Aufschwung: IG Metall will jetzt Lohn-Nachschlag

Berlin - Angesichts des Booms will die IG Metall übertarifliche Lohn-Nachschläge für Beschäftigte erfolgreicher Unternehmen verlangen.

Man werde das Thema in den kommenden Wochen gemeinsam mit den Betriebsräten und Belegschaften systematisch und konsequent angehen, sagte der Leiter des Gewerkschaftsbezirks Frankfurt, Armin Schild, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

“Gerade Unternehmen, die stark exportorientiert sind, fahren derzeit auf Hochtouren und deutlich besser, als sie selbst geplant haben“, erklärte er. Man werde die Ertragslage von Betrieb zu Betrieb überprüfen: “Betriebsräte und IG Metall werden dabei nicht als Bittsteller auftreten. Wir haben in der Krise Handlungsfähigkeit bewiesen, wir werden das auch im Aufschwung tun“, sagte Schild. Der IG-Metall-Bezirk Frankfurt ist für Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und das Saarland zuständig.

Trotz des überraschend starken Aufschwungs wies Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt Forderungen nach höheren Löhnen zurück: “Ich warne vor einer Diskussion über Lohnerhöhungen zur Unzeit“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) dem “Hamburger Abendblatt“. “Im Moment muss alles verhindert werden, was den Aufschwung bremst“, verlangte er.

In wichtigen Branchen liefen die aktuellen Tarifverträge zum Teil bis 2011 oder sogar bis 2012, betonte Hundt. “Im Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie, der bis Ende März 2012 läuft, ist die Anhebung der Entgelte im April nächsten Jahres um 2,7 Prozent bereits vereinbart.“

Dazu sagte IG-Metall-Bezirksleiter Schild, dieser Abschluss sei “in einer absoluten Ausnahmesituation“ entstanden, die dann von einer anderen Extremsituation, nämlich dem aktuellen Exportboom, abgelöst worden sei. “In dieser nahezu überhitzten Sonderkonjunktur sind betriebliche Sonderzahlungen das klassische und richtige Instrument, um die Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben zu lassen.“ Er halte jedoch nichts davon, bereits jetzt theoretische Diskussionen über die Höhe künftiger Tarifforderungen zu führen.

Hundt warnte, zusätzliche Kosten dürften auf die Unternehmen nicht zukommen - weder durch höhere Steuern und Abgaben noch durch unangemessene Lohnerhöhungen. Denn es werde noch bis zum nächsten oder übernächsten Jahr dauern, bis die deutsche Wirtschaft das Niveau von vor der Krise wieder erreicht habe.

dpa

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