Pariser Vorort

Auto rast in Soldatengruppe - Verdächtiger soll Algerier sein

Ein Fahrzeug ist in einem Vorort westlich von Paris in eine Gruppe Soldaten gefahren. Wie die Polizei berichtet sind mindestens sechs Soldaten verletzt.

Paris - Der Angriff auf Soldaten nahe Paris mit sechs Verletzten geht offenbar auf das Konto eines Algeriers. Der 36-Jährige habe im Großraum Paris gelebt und sei nicht vorbestraft, hieß es am Mittwoch von Seiten der Ermittler. Der Mann war nach einer Verfolgungsjagd in Nordfrankreich festgenommen worden. Als er versuchte zu fliehen, wurde er demnach durch Schüsse verletzt. 

Bei einer Autoattacke auf eine Militärpatrouille nahe Paris sind sechs Soldaten verletzt worden. Drei der Soldaten erlitten bei dem Angriff am Mittwoch im Vorort Levallois-Perret "schwerere" Verletzungen, schwebten aber nicht in Lebensgefahr, wie Verteidigungsministerin Florence Parly mitteilte. Der Fahrer konnte mit seinem Wagen fliehen und wurde nahe Paris festgenommen. 

Der Verdächtige wurde auf der Autobahn 16 festgenommen, die von Paris nach Nordfrankreich und Belgien führt. Der Fahrer sei dabei verletzt worden, meldete der Sender Franceinfo. Die Polizei habe das Auto kurz vor Calais im Norden des Landes gestoppt. Zunächst war nicht abschließend geklärt, ob es sich um den Angreifer handelt. Bei dem 1980 geborenen Festgenommenen handle es sich mutmaßlich um den Täter, hieß es aus Justizkreisen. "Er war im gesuchten Auto und hat versucht zu fliehen." Gestoppt wurde das Fahrzeug auf der Autobahn in Richtung der nordfranzösischen Stadt Calais.

Innenminister: „War eine absichtliche Tat“

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft nahm nach der Tat die Ermittlungen wegen terroristisch motivierter Mordversuche auf. Sie leitete eine Untersuchung wegen versuchten Mordes an Amtspersonen in Verbindung mit einem Terrorvorhaben ein.

Nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb war es kein Unfall. „Wir wissen, dass das eine absichtliche Tat war“, sagte er am Mittwoch nach einem Besuch bei betroffenen Soldaten im Krankenhaus.

Der Vorfall ereignete sich gegen acht Uhr morgens im nordwestlich an Paris angrenzenden Levallois-Perret. Ein Auto rammte nach Angaben des Verteidigungsministeriums Soldaten, die im Zuge der Anti-Terror-Mission "Sentinelle" (Wache oder Wachposten) patrouillierten.

Die Soldaten hatten gerade ein Gebäude verlassen, in dem die Stadtverwaltung von Levallois-Perret der Armee Räume überlassen hat. "Unsere Soldaten sind rausgegangen, um ihre Runde zu drehen, und ein (...) bereitstehender BMW ist auf sie zugerast", sagte Bürgermeister Patrick Balkany im Fernsehsender BFMTV. "Das war ohne jeden Zweifel Absicht." Collomb sagte, das Auto sei zunächst langsam gefahren und habe dann etwa fünf Meter von den Soldaten entfernt beschleunigt, um sie anzufahren.

Balkany vermutete, dass Levallois-Perret bewusst für die Attacke ausgewählt wurde, weil dort der Inlandsgeheimdienst DGSI seinen Sitz hat. „Ich weiß aus Erfahrung, dass die Terroristen ihre Ziele nicht zufällig wählen“, sagte der Politiker am Tatort der Deutschen Presse-Agentur. Beamte der DGSI spielen eine wichtige Rolle bei Anti-Terror-Ermittlungen.

"Ich habe einen unglaublichen Lärm gehört", sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur AFP. Von seinem Balkon aus habe er dann zwei Soldaten auf dem Boden liegen sehen. Schnell seien zahlreiche Einsatzfahrzeuge von Polizei und Rettungskräften eingetroffen. Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt.

Verteidigungsministerin Parly verurteilte die Autoattacke als "feige Tat". Der Angriff werde nicht die "Entschlossenheit der Soldaten" mindern, sich für die Sicherheit der Franzosen einzusetzen, erklärte die Ministerin und sprach den verletzten Soldaten ihren Beistand aus.

Die verletzten Soldaten wurden in zwei verschiedene Krankenhäuser gebracht. Bei dreien befürchteten die Behörden zunächst schwere Verletzungen, dies bewahrheitete sich jedoch nicht. „Wir haben beruhigende Neuigkeiten zu ihrem Zustand“, sagte Verteidigungsministerin Parly.

Anti-Terror-Mission nach Charlie-Hebdo-Attentat ins Leben gerufen

Im Zuge des Inlandseinsatzes "Sentinelle" patrouillieren in Frankreich 7000 Soldaten unter anderem vor Synagogen, Flughäfen, Bahnhöfen und Touristenattraktionen wie dem Pariser Eiffelturm, um Anschläge zu verhindern. 

"Sentinelle" wurde nach den islamistischen Anschlägen auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015 in Paris ins Leben gerufen. Hier finden Sie eine Chronologie der Anschläge auf Soldaten und Polizisten in Frankreich.

Soldaten immer wieder Ziel von Angriffen - jüngste Beispiele

Dabei werden die Soldaten selbst immer wieder Ziel von Angriffen. Im März war ein Mann am Pariser Flughafen Orly bei einer Attacke auf patrouillierende Soldaten erschossen worden.

Am Samstagabend hatte ein Angreifer am Eiffelturm ein Messer gezückt und "Allah ist groß" geschrien. Patrouillierende Soldaten forderten ihn auf, das Messer wegzulegen, er ließ sich widerstandslos festnehmen. Der in Mauretanien geborene Franzose wurde in die Psychiatrie eingewiesen.

In Frankreich sind seit Anfang 2015 bei islamistischen Anschlägen fast 240 Menschen getötet worden. Seit den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten herrscht in dem Land der Ausnahmezustand.

vf/dpa/AFP/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare