Verteidigung von Neonazis

Charlottesville: Trump gibt "beiden Seiten" Schuld an Gewalt

+
US-Präsident Donald Trump hat Neonazis gegen Gegendemonstranten in Charlottesville verteidigt. Foto: Pablo Martinez Monsivais

Geplant war eine Erklärung im Trump-Tower zur Infrastruktur. Dann kamen Fragen zur Gewalt von Charlottesville - und dem US-Präsidenten platzt der Kragen. Stocksauer fällt Trump auf sein erstes Statement zurück. Ein verärgerter Trump-Helfer nimmt den Hut.

New York (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat seine uneindeutige erste Reaktion auf die Gewalt bei der Rassisten-Kundgebung in Charlottesville vehement verteidigt und erneut beiden Seiten die Schuld gegeben.

"Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war", sagte Trump. Damit verglich der US-Präsident Neonazis mit Gegendemonstranten.

Aus Verärgerung über den Rückfall Trumps trat der Gewerkschaftschef Richard Trumka nach der Konferenz aus einem Beirat des Präsidenten zurück. Er müsse "im Namen aller arbeitenden Amerikaner, die jeden Versuch der Legitimierung dieser bigotten Gruppen ablehnen", zurücktreten, wurde der Chef der Gewerkschaft AFL-CIO zitiert.

In den Tagen zuvor hatten bereits drei weitere Wirtschaftsgrößen Trump den Rücken gekehrt: Kenneth Frazier, der Chef von Merck & Co, verließ am Montag seinen Posten in einem Gremium, das Trump in Industriefragen berät. Am Dienstag folgten die Unternehmenslenker von Intel und Under Armour, Brian Krzanich und Kevin Plank.

Am Samstag war bei rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville (Virginia) eine 32-Jährige Gegendemonstrantin von einem Auto erfasst und getötet worden. 19 Menschen wurden verletzt. Der Fahrer hatte anscheinend vorsätzlich gehandelt. Vorher war es zu Zusammenstößen gekommen.

In seiner ersten Reaktion hatte Trump von "Gewalt von vielen Seiten" gesprochen. Er vermied es, Rassisten und Neonazis beim Namen zu nennen, und bekam dafür erhebliche Kritik auch aus den eigenen Reihen.

Erst am dritten Tag nach den Zwischenfällen hatte Trump sich im Weißen Haus öffentlich von Rassisten und dem Ku Klux Klan distanziert. US-Medien zufolge tat Trump das widerstrebend und nur unter großem Druck enger Berater.

Am Dienstag verteidigte Trump sein Zögern vom Samstag und fiel inhaltlich auf seine erste Stellungnahme zurück. "Ich wollte sicher sein, dass das, was ich sage, korrekt ist", sagte der Präsident. Man sage nicht sofort etwas, wenn man die Fakten nicht genau kenne, "anders als viele Reporter", fügte Trump hinzu.

Faktencheck: Donald Trump hat in der Vergangenheit viele Zwischenfälle via Twitter sofort als Terrorakt bezeichnet, obwohl Lage und Hintergründe noch völlig unklar waren. Ein Beispiel ist die Attacke auf ein Kasino auf den Philippinen am 1. Juni. Der Angriff war nicht das Werk von Terroristen.

Trump sprach in der Lobby des Trump-Towers, wo er zur Infrastruktur in den USA Stellung nehmen wollte. Im Anschluss ließ Trump Fragen von Reportern zu. Das Hin und Her lief zeitweise aus dem Ruder.

Sichtbar und hörbar schwer verärgert sagte Trump, in Charlottesville seien längst nicht nur Rassisten und Nationalisten auf der Straße gewesen, sondern auch unschuldige Demonstranten, die etwa am Vorabend friedlich gegen den Abriss der Statue des Südstaatengenerals Robert E. Lee hätten protestieren wollen. Er habe sich das alles sehr genau angesehen. Beide Seiten seien aufeinander losgegangen. Es habe "auf beiden Seiten sehr anständige Leute" gegeben.

Dass Trump die Schuld auf beiden Seiten sieht, bringt ihm auch Kritik aus der eigenen Partei ein: Der Top-Republikaner im Abgeordnetenhaus, Paul Ryan, twitterte: "Wir müssen klar sein. Die Bewegung der Weißen Vorherrschaft ist abstoßend. Diese Bigotterie geht gegen alles, wofür dieses Land steht. Es darf da keine moralische Mehrdeutigkeit geben."

Der republikanische Senator Floridas, Marc Rubio, richtete auf Twitter direkt seine Worte an Trump: "Sie können den weißen Rassisten nicht erlauben, nur einen Teil der Schuld zu tragen. Sie unterstützen Ideen, die dieser Nation und der Welt so viel Schmerz zufügen." Der Kongressabgeordnete Steve Stivers drückte auf Twitter sein Unverständnis aus. "Weiße Rassisten und Neonazis sind böse und sollten nicht verteidigt werden."

Am Vorabend der gewalttätigen Zusammenstöße waren in Charlottesville Neonazis und andere Ultrarechte durch die Stadt gezogen. Viele trugen Fackeln, hatten den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben und riefen "Tod den Juden!".

Trump sagte, die Medien hätten erneut sehr unfair berichtet - sowohl über ihn selbst als auch über die tatsächlichen Ereignisse vom Wochenende. Die Medien seien aber "Fake" und nicht ehrlich.

Vor dem Hintergrund der "Alt Right", die als "Alternative Rechte" ein Sammelbecken für Ultrarechte und auch Neonazis ist, sagte Trump: "Was ist mit der Alt Left, die die, wie Sie es nennen, "Alt Right" angegriffen haben? Gibt es da irgendeinen Anschein von Schuld?" Diese Geschichte habe zwei Seiten.

Minuten nach Trumps Einlassungen twitterte der frühere Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, er danke dem Präsidenten für seine Aufrichtigkeit und den Mut, die Wahrheit zu Charlottesville auszusprechen und die "Linksterroristen" in der Bewegung "Black Lives Matter" und der Antifa zu verdammen.

Trump vermied es am Dienstag erneut, die Attacke mit dem Auto als Terrorismus zu bezeichnen, anders als viele Republikaner und auch sein eigener Chefankläger Jeff Sessions. "Ist das Mord? Ist das Terrorismus?" Der Fahrer des Wagens sei ein Mörder.

Video des gesamten Auftritts bei C-Span

Politico zum Rücktritt von Trumka

LeBron James über Trump: Hat Hass in Mode gebracht

Video: Glomex

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare