Zweieinhalb Jahre Haft für deutschen Taliban

+
Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat diesen 31 Jahre alten deutschen Taliban-Kämpfer wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

DÜSSELDORF - Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat einen 31 Jahre alten deutschen Taliban-Kämpfer wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Mann aus Lünen im Ruhrgebiet hatte sich in Pakistan 2010 der "Deutschen Taliban Mudschahedin" (DTM) angeschlossen - jener Gruppe um Eric Breininger, die Selbstmordanschläge gepriesen hatte und durch ihre Video-Botschaften im Internet bekanntgeworden war.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht am Montag leicht unter der Forderung der Bundesanwaltschaft, die für den 31-Jährigen zwei Jahre und zehn Monate Haft beantragt hatte. Seine Verteidiger hatten einen Freispruch gefordert: Der Anklagevorwurf habe sich nicht bestätigt. So sei nicht erwiesen, dass es sich bei der DTM um eine Terrorgruppe gehandelt habe.

Das Gericht sah dies anders: Wenn Josef D. alias "Jussuf" eine vergleichsweise geringe Schuld treffe und sein Tatbeitrag untergeordnet war, sei dies vor allem seiner dauerhaften Erkrankung zuzuschreiben. Sein desolater Gesundheitszustand hatte keine Kampfeinsätze zugelassen. Seine kriminelle Energie sei aber größer gewesen. "Er war kein schlichter Mitläufer", sagte der Vorsitzende Richter Frank Schreiber.

Bereits im Zivildienst habe sich der Mann radikal-islamischen Ideen zugewandt. Er sei auf eigenen Entschluss ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet gereist, um sich dem Dschihad anzuschließen, habe sich eine Kalaschnikow AK 47 gekauft und das Schießen trainiert.

Während seiner vier Monate bei der DTM habe er allerdings neben einer chronischen Durchfallerkrankung auch schon an einem Vorstadium zu einer schweren psychischen Erkrankung gelitten und sei deswegen vermindert schuldfähig.

Josef D. hatte sich als Haushälter des Dschihad verdingt: Sein Tatbeitrag habe in Wäschewaschen, Einkaufen und Aufräumen bestanden. Nach schweren Verlusten war die Gruppe im Mai 2010 zerfallen. Das Angebot, in den Reihen der Al Kaida mitzukämpfen, hatte D. abgelehnt.

Wegen seiner Schizophrenie war der Angeklagte während des Verfahrens zeitweise eingeschränkt verhandlungsfähig. Er hatte dem Gericht auf Nachfrage mitgeteilt, die "Stimme des Teufels" zu hören. Die schwere psychische Krankheit habe ihn allerdings nicht zu den Taliban geführt, sondern von dort weg, führte das Gericht aus: Durch seine wahnhaften Halluzinationen habe er eines Tages angenommen, die Kämpfe zwischen Taliban und Isaf-Truppen seien nur inszeniert. Daraufhin sei er ausgereist.

Die Verteidiger des Angeklagten haben einen Freispruch gefordert: Der Anklagevorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung habe sich im Verfahren nicht bestätigt.

Der vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachter hatte dem Angeklagten eine schwere psychische Erkrankung attestiert. Zur Tatzeit soll diese sich allerdings noch in einem Vorstadium befunden haben.

Die "Deutschen Taliban Mudschahedin" sollen aus bis zu zwölf aus Deutschland stammenden islamistischen Kämpfern bestanden haben. Eric Breininger, der die Gruppe mit seinen Internet-Video-Botschaften bekanntmachte, soll 2010 bei Kämpfen in Pakistan ums Leben gekommen sein. Josef D. war Ende April 2013 festgenommen worden, als er seinen todkranken Vater im Krankenhaus besucht hatte. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare