„Zwergenschule“ soll NRW-Grundschulen retten

DÜSSELDORF ▪ Im Windschatten der Verfassungsänderung für die Einführung der Sekundarschule bringen die Träger des Schulkonsenses – CDU, SPD und Grüne – heute auch noch eine gemeinsame Grundschulreform auf den Weg. Hunderte Grundschulen in dünn besiedelten ländlichen Räumen in NRW sollen dauerhaft erhalten werden.

Kurze Beine, kurze Wege – dieses bewährte Prinzip soll weiterhin landesweit für alle Grundschüler gelten. Um Grundschulstandorte auch in kleinen Dörfern erhalten zu können, soll deshalb die Mindestschülerzahl herabgesetzt werden. Schulen mit dauerhaft 92 und mehr Schülern sollen als eigenständige Schulen fortgeführt werden – bislang waren dazu 192 Schüler nötig. Und sogar Grundschulen mit weniger als 92 Schülern sollen weiter bestehen. Die Schulträger sollen die Möglichkeit bekommen, solche Zwergenschulen als Teilstandorte an eine größere Grundschule im Nachbarort anzudocken.

Diese Regelungen schlagen CDU, SPD und Grüne in einem gemeinsamen Entschließungantrag vor, der heute im Landtag mit dem neuen Schulgesetz für die Sekundarschule auf den Weg gebracht werden soll. Die Landesregierung soll noch bis zum Jahresende ein Gesamtkonzept vorlegen, das zum Schuljahr 2013/14 inkraft tritt. Eine Übergangsregelung soll dafür sorgen, dass Grundschulen, die nach heute gültigen Maßstäben schließen müssten, aber nach den neuen Regeln überlebensfähig sind, erhalten bleiben. Auch die Klassengröße soll abgesenkt werden – von 24 auf 22,5 Schüler im Durchschnitt. Kleineren lAND-Kommunen soll mehr Spielraum eingeräumt werden.

Die Erhaltung kleiner Schulstandorte im ländlichen Raum „ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Josef Laumann. „Mit dieser Regelung können wir Sicherheit für viele Grundschulstandorte bieten“, erläuterte CDU-Schulexperte Klaus Kaiser. Dabei sei es ganz besonders wichtig, dass auch Grundschulen mit weniger als 92 Schülern überleben können. „Damit wird gewährleistet, dass auch die Kinder auf dem Land weiterhin wohnortnah zur Schule gehen können.“

VBE fordert vom Land

noch mehr Flexibilität

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht sich bestätigt. Erst vor wenigen Wochen hatte die Lehrergewerkschaft mit einem Gutachten des Bildungsforschers Ernst Rösner den dringenden Handlungsbedarf aufgezeigt. Die Richtung, die CDU, SPD und Grüne nun einschlagen, stimme, sagte VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann. Allerdings greife die Gründung von Grundschulverbünden und Teilstandorten zu kurz. Damit werde die Schließung kleiner Standorte nur verschoben.

Auch die Regel, Klassen unter 15 Schülern zu verbieten, greife zu kurz. In Einzelfällen, etwa in Regionen mit geringer Dichte von Grundschulstandorten, müssten auch Unterschreitungen möglich sein. Der VBE plädiert für die Einführung von Klassenober- und untergrenzen; Die Obergrenze sollte bei 24, die Untergrenze bei 11 liegen. Außerdem sollten Grundschulen mit minimal 44 Schülern (einzügig) erhalten werden, wenn in zumutbarer Nähe keine weitere Grunschule vorhanden und dies die einzige Grundschule im Ort ist. Bildungsforscher Rösner hält es in begründeten Ausnahmefällen auch für sinnvoll, dass die Kinder in solchen Zwergenschulen wieder klassenübergreifend unterrichtet werden.

Quelle: wa.de

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