Atomausstieg: Energie-Experte warnt vor "Blackouts"

Passau - Der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena), Stephan Kohler, sieht die Gefahr von Stromausfällen, falls weitere Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen.

Lesen Sie auch:

Merkel will "Rat der Weisen" zu Atomenergie einberufen

Wenn wie geplant im Mai fünf weitere Kernkraftwerke wegen interner Revisionen vom Netz gehen, werde die Situation sehr angespannt, sagte Kohler der “Passauer Neuen Presse“ (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. “Da gibt es nichts zu beschönigen. In Spitzenzeiten besteht die Gefahr regionaler Blackouts“, sagte er. “Auf 75 Prozent der Kapazitäten aus Atomkraftwerken können wir nicht ohne Weiteres verzichten.“

Kohler erläuterte, in diesem Fall werde im Süden weniger Strom gewonnen, während es gleichzeitig einen höheren Durchfluss in Nord-Süd-Richtung gebe. “Damit kommen wir an die Grenze der Netzkapazität. Das darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden“, sagte er. Kohler betonte, Deutschland benötige noch Zeit für die Energiewende. “Ein Adhoc-Ausstieg wäre nicht zu verantworten“, sagte Kohler. Er plädierte dafür, den im Jahr 2000 vereinbarten Atomkonsens umzusetzen, der einen Ausstieg bis spätestens 2022 vorsieht. Das sei eine realistische Zielmarke. “Alles andere würde zu deutlich höheren Strompreisen führen. Das können wir uns als Industrieland nicht erlauben“, sagte Kohler. Voraussetzung für den Atomaustieg sei ein umfangreicher Ausbau der Stromnetze.

CDU-Wirtschaftsrat gegen schnellen Atom-Ausstieg

Ungeachtet des von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verkündeten Moratoriums sammeln sich in der Union die Kritiker eines übereilten Ausstiegs aus der Atomkraft. “Technisch ließe sich der Atomausstieg schnell bewerkstelligen“, sagte der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, der “Frankfurter Rundschau“ (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. Doch ohne die Kernkraft könnten Deutschland und Europa ihre Klimaziele nicht erreichen.

Lauk ging auf Distanz zu Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), der kürzlich den Bedarf für den Betrieb deutscher AKW auf 10 bis 15 Jahre veranschlagt hatte. Wenn Röttgen Co2-Minderungsambitionen aufgeben wolle, könne man wohl bis 2026 alle deutschen Meiler abschalten.

Lauk mahnte, beim Thema Atomthema das Augenmaß nicht zu verlieren. “Die Japaner reagieren auf die Katastrophe in ihrem Land weitaus weniger hysterisch als wir Deutsche“, sagte er. “Statt Empathie mit den Japanern zu zeigen, sorgen wir uns um unsere eigene Sicherheit.“

dapd

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare