Prozess vor dem Landgericht Hagen

Zwei Frauen im Alkoholrausch erstochen

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Zum Prozessauftakt werde sein Mandant keine Angaben machen, erklärte Strafverteidiger Dominik Petereit.

[Update, 15.25 Uhr] HAGEN - Durch insgesamt 42 Messerstiche regelrecht niedergemetzelt wurden eine 67-jährige Frau und ihre 89-jährige Mutter am 21. Mai in ihrer Wohnung in Hemer. Am Donnerstag begann im Landgericht Hagen der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter – ein Nachbar der alten Dame, die im Krankenhaus noch bis zum 7. Juni vergeblich um ihr Leben gekämpft hatte.

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„Mein Mandant wird heute noch keine Angaben machen“, kündigte der Lüdenscheider Strafverteidiger Dominik Petereit an. Die Schwurgerichtskammer hatte damit offenbar gerechnet: Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen begann ohne Verzögerung mit der Vernehmung geladener Zeugen.

Heiter wurde es an diesem Gerichtstag nur einmal: Ein Polizist, der wie seine Kollegen von einem „Schlachtfeld“ und einer riesigen Blutlache berichtet hatte, fragte nach seiner Vernehmung, ob „heute“ noch mit einem Urteil zu rechnen sei.

Zehn weitere Verhandlungstage

Zehn weitere Verhandlungstage hat das Schwurgericht sich derzeit gegeben – das Urteil soll im Dezember gesprochen werden. Nachdem die Anklage der Hagener Staatsanwaltschaft lediglich von zweifachem Totschlag ausgegangen war, machte die Kammer deutlich, dass sie auch eine Verurteilung wegen Mordes aus niederen Beweggründen für möglich halte.

Die Beamten einer alarmierten Polizeistreife hatten den blutbeschmierten Angeklagten mehrere hundert Meter vom Tatort „eingesammelt“ und waren erst am Tatort von den dort bereits eingetroffenen Kollegen auf dessen mögliche Täterschaft aufmerksam gemacht worden. Er selbst hatte den Polizisten berichtet, sie müssten sofort an den Tatort eilen – dort habe „ein schwarzer Mann eine Frau abgestochen“.

Schwer belastet wurde der zum Tatzeitpunkt stark alkoholisierte 48-Jährige vor allem von dem 89-jährigen Opfer, das ihn als Täter benannte. Dazu kommen viele weitere Indizien, die auf den schweigenden Angeklagten als Täter hinweisen.

Die Vorgeschichte zu der unbegreiflichen Tat lieferten die beiden Töchter beziehungsweise Enkelinnen der Getöteten, die im Prozess als Nebenklägerinnen auftreten: Seit Jahren habe der Nachbar bei der Großmutter immer wieder geklingelt. „Er wollte reden, Kaffee trinken und Geld leihen.“ In der Zeit vor der Bluttat hatte sich das Verhältnis verschlechtert: „Die Beiden haben sich richtig belästigt gefühlt von ihm.“

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Kurz vor der Tat erwischten ihn die Frauen mit dem Ohr an ihrer Wohnungstür. Ein Onkel habe den Angeklagten schließlich einmal vor die Tür gesetzt, berichtete eine der Nebenklägerinnen. Ihre Mutter habe diesen Schritt gemieden – „vielleicht, weil sie an das Gute im Menschen geglaubt hat“, beantwortete sie eine entsprechende Frage der Vorsitzenden. Dabei gab es gute Gründe für einen solchen Wohnungsverweis: Die Frauen hatten offenbar zunehmend Angst vor dem Angeklagten. „Er war aggressiv, wenn er betrunken war.“ Die Nebenklägerinnen berichteten, wie intensiv ihre fleißige und liebevolle Mutter sich um die Großmutter kümmerte: Täglich sei sie etwa acht Stunden bei ihr gewesen.

Der Prozess wird am 23. Oktober im Landgericht Hagen fortgesetzt. - von Thomas Krumm

Die Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizei am Tag nach der Tat

Quelle: wa.de

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