uhr: Nach dem Mord an der kremlnahen Kriegsbefürworterin Darja Dugina suchen die Ermittler nach möglichen weiteren Beteiligten an der Autoexplosion vom Wochenende. Zudem solle die aus der Ukraine stammende Tatverdächtige zur Fahndung ausgeschrieben werden, teilte das nationale Ermittlungskomitee in Moskau am Dienstag mit. Verwandte der des Verbrechens beschuldigten Frau erklärten nach Berichten russischer Medien, sie habe nur Duginas Gewohnheiten ausspioniert, aber keine Bombe gelegt. Die 29 Jahre alte Dugina wurde unter Anteilnahme von Politik und Staatsmedien am Dienstag beerdigt.

Anschlag auf Darja Dugina: Sergej Lawrow kündigt hartes Vorgehen an

Das Auto mit der Tochter des Rechtsnationalisten Alexander Dugin am Steuer explodierte am 20. August im Moskauer Gebiet. Am Montag hatte der Inlandsgeheimdienst FSB erklärt, das Verbrechen sei aufgeklärt. Die Verdächtige soll eine Wohnung im Haus Duginas gemietet haben für die Beobachtung, teilte das Ermittlungskomitee weiter mit. Dort und in einer von der gesuchten Frau angemieteten Garage werde ebenfalls nach Spuren gesucht, hieß es. Es seien Zeugen befragt worden. Zudem würden nun Aufnahmen von Videoüberwachungskameras ausgewertet. Russland macht für das Attentat ukrainische Geheimdienste verantwortlich. Kiew weist jegliche Beteiligung zurück.

+++18.05 Uhr: In Moskau kündigte der russische Außenminister Sergej Lawrow ein hartes Vorgehen gegen die Drahtzieher des Anschlags an, bei dem die Tochter eines ultrarechten, kremlnahen Ideologen getötet worden war. „Es kann keine Gnade für die Organisatoren, Auftraggeber und Ausführenden geben“, erklärte er. Lawrow rechnete damit, dass die Ermittlungen zu dem Fall „bald abgeschlossen werden“.

Das US-Außenministerium hatte am Montag Angriffe auf Zivilisten verurteilt und darauf hingewiesen, dass die Ukraine jegliche Beteiligung zurückgewiesen habe. Er habe keinen Zweifel daran, dass Russland den Fall untersuchen werde, sagte Sprecher Ned Price. „Ich habe auch keinen Zweifel daran, dass die Russen bestimmte Schlussfolgerungen vorlegen werden.“ In den Online-Netzwerken erklärte dazu Russlands Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa, Washingtons Reaktion „diskreditiere die internationale Tätigkeit“ der USA.

+++ 12.30 Uhr: In Moskau haben Hunderte an einer Trauerfeier für die getötete Darja Dugina teilgenommen. Hochrangige Politiker, Nationalisten und Freunde gingen in einer Halle des Fernsehzentrums an Duginas dunklem Holzsarg vorbei, legten Blumen nieder und sprachen den Eltern ihr Beileid aus. „Wenn ihr tragischer Tod jemanden getroffen hat, hätte sie denjenigen gebeten, die heilige (russische) Orthodoxie, das Volk und das Vaterland zu verteidigen“, sagte ihr Vater Alexander Dugin, der sich seit Jahren für die Schaffung eines neuen russischen Imperiums einsetzt. „Sie starb für Russland, im Mutterland und an der Front. Die Front ist nicht in der Ukraine, sie ist hier.“

Der russische Ideologe Alexander Dugin, Politikwissenschaftler und ehemaliger Professor an der Staatlichen Universität Moskau, spricht während der Abschiedszeremonie für seine Tochter Daria Dugina.
Alexander Dugin erinnert während der Trauerfeier an seine Tochter Darja Dugina. © Dmitry Serebryakov/dpa

+++ 08.00 Uhr: Die US-Regierung hat eigenen Angaben zufolge keine genauen Informationen über die Hintergründe des Mordanschlags auf die russische Kriegsunterstützerin Darja Dugina in Moskau. „Wir wissen nicht wirklich, wer dahinter steckt und was das Motiv gewesen sein könnte“, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, dem Nachrichtensender CNN. Es habe keine direkte Kommunikation mit der von Russland beschuldigten ukrainischen Regierung gegeben. Kiew sei aber „sehr transparent“ gewesen, als es jegliche Beteiligung abgestritten hatte.

Update vom Dienstag, 23. August, 06.05 Uhr: Estland hat die Behauptung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB zurückgewiesen, wonach die angebliche Mörderin der russischen Kriegsunterstützerin Darja Dugina in das baltische Land geflohen sei. Das sei nur eine weitere Provokation Russlands, sagte Estlands Außenminister Urmas Reinsalu. Die Tochter des russischen Ideologen Aleksandr Dugin war in der Nacht zum Sonntag im Alter von 29 Jahren gestorben, als ihr Auto nahe Moskau explodierte. Der FSB machte für den Mord eine Ukrainerin verantwortlich und veröffentlichte dazu auch ein Video.

