Insgesamt eine halbe Milliarde Euro

Beraterverträge: Wirtschaftsministerium gab mit Abstand am meisten aus

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Insbesondere das Ministerium von Peter Altmaier nahm die Dienste von Beratern in Anspruch.

Nun ist bekanntgeworden, wie groß das Auftragsvolumen staatlicher und halbstaatlicher Institutionen beim Beratungsunternehmen PwC war. Am meisten gab das Wirtschaftsministerium aus.

Berlin - Etwa eine halbe Milliarde Euro soll der deutsche Staat in den vergangenen beiden Jahren für Dienstleistungen des größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) ausgegeben haben. Das berichtet bild.de.

Bild berichtet aus internen Unterlagen, die dem Blatt exklusiv vorliegen. Darin sind fast 6000 Namen von staatlichen oder halbstaatlichen Auftraggebern zu finden, die PwC für Projekte gebeten hatten. Die Auftraggeber waren unter anderem Behörden, Kitas, Krankenhäuser, Banken oder Flughäfen.

Beraterverträge: Wirtschaftsministerium gab mit Abstand am meisten aus

Der größte Auftraggeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) von Peter Altmaier. In den Jahren 2018/19 hatte es Beratungen in Höhe von 13,1 Millionen Euro in Anspruch genommen. Wie bild.de berichtet, bestehe beim Management von Wirtschaftsförderprogrammen und bei der Beratung in Energiefragen und volkswirtschaftlichen Analysen der Bedarf nach externen Experten.

Berater der Bundesregierung: Praxis wird unterschiedlich bewertet

Eine Ministeriumssprecherin erklärt gegenüber bild.de den Bedarf wie folgt: „Das BMWi erhebt den Anspruch, sein Handeln auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten auf aktuellem Stand der Forschung zu stützen. Ob bei entsprechendem Bedarf Aufträge an externe Berater vergeben werden, wird allein unter Wirtschaftlichkeitsaspekten entschieden.“

Doch es gibt auch Kritik an der Praxis. Und die kommt zum Teil sogar aus den Regierungsparteien. Johannes Kahrs, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sagte gegenüber bild.de: „Ich bin überzeugt, dass die öffentliche Hand in vielen wichtigen Bereichen dabei ist, die Kontrolle über die ausufernde externe Beratung zu verlieren.“

Berater der Bundesregierung: Wirtschaftsministerium mit Abstand größter Auftraggeber

Reiner Holznagel, Präsident des Bunds Deutscher Steuerzahler, fordert, die eigene Verwaltung auszubauen. „Wenn Ministerien und Behörden speziellen Sachverstand bei komplexen Problemen an Bord holen, muss das erst einmal nicht schlecht sein – aber leider wird das Anheuern von externen Beratern teils exzessiv betrieben“, sagte er bild.de (Artikel hinter der Bezahlschranke).

In der Rangfolge der Ausgaben folgten hinter dem BMWi mit großem Abstand das Verteidigungsministerium (9,4 Millionen Euro) und das Verkehrsministerium (7,4 Millionen Euro). Die vorliegenden Daten beziehen sich ausschließlich auf Auftrage, die die öffentliche Hand an PwC vergeben hat. In welchem Umfang andere Beratungsunternehmen beauftragt wurden, geht aus ihnen nicht hervor.

Immer wieder sorgt die Praxis mit den externen Beratern für Aufsehen. Das Verteidigungsministerium musste kürzlich eine Berateraffäre aufarbeiten. Das Bamf zahlte 47 Millionen Euro an McKinsey.

dg

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