Zwei Drittel der neuen Richter im OLG-Bezirk Hamm sind Frauen

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Die Richterin am OLG Hamm, Ulrike Kaup (links), und die Probe-Richterin Sandra Schumacher.

HAMM - Nicht nur an der Spitze des Bundesjustizministeriums steht mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine Frau. Auch im Bereich des OLG Hamm, der größten Justizbehörde ihrer Art in Deutschland, werden immer mehr Frauen als Richter eingestellt.

Nein, dass Frauen im Vergleich zu den Männern die besseren Richter sind, glaubt Ulrike Kaup nicht. „Jeder Richter sollte grundsätzlich in der Lage sein, auf die Parteien einzugehen“, sagt die Richterin des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm. Seit 17 Jahren arbeitet die 44-jährige Juristin als Richterin, seit Sommer 2003 ist sie am OLG Hamm tätig. Dabei hat sie aus eigener Anschauung erlebt, wie ihr Berufsstand und der anderer juristischer Professionen immer weiblicher wurde. Von den 180 Richtern am OLG Hamm ist zwar erst ein Drittel weiblich – bei den 62 neuen Richtern für den gesamten OLG-Bezirk liegt der weibliche Anteil aber schon bei 64 Prozent. Im gehobenen Justiz- und Sozialdienst stieg der Frauenanteil ebenfalls auf 64 Prozent. Getoppt wird der weibliche Anteil mit 86,5 Prozent nur noch von den Auszubildenden zum Justiz-Fachangestellten.

„Die Frauenquote steigt ständig“, sagt Richterin Kaup. Nach ihrer Ansicht liegt das vor allem daran, dass der Beruf des Richters eine „hohe zeitliche Flexibilität“ biete. Arbeit und Familie ließen sich so „gut in Einklang“ bringen. Diese „hohe Planungssicherheit“ gebe es ansonsten „nur in weniger Stellen“, betont Kaup.

Ihre Kollegin Sandra Schumacher, die seit knapp einem Jahr als junge Richterin am OLG Hamm arbeitet, kennt noch einen weiteren Grund, warum der Richterjob einen so hohen weiblichen Anteil hat. „Viele Männer gehen nach dem Studium zum Beispiel als Rechtsanwalt in die freie Wirtschaft“, sagt die 32-Jährige. Auch sie selbst war zunächst als Rechtsanwältin tätig, wurde dann aber Richterin, weil sie als „überparteiliche Instanz“ arbeiten wollte.

Was für Richter gilt, gilt auch für die Anklagebehörde: „Explosionsartig“ sei der Frauenanteil zum Teil gestiegen, sagt der Hammer Generalstaatsanwalt Manfred Proyer. Im vergangenen Jahr stellte die Generalstaatsanwaltschaft 27 neue Anklagevertreter ein, darunter 19 Frauen. Der Grund: Die weiblichen Bewerber hätten „mit Abstand die besseren Prädikatsexamen“, betont Proyer.

Laut einem Sprecher des NRW-Justizministeriums werden bereits 15 der 31 Gefängnisse in NRW von Frauen geleitet. Grund dafür sei nicht zuletzt, dass Frauen bei Tests eine höhere Erfolgsquote als ihre männlichen Altersgenossen aufwiesen. Zudem verfügten sie über „hervorragende empathische Fähigkeiten“.

Nicht in allen Justizberufen ist der Frauenanteil aber so stark: Die Berufe Gerichtsvollzieher und Justizwachtmeister bleiben im Bereich des OLG Hamm mit 83 und 87 Prozent vorwiegend männlich und bislang „unbeeindruckt“ von der Entwicklung. - dapd

Quelle: wa.de

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