Anschlag auf Dugina: Putin verleiht posthum Orden

+++ 22.04 Uhr: Wladimir Putin hat Darja Dugina posthum mit dem Orden der Tapferkeit ausgezeichnet. In einer Erklärung verkündete der Kreml, dass der Orden für „Mut und Selbstlosigkeit bei der Erfüllung der beruflichen Pflichten“ verliehen werde. Dugina war durch einen Anschlag getötet worden.

+++ 20.10 Uhr: Nach dem Mord an seiner Tochter ruft Dugin nun die Russen dazu auf, für seine rechtsnationalistische und imperialistische Ideologie zu kämpfen. „Unsere Herzen dürstet es nicht einfach nach Rache oder Vergeltung. Das wäre zu klein, nicht russisch“, ließ Dugin über einen Vertrauten auf Telegram verkünden. „Wir brauchen nur unseren Sieg. Auf dessen Altar hat meine Tochter ihr mädchenhaftes Leben gelegt. Also siegt bitte!“

Putin kommentiert Duginas Tod: ein „schändliches, grausames Verbrechen“

+++ 18.40 Uhr: Russlands Präsident Putin nannte den Anschlag auf Dugina ein „schändliches, grausames Verbrechen“. Er habe dem Leben einer „brillanten und talentierten Person mit einem wahrhaft russischen Herzen“ vorzeitig ein Ende gesetzt, erklärte Putin in einer Beileidsbekundung an die Familie.

Wie russische Medien berichten, war das eigentliche Ziel des Anschlags Duginas Vater, der als Vordenker von Kreml-Chef Putin gilt. Der ultranationalistische Intellektuelle vertritt die Ideologie der Vereinigung russischsprachiger Gebiete in einem neuen russischen Großreich. Aus dieser Überzeugung heraus unterstützt er den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Dugin, der gut mit Rechtsextremen in Europa vernetzt ist, steht bereits seit der Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim 2014 auf der Sanktionsliste der EU.

Putin-Berater verliert Tochter bei Anschlag: Russland macht Ukraine verantwortlich

+++ 14.15 Uhr: Russland macht die Ukraine für den Mord an Darja Dugina verantwortlich. „Das Verbrechen wurde von ukrainischen Geheimdiensten vorbereitet und begangen“, teilte Russlands Inlandsgeheimdienst FSB der Agentur Interfax zufolge mit. Kiew hatte zuvor zurückgewiesen, irgendetwas mit Duginas Ermordung zu tun zu haben.

+++ 13.30 Uhr: Ein ehemaliger Redenschreiber von Wladimir Putin hat den mutmaßlichen Autobombenanschlag, bei dem die Tochter des rechtsnationalistischen Ideologen Alexander Dugin ums Leben gekommen war, einen „Akt der Einschüchterung“ genannt. Die mutmaßlichen Täter wollten damit demonstrieren, dass die Feindseligkeiten heimlich auf russisches Territorium verlegt worden seien, sagte Abbas Galljamow. Es gehe nun nicht mehr um abstrakte Angriffe, die man im Fernsehen verfolge. „Nicht nur die Krim wird bombardiert, sondern Terroranschläge werden bereits in der Region Moskau verübt.“

Tochter von Putin-Berater stirbt: Russische Untergrundgruppe reklamiert Anschlag für sich

+++ 11.55 Uhr: Nach dem Tod der rechten russischen Politologin und Journalistin Darja Dugina hat sich eine bislang unbekannte Partisanenbewegung zu dem Anschlag bekannt (s. Update v. 06.45 Uhr). Verantwortlich für den Mord an der Tochter des rechtsnationalistischen Ideologen Alexander Dugin soll die Bewegung „Nationale Republikanische Armee“ sein. Ob es eine solche Gruppe tatsächlich gibt, war zunächst nicht überprüfbar. Einige Fachleute in sozialen Netzwerken bezweifeln, dass eine improvisierte Oppositionsbewegung hinter einem solch ausgeklügelten und aufwendig geplanten Attentat stecken könnte und sehen eher die Handschrift russischer Sicherheitsbehörden.

Update vom Montag, 22. August, 06.45 Uhr: Eine bisher unbekannte russische Untergrundgruppe soll den mutmaßlichen Anschlag auf das Auto von Alexander Dugin ausgeübt haben. Das behauptete der Putin-Kritiker Ilja Ponomarjow am Sonntagabend in einem von ihm mitgegründeten oppositionellen TV-Sender. Die „Nationale Republikanische Armee“ (NRA) habe ihn ermächtigt, eine Erklärung abzugeben.

