Unternehmen half dem Geheimdienst

AT&T tief verstrickt in NSA-Aktionen

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AT&T Zentrale in Dallas: Der US-Telekommunikationsgigant soll ein "besonders produktiver" Partner der NSA bei der Überwachung des Internets gewesen sein. Foto: Larry W. Smith/Archiv

Washington - Der US-Telekommunikationsgigant AT&T war nach Informationen der "New York Times" tiefer in die Spähaktionen des Geheimdienstes NSA verstrickt als bisher angenommen.

Der US-Telekommunikationskonzern AT&T hat Medienberichten zufolge dem US-Geheimdienst NSA "bereitwillig" Zugang zu Milliarden E-Mails gewährt, die durch seine Netzwerke zirkulierten. Der Geheimdienst stufte die Zusammenarbeit mit dem Konzern bei seinen Spähaktionen als ausgesprochen effizient ein, wie die "New York Times" und die Rechercheorganisation "ProPublica" am Samstag unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden berichteten.

Der Konzern habe sich "sehr kooperativ" gezeigt und eine "extreme Bereitschaft zu helfen" bewiesen, heißt es in den Dokumenten weiter. Demnach gewährte AT&T dem Geheimdienst von 2011 an auch Zugang zu den Daten von täglich 1,1 Milliarden Handygesprächen. Nach ersten Enthüllungen Snowdens im Jahr 2013 hatten die Behörden noch versichert, die Überwachung betreffe vor allem das Festnetz und keine Handys.

AT&T und andere Firmen werden in den neu ausgewerteten Dokumenten nur mit Codenamen genannt, doch wurden sie von früheren Geheimdienstmitarbeitern identifiziert. Demnach hatten auch die beiden Telekommunikationsunternehmen Verizon und MCI - das von Verizon 2006 übernommen wurde - mit der NSA im Rahmen eines Programms mit dem Codenamen "Stormbrew" zusammengearbeitet.

Unklar war allerdings, ob die Programme heute noch weiter laufen. Die Dokumente Snowdens stammten aus den Jahren 2003 bis 2013.

Im Rahmen des 1985 gestarteten Programms "Fairview" habe AT&T dem Geheimdienst auch erlaubt, über die von ihm betriebenen Leitungen die Internetkommunikation des UN-Hauptquartiers in New York zu überwachen, berichteten die "NYT" und "ProPublica". Washington hat inzwischen der UNO zugesichert, keine Kommunikationsdaten mehr zu sammeln.

Ein Unternehmenssprecher von AT&T betonte, dass die Firma Ermittlungsbehörden keine Informationen ohne entsprechenden Gerichtsbeschluss gebe, außer wenn Gefahr in Verzug sei. Den Berichten zufolge erfolgte die Überwachung der Kommunikation der Vereinten Nationen auf Anweisung des geheimen Sondergerichts Foreign Intelligence Surveillance Court.

Allein das Programm "Fairview" kostete die NSA den Berichten zufolge im Jahr 2011 188,9 Millionen Dollar (rund 170 Millionen Euro). "Stormbrew" schlug demnach mit 66,8 Millionen Dollar zu Buche.

Snowden hält sich seit 2013 an einem geheimen Ort in Russland auf, das ihm politisches Asyl gewährte. Die US-Justiz sucht den 32-Jährigen mit einem internationalen Haftbefehl und wirft ihm unter anderem Spionage vor. Ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft, sollte er sich den US-Behörden stellen.

AFP/dpa

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