Gabriel nennt „Entgleisung“ von AfD-Kandidat „widerlich“

Gauland löst mit Wort von „Entsorgung“ Özoguz‘ Empörung aus

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Die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD).

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat sich schon oft durch böse, Menschen verachtende Sprüche hervorgetan. Sein neues Opfer: Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD).

Eichsfeld - Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Eichsfeld (Thüringen) bekam Gauland offenbar begeisterten Applaus für seine Forderung, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özuguz, in Anatolien zu „entsorgen“. Das berichtete zuerst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Am Montag reagierten Union und SPD entsetzt auf die Provokation von Seiten des AfD-Mannes. Gauland selber hat seine Wahlkampfäußerungen über eine „Entsorgung“ von Özoguz verteidigt. „Ich habe etwas gesagt und ich stehe inhaltlich dazu“, sagte Gauland am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Er werde diese Metapher aber künftig nicht mehr benutzen, da ihm „auch vernünftige Menschen“ davon abgeraten hätten. 

Wie es in dem Bericht heißt, hat sich Gauland bei dem Wahlkampf-

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland.

Auftritt über eine Äußerung von Özoguz aus dem „Tagesspiegel“ im Mai empört. Die SPD-Politikerin hatte gegenüber der Zeitung gesagt: „Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar“. Diese Worte aber treiben Alexander Gauland auf die Barrikaden. Auf der Bühne in Eichsfeld soll er gesagt haben: „Das sagt eine Deutschtürkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist.“ Seinen jubelnden Zuhörer bot der AfD-Vorkämpfer dann noch mehr Grund zum Feixen. „Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können“, wird Gauland wörtlich zitiert.

Außenminister Gabriel wirft Gauland  „schlimme verbale Entgleisungen“ vor

Die Bundesregierung hat sich von den Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland distanziert, der eine „Entsorgung“ der Integrationsbeauftragten Aydan Özoguz in Anatolien empfohlen hatte. „Frau Özoguz stammt aus Hamburg - insofern disqualifizieren sich diese Äußerungen von selbst“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ließ Gaulands Worte als „schlimme verbale Entgleisungen“ verurteilen. „Sie lassen jeden Anstand und Respekt gegenüber Andersdenken vermissen und wecken überall auf der Welt die schlimmsten Erinnerungen an unser Land“, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Auch seitens des Koalitionspartners gab es deutliche Worte: „Gauland will eine Deutsche mit türkischen Wurzeln, die Mitglied der Bundesregierung ist, „entsorgen“. Das nennt man Rassismus“, schrieb CDU-Generalsekretär Peter Tauber auf Twitter.

Türkische Gemeinde in Deutschland bekundet Solidarität mit Özoguz

Die Türkische Gemeinde in Deutschland erklärte sich mit Özoguz solidarisch. Ihr Vorsitzender, Gökay Sofuoglu, sagte an die Adresse Gaulands: „Mit Ihren Äußerungen haben Sie den Boden unseres Grundgesetzes verlassen und stecken tief im braunen Morast.“

Gauland: „Man will uns dieses Deutschland wegnehmen“

Passend zu seinem rechten Haken gegen die Integrationsbeauftragte lieferte Gauland seinem Publikum in Thüringen auch seine Sicht auf brennende Themen wie Zuzug von Asylsuchenden, kriminellen Einwanderern und islamistischen Terroristen. „Man will uns dieses Deutschland wegnehmen. Und, liebe Freunde, das ist fast so etwas – früher hätte man das eine Invasion genannt – wie eine schleichende Landnahme“, wird der AfD-Spitzenkandidat zitiert. Dieser „schleichenden Landnahme“, müssten alle geschlossen widerstehen, so der AfD-Kandidat.

js/dpa

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