Israelischer Botschafter empört

„Eine Schande“: Organisator der Mauerfall-Party muss sich für hebräischen Schriftzug entschuldigen

Der 30. Jahrestag des Mauerfalls wurde am Brandenburger Tor groß gefeiert. Doch ein unscheinbares politisches Statement empörte den israelischen Botschafter.

  • Zum 30. Tag der deutschen Einheit fand eine Bühnenshow am Brandenburger Tor stat
  • Während der Show lief ein Schriftzug auf Hebräisch über die Bühne
  • In Israel wurde die Zeile als Kritik an der Politik in Palästina verstanden
  • Der Organisator entschuldigt sich und ist bedauert

Berlin - Ein Schriftzug auf Hebräisch während der Bühnenshow zum 30. Jahrestag des Mauerfalls hat Kritik ausgelöst. Beim Auftritt der Sängerin Anna Loos am Samstagabend auf der Bühne neben dem Brandenburger Tor war als Videoprojektion in hebräischen Buchstaben für kurze Zeit der Schriftzug „Schluss mit der Besatzung“ zu lesen. Der in Israel bekannte Slogan kritisiert die dortige Politik in den Palästinensergebieten. 

Moritz van Dülmen, Chef der Agentur Kulturprojekte Berlin, die für die Bühnenshow verantwortlich zeichnete, hat sich für den Schriftzug nach eigenen Angaben am Montag beim israelischen Botschafter entschuldigt.

Mauerfall-Show: Schriftzug empört israelischen Botschafter - Organisator ist untröstlich

Ihm sei die Bedeutung des Schriftzugs nicht bewusst gewesen, sagte van Dülmen. „Das entschuldet es aber nicht.“ Das Zitat sei ein Fehler gewesen und mehr als nur unglücklich. Der israelische Botschafter, Jeremy Issacharoff, sagte am Sonntag der Bild-Zeitung: „Am 9. November haben wir den Mauerfall gefeiert, aber auch würdevoll an die Pogromnacht vor 81 Jahren erinnert, die auch symbolisch für die Schrecken des damals nahenden Holocaust steht.“ Es sei eine Schande, dass einige es für angebracht gehalten hätten, dieses Ereignis für politische Zwecke gegen Israel zu instrumentalisieren.

Er verstehe die Kritik, sagte van Dülmen. „Ich habe mit dem israelischen Botschafter telefoniert und mein Bedauern und meine Entschuldigung vorgetragen.“

Israel sieht sich derweil mit einer schwierigen Regierungsbildung gefordert. Benjamin Netanjahu war daran gescheitert und sorgte dann mit der Niederlegung seines Mandats für einen wahren Paukenschlag. 

30. Jahrestag des Mauerfalls: Große Feier am Brandenburger Tor

Die Feier zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am Brandenburger Tor war ansonsten nach Polizeiangaben „völlig friedlich“ verlaufen. „Wegen Überfüllung mussten wir aus Sicherheitsgründen allerdings zeitweise einige Zugänge sperren“, sagte ein Sprecher am Sonntag. Auf dem Festgelände, das sich über die Straße des 17. Juni bis hin zum Großen Stern im Tiergarten erstreckte, hatten sich nach Veranstalterangaben mehr als 100 000 Besucher versammelt. Eine genaue Zahl nannte die Polizei zunächst nicht - die Beamten hätten keine eigene Zählung durchgeführt.

Bühnenshow am Brandenburger Tor: Musikalische Highlights enden mit Feuerwerk

Mit einem Klassiker der DDR-Rockmusik hatte die Bühnenshow am Brandenburger Tor begonnen. Dirk Michaelis (58) präsentierte am Samstagabend vor Zehntausenden von Zuhörern rund um das Berliner Wahrzeichen seine Rockballade „Als ich fortging“. Der im Jahr des Mauerbaus in Chemnitz geborene Sänger und frühere Frontmann der Rockband Karussell hatte das Lied schon als Jugendlicher komponiert und 1987 veröffentlicht.

Die Zeile „Nichts ist unendlich, so sieh das doch ein“ bezogen in den letzten Monaten der DDR viele auf die politischen Entwicklungen im Land und auf die Tausenden von DDR-Bürger, die ihm den Rücken kehrten und in den Westen gingen. Das Lied gilt seitdem als „Wendehymne“.

Während der mehr als zweistündigen Show spielten am Abend auf der Festbühne am Brandenburger Tor Musiker wie Trettmann, Die Zöllner und die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim. Die Party endete mit einem minutenlangen Feuerwerk.

dpa

Ein Eklat der anderen Sorte ereignete sich beim Staatsbesuch der deutschen Kanzlerin in Israel. Es ging um ein Foto mit Angela Merkel

Rubriklistenbild: © AFP / TOBIAS SCHWARZ

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