Kritik an EZB-Zinspolitik

„Sinnbild des Bösen“: Tagesschau-Kommentator rechnet mit Finanzpolitik ab

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Kommentator Markus Gürne moderiert das ARD-Wirtschaftsmagazin „Plusminus“.

Das Bankkonto hat als Anlageform ausgedient. Wird sich das je wieder ändern? In der Tagesschau bei der ARD wählt ein Kommentator drastische Worte für die prekäre Entwicklung aus Sicht der Sparer.

Die Zeiten, in denen man auf dem Bankkonto ein Vermögen sukzessive anhäufen konnten, sind bis auf Weiteres vorbei. Viele Privatkunden und Unternehmen warten bereits länger darauf, dass die Zinspolitik in Europa wieder früheres Niveau erreicht - bislang vergeblich. 

Obwohl sich die deutsche Politik vehement für eine Rückkehr zu höheren Sparzinsen einsetzt, führt die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) in die entgegengesetzte Richtung - schließlich soll die Konjunktur angekurbelt werden.

ARD-Kommentar: EZB-Politik macht deutschen Staat reicher

Ein Kommentar in der ARD-Tagesschau hat mit dem schleichenden, aber bedeutungsvollen Wandel in der Finanzpolitik abgerechnet. „Die europäische Zentralbank in Frankfurt ist für Sparer wie für Banken gleichermaßen zum Sinnbild des Bösen geworden“, urteilt Markus Gürne zu Beginn seines Beitrages harsch. 

Vielen Zuschauern ist der Politik- und Wirtschaftsexperte als Moderator der Sendung „Plusminus“  bekannt. Gürne erläutert nicht nur die Misere für deutsche Sparer durch die EZB-Maßnahmen, er bezichtigt den deutschen Staat auch als scheinheilig: Einerseits sei Mario Draghi, der Noch-Präsident der Europäischen Zentralbank für einige Politiker ein „Prügelknabe“. 

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank befindet sich in Frankfurt.

Doch andererseits profitiere die Bundesregierung von der Zinspolitik und müsste angesichts der aktuellen Lage zufrieden sein, denn: Weil Deutschland mit seinen Staatsanleihen Geld verdiene, statt Zinsen zu bezahlen, laufe die Schuldenuhr rückwärts. „Würde die Zentralbank die Zinsen erhöhen, wäre das schnell vorbei“, führt Gürne aus

Anlageformen in Deutschland: „Das beliebte Sparbuch hat ausgedient.“

„Die Sache ist einfach: Früher gab es den risikolosen Zins. Heute gibt es nur noch das zinslose Risiko“, analysiert Markus Gürne in seiner Kritik. Als Beleg führt er das Resultat an, dass Zinsen für Guthaben auf Bankkonten sukzessive abgeschafft werden und eine Umkehrung stattfindet: Es drohen Gebühren für Guthaben von Kleinsparern. Der Grund: „Banken müssen jetzt mehr bezahlen, wenn sie Geldbestände bei der EZB einlagern wollen“, so die Folgerung im Tagesschau-Kommentar.

An der Ausrichtung der Geldpolitik wird sich so schnell wohl nichts ändern: Auch die Französin Christine Lagarde, designierte Nachfolgerin von Draghi, erklärte kürzlich, dass sie den Kurs beizuhalten gedenke

So lautet der abschließende Appell von Experte Gürne, dass deutsche Sparer umlernen müssen: „Das beliebte, weil bequeme Sparbuch hat endgültig ausgedient.“ Heißt: Statt das Geld durch Zinsen vermehren zu können, muss nach renditefreudigeren Anlageformen Ausschau gehalten werden.

So reagiert Finanzminister Olaf Scholz auf die Entscheidung der EZB.

Lesen Sie auch: Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. Während in anderen Ländern Plastikgeld, kontaktloses Bezahlen & Co. auf dem Vormarsch sind, sprechen sich immer mehr dagegen aus. Probleme gibt es auch beim Online-Banking. Commerzbank und viele andere haben mit der PSD2-Umstellung zu kämpfen.


PF

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