Zweite Folge der CD Ruhr.Kult

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Von Ralf Stiftel ▪ Beginnen wir mit dem Negativen: Die Rockversion des „Steigerlieds“ der dubiosen Kapelle „Suppi Huhn und die Welle“ ist nur im Vollrausch zum Ende einer langen Ballnacht hin zu ertragen. Solche seltsamen Kreationen versauen doch glatt den guten Ruf, den sich das Ruhrgebiet gerade mit der Kulturhauptstadt erarbeitet. Den letzten Track dieser Doppel-CD sollten wir also ganz schnell vergessen.

Dabei ist das doch eigentlich sehr erfreulich. Im Frühjahr hatte uns „Kult.Ruhr“ schon einmal beglückt mit Texten von Komikern und Satirikern aus dem an Talenten reich gesegneten Revier von Hennes Bender über die Misfits bis zu Helge Schneider. Das war offensichtlich so erfolgreich, dass nun eine zweite Folge aufgelegt wurde. Der strenge Fritz Eckenga fehlt zwar immer noch, dafür gibt es aber einen feinen Klassiker von Herbert Knebel über seinen „dicken Hals“ an der Wursttheke.

So hätten wir die wichtigsten Stimmen beinahe komplett versammelt, allen voran wieder der unvergessene Jürgen von Manger mit zwei bislang unveröffentlichten Perlen, zum einen das herrlich absurde Stück über Tegtmeiers Plan, „Kapitalist“ zu werden. Zum anderen die feine Persiflage einer Vereinsrede, „Olympia“. Und weil davor Doktor Stratmann die „Rede an die Kleingärtner(innen)“ hält, hat der Zuhörer einen prima Vergleich, wie eine Tradition fortlebt, und wie unterschiedlich die beiden Künstler das lösen. Leider sind auch zwei Schlager-Variationen Tegtmeiers aufgenommen. Die wiederum haben die Jahre nicht so gut überstanden, weil der begnadete Darsteller Jürgen von Manger ein lausiger Sänger war. Vor allem aber zielen Titel wie „De kleine Kneipe“ genau auf die lokalpatriotische Gemütlichkeit, die den meisten Texten der CD zum Glück abgeht.

Es gibt ja auch erfreuliche Stücke wie die absurde Sprachartistik eines Jochen Malmsheimer. Und es ist zu begrüßen, dass auch Piet Klocke Aufnahme fand, und allein seine Wortkreation „Zufriedigung“ tröstet schon darüber hinweg, dass auch von ihm ein Musikstück ausgewählt wurde (allerdings fetzt das doch weit mehr als die müden Schlager Tegtmeiers). Wenn dann noch Kai Magnus Sting am Beispiel der Wendung „Hömma“ eine Kompakteinführung in die Sprache des Ruhrgebietlers bietet, dann findet man sich als Eingeborener so richtig wieder und mag als Besucher lernen.

Kult.Ruhr, Das Beste aus dem Ruhrgebiet Teil 2, Tacheles/ Roofmusic

Quelle: wa.de

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