Treffen mit Merkel erwartet

Schavan: Ihre sechs potenziellen Nachfolger

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Es wird erwartet, dass sich Annette Schavan am Wochenende mit Kanzlerin Merkel zu einem Gespräch trifft

Berlin - Bisher wollte Bildungsministerin Schavan von einem Rücktritt nichts wissen. Deshalb wird ihr Gespräch mit Kanzlerin Merkel mit Spannung erwartet. Hinter den Kulissen spekuliert man bereits über einen Nachfolger.

Angela Merkel und Annette Schavan schweigen weiter zu ihrem geplanten Krisengespräch über die Aberkennung des Doktortitels der Bundesbildungsministerin. „Die Ministerin Schavan befindet sich im Flugzeug auf dem Rückflug von einer Dienstreise nach Südafrika. Die Bundeskanzlerin befindet sich in den Verhandlungen des Europäischen Rates in Brüssel. Und wenn beide zurückgekehrt sind, (...) dann wird es Gelegenheit geben, in Ruhe miteinander zu reden“, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. Den genauen Zeitpunkt könne er nicht sagen. Darüber bestimmten Merkel und Schavan.

Beide Politikerinnen wurden am Freitagabend in Berlin zurückerwartet. In Partei- und Regierungskreisen wurde ein Treffen noch danach nicht ausgeschlossen. Eine unmittelbar anschließende öffentliche Erklärung wurde aber so gut wie ausgeschlossen. Dies wurde für das Wochenende erwartet.

„Beim Adel wusste Frau Schavan noch, was zu tun ist“

Man kann sich das Gespräch so vorstellen: Nur die beiden Frauen, die Freundinnen, unter vier Augen. Wenn es abends ist, machen sie vielleicht eine Flasche Wein auf. Die Kanzlerin sagt der Bildungsministerin, die Entscheidung über ihre Zukunft liege bei ihr. Und Annette Schavan sagt zu Angela Merkel, dass sie zurücktritt. Die Regierungschefin erwartete das. Sie bedauert es, aufrichtig. Dann ruft sie einen Kandidaten für die Nachfolge an. Es muss nicht so kommen, aber dieses Szenario wird in CDU-Kreisen für gut möglich gehalten.

Nach Ansicht des Linke-Politikers Dietmar Bartsch bleibt Schavan nach der Aberkennung ihres Doktortitels aber gar nichts anderes als ein Rücktritt übrig. „Der 9. Februar muss ihr letzter Tag als Bildungsministerin sein“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion der „Frankfurter Rundschau“ vom Freitag. Bartsch erinnerte auch noch einmal an die Bemerkung Schavans im Hinblick auf die Plagiatsaffäre um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Damals hatte Schavan Guttenberg öffentlich kritisiert und gesagt, „als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat“, schäme sie sich nicht nur heimlich. Bartsch merkte dazu am Freitag an: „Beim Adel wusste Frau Schavan noch, was zu tun ist.“

Plagiats-Experte im Merkur-Interview: "Das ist einfach gaga"

Obwohl Schavan bislang von einem Rücktritt nichts wissen wollte, wird hinter den Kulissen in Berlin schon über mögliche Nachfolger spekuliert. Die folgenden sechs Politiker können sich wohl die größten Chancen auf Schavans Posten als Bildungsministerin ausrechnen, falls sie zurücktritt:
Peter Hintze (62) ist seit 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Der frühere evangelische Pfarrer war von 1992 bis 1998 Generalsekretär der CDU. Hintze ist fest verwurzelt in der NRW-CDU. Bei einer Berufung Hintzes wäre der größte CDU-Landesverband NRW wieder unmittelbar am Kabinettstisch vertreten - nach der Entlassung von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU).

Johanna Wanka (61) war bereits Wissenschaftsministerin in Brandenburg (2000 bis 2009) und Niedersachsen (seit 2010). Mit der erwarteten rot-grünen Regierungsneubildung in Hannover wird die ostdeutsche Ingenieurwissenschaftlerin dort ihr Amt aufgeben müssen. Wanka koordiniert zur Zeit die unionsgeführten Bundesländer in der Bildungspolitik. Sie gilt als konservativ, pragmatisch, aber auch als ein wenig farblos.

Helge Braun (40) ist seit 2009 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Seine Berufung wäre eine schnelle hausinterne Lösung nur acht Monate vor der Bundestagswahl, in denen sich ein politischer Neuling im Thema nur schwer profilieren könnte. Bisherige Schwerpunkte des hessischen CDU-Politikers sind die berufliche Bildung und der wissenschaftliche Nachwuchs.

Georg Schütte (50) wäre als sachkundiger beamteter Staatssekretär im Bundesbildungsministerium ebenfalls gut für eine solche hausinterne Lösung. Vor 2009 war Schütte Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bonn.

Michael Kretschmer ist als CDU/CSU-Fraktionsvize mit dem Bereich Wissenschaft betraut. Der Sachse hatte Schavan nach Bekanntwerden der Aberkennung ihres Doktortitels massiv verteidigt. Außerdem genießt er bei Forschungsorganisationen einen guten Ruf.

  • Auch Thomas Rachel könnte nach Informationen von FOCUS Online Merkels Joker aus Nordrhein-Westfalen sein. Das Bundesland, das zugleich den größten Landesverband der CDU stellt, war nach dem erzwungenen Rückzug von Norbert Röttgen etwas ins Abseits geraten. Rachel, der als Parlamentarischer Staatssekretär arbeitet, ist zudem fachlich sehr versiert.

dpa/mm

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