Runde bei „Anne Will“

Bei der sozialen Gerechtigkeit sind sich Rot und Rot nicht grün

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Bei „Anne Will“ entwickelte sich am Sonntag vor allem ein Disput zwischen den beiden linken Parteien.

Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl drehte sich bei „Anne Will“ alles ums Thema Gerechtigkeit. Zwei potentielle Koalitionspartner wurden sich so gar nicht einig.

Berlin - Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl drehte sich in der Talkshow „Anne Will“ alles um einen Wahlkampf-Evergreen von SPD und Linke: dem Thema Gerechtigkeit. Moderatorin Will unterstellte dabei provokant, dass SPD und Linke das Land schlecht redeten, während die Union die Situation in Deutschland beschönige.

Die Rollen der Diskussionsteilnehmer schienen dabei, schon wegen des Titels der Sendung „Wahlkampfthema soziale Gerechtigkeit - Malt Rot-Rot hier schwarz?“, klar verteilt: Hamburgs Regierender Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und die Linke-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht sollten gegen den Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), schießen. Hier finden Sie die aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl.

Scholz vergleicht Wagenknecht mit Trump

Es kam anders. Ein Duell entwickelte sich zwischen Scholz und Wagenknecht. Besonders angriffslustig zeigte sich dabei der SPD-Politiker. Er unterstellte, Wagenknecht sei eine „Verschwörungstheoretikerin wie Donald Trump“. Der Grund: Sie sage, der Niedriglohnsektor sei aus politischen Gründen mit der Agenda 2010 eingeführt worden. Die SPD habe ein Glaubwürdigkeitsproblem, hielt Wagenknecht dagegen. Die jetzige Situation sei nicht nur von der Union allein verursacht worden.

Insgesamt krankte die Diskussion an einem bekannten Talkshow-Problem: Die Teilnehmer verstrickten sich in Schuldzuweisungen - über Themen wurde kaum geredet. So unterstellte Wagenknecht, es sei die Schuld der SPD, dass Angela Merkel vor der abermaligen Wiederwahl stehe. Zudem forderte die Linke-Politikerin die Abkehr von der Agenda 2010.

Sahra Wagenknecht diskutierte scharf mit dem SPD-Mann Olaf Scholz.

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Lobreden auf die Große Koalition

Mindestlohn, Wohngeld und Mietpreisbremse: Scholz und Laschet verwiesen auf die Errungenschaften der großen Koalition in der vergangen Legislaturperiode - und attackierten Wagenknecht dann auch mal gemeinschaftlich. „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung“, sagte Scholz in ihre Richtung. „Aber zu ihrem Konzept gehört auch das ständige Denunzieren der SPD.“

Laschet hörte meist zu. Von Moderatorin Will auf die Uneinigkeit zwischen SPD und Linke angesprochen, ergriff er Partei für Scholz: „Wenn es stimmen würde, dass die SPD sozialdemokratische Werte nicht mehr vertritt“, sagte er an Wagenknecht gerichtet, „dann müssten sie nicht bei sieben, sondern bei 20 Prozent liegen“.

Immerhin in einem Punkt konnten sich Scholz und Wagenknecht dann doch einigen. Angesprochen auf den Mindestlohn und die Forderung von der Linken, diesen auf zwölf Euro zu erhöhen, sagte Scholz: „Ich finde, es muss in diese Richtung marschieren“.

bix mit dpa

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