„Wir erklären Präsident Putin zu einem illegitimen Anwärter der Macht und einen Kriegsverbrecher, der die Verfassung geändert, einen Bruderkrieg zwischen slawischen Völkern entfesselt und russische Soldaten in den sicheren und sinnlosen Tod geschickt hat“, heißt es demnach in der Erklärung. Die NRA wolle das Putin-Regime stürzen. Weder das Dokument noch die Aussagen von Ponomarjow konnten bislang unabhängig verifiziert werden.

Tochter von Putin-Berater stirbt bei Anschlag: Russland nimmt Ermittlungen auf

+++ 21.07 Uhr: Laut New York Times hat Russland die Ermittlungen aufgenommen. Darja Dugina, Tochter eines Putin-Beraters ist bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Unklar ist jedoch nach aktuellem Ermittlungsstand, wie es zu ihrem Tode kam. Russland beschuldigte die Ukraine. Kiew weist die Vorwürfe zurück.

+++ 14.53 Uhr: Darja Dugina, Tochter eines Putin-Beraters, ist bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Nun hetzen russische Medien gegen die Ukraine und beschuldigen das Land, für das Attentat verantwortlich zu sein. Laut t-online verbreitet Tsargrad TV Aussagen von Margarita Simonyan, Chefredakteurin des russischen Senders RT. Der Kreml müsse jetzt eine Antwort liefern. „Kiew wird beben“, sagte sie.

Akim Apachev, russischer Militärkommandant, sagte: „Das ist natürlich ein großer Verlust für uns alle, aber ich möchte anmerken, dass er sicherlich gerächt wird“. Die Ukraine hatte mitgeteilt, nichts mit dem Anschlag zu tun zu haben.

Anschlag in Russland: Tochter von Putin-Berater stirbt – Behörden nennen neue Details

+++ 13.15 Uhr: Die russischen Behörden haben nun nochmals bestätigt, wer am Sonntagmorgen bei dem Anschlag nahe Moskau ums Leben gekommen ist: „Die Identität der Toten ist geklärt – es ist die Journalistin und Politologin Darja Dugina“, teilte das nationale Ermittlungskomitee mit. Der Anschlag ereignete sich demnach am Samstagabend in einer Vorstadtsiedlung von Moskau. Nach ersten Erkenntnissen war demnach an dem Fahrzeug ein Sprengsatz montiert, der detonierte.

Update vom Sonntag, 21. August, 11.45 Uhr: Die ukrainische Regierung in Kiew hat betont, nichts mit dem Anschlag auf Daria Dugina, Tochter von Alexander Dugin, zu tun zu haben.  „Wir sind im Gegensatz zu Russland kein krimineller Staat“, sagte Mykhailo Podolyak, Berater des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, am Sonntagvormittag.

Bislang ist unklar, wer hinter dem mutmaßlichen Mordanschlag steckte. Die Ermittlungen der Polizei in Moskau laufen.

Erstmeldung vom Sonntag, 21. August, 06.45 Uhr: Moskau – In Russland hat sich übereinstimmenden Berichten offenbar ein Anschlag auf den Rechtsextremen Alexander Dugin ereignet. Dabei kam dessen Tochter Daria Dugina ums Leben, wie ein Untersuchungskomitee der russischen Behörden offiziell am Sonntagmorgen erklärte. Russischen Medienberichten zufolge soll das Auto, in welchem Dugina saß, während der Fahrt explodiert sein.

Die russische Zeitung Kommersant berichtet, dass eigentlich Dugin mit dem Jeep fahren wollte. Er soll sich kurzfristig umentschieden haben. Er und seine Tochter sollen vor dem Anschlag ein Festival, das vom Kreml veranstaltet wurde, besucht haben. Die Ermittlungen der russischen Polizei laufen nun. Bislang haben sich die Behörden noch nicht dazu geäußert.

Russland: Rechtsextremer Alexander Dugin als „Putins Hirn“ bekannt

Alexander Dugin gilt als einflussreicher Ratgeber von Wladimir Putin. Er ist prominenter Vertreter der neorassistischen Theorie, wonach Russland wieder zum Großreich aufsteigen müsse. In der rechtsextremen Szene gilt er als sehr gut vernetzt. Dugin erlangte in den 1990er-Jahren als Autor der rechtsextremen Zeitung Den internationale Bekanntheit. Darin veröffentlichte er unter anderem ein Manifest, das den Titel „Der große Krieg der Kontinente“ trug. Darin legte er seine Vorstellung von Russlands Dominanz gegenüber dem Westen offen. Dugin trat in der Vergangenheit mehrfach im russischen Staatsfernsehen als Kommentator auf. Ihm wurde unter anderem der Spitzname „Putins Hirn“ nachgesagt. Die Washington Post sah ihn in einer Analyse einst als Strategist des Kreml im Ukraine-Krieg.

Die mutmaßlich getötete Tochter Dugins, Daria Dugina, soll ebenfalls der rechtsextremen Ideologie gefolgt sein. (tu/cs/mse/na mit dpa/AFP)

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