Zielgruppen im Netz

+
Moderieren im Revier: Markus Heidmeier arbeitet für ruhr-tv unter dieser Internetadresse: http://www.youtube.com/ruhr2010khs ▪

Auf der Landkarte ist die Kulturhauptstadt klar begrenzt. Vom Kreis Wesel im Westen bis nach Hamm im Osten. Doch ihre Dimensionen reichen weiter. Auch im Internet hat Ruhr.2010 ein Netz gespannt. Mit verschiedenen Ebenen, Ankerpunkten und unzähligen Verzweigungen. Eine Reise durch die virtuelle Kulturhauptstadt. Von Annette Kiehl

Deren Zentrum ist die Homepage der Ruhr.2010 Gesellschaft. Hier laufen die Fäden aus den zahlreichen Netzwerken, Foren und Projekten zusammen. Neben einer Art Diaschau von Fotos der Industriekultur wird hier auf Programmhöhepunkte wie die Odyssee Europa hingewiesen, auf Ausstellungen und Bücher. Serviceangebote wie Tipps für Routen, Gastronomieführer und die Veranstaltungssuche stehen im Mittelpunkt. Ein Online-Programmführer als aktuelles Pendant zur gedruckten Information.

Soweit, so klassisch; doch die Spuren, die die Metropole Ruhr im Internet zieht, sind komplexer. Fünf Online-Netzwerke für Zielgruppen werden von der Ruhr.2010-Zentrale in Essen betreut, hinzu kommen Webseiten zu Projekten, von anderen Einrichtungen und Privatleuten, die sich mit der Kulturhauptstadt beschäftigen.

Dem Nischenstatus sind diese Angebote längst entwachsen. Mehr als 15 000 Mitglieder hat die Ruhr.2010-Gruppe bei Facebook, davon haben sich allein 10 000 so genannte Fans angemeldet. Sie können sich durch 23 Fotoalben und mehrere Diskussionsforen klicken, zum Beispiel zur „Malocher-Sprache“.

Die virtuelle Plattform Facebook, die ursprünglich gegründet wurde, um die Pflege von privaten Kontakten über Ländergrenzen hinweg zu erleichtern, ist zu einem Marketinginstrument geworden. Hier werden nicht mehr nur persönliche Gedanken ausgetauscht, vielmehr geht es um offizielles Marketing. „Bei Facebook wollen wir Jugendliche und junge Erwachsene erreichen, zum Beispiel mit Veranstaltungshinweisen, Wettbewerbsaufrufen und Videos“, beschreibt es Claudia Wagner, Leiterin der Ruhr.2010-Internetaktivitäten. Dabei liegt der Reiz dieses Angebotes jedoch in den Feedback-Möglichkeiten. So haben zwölf Facebooker eine Meldung zum Odyssee-Europa-Projekt („Karten für öffentliche Generalprobe“) mit einem nach oben gestreckten Daumen begrüßt, und „Can Carlos“ kommentiert: „Geht hin, es lohnt sich“.

So banal solche Hinweise mitunter erscheinen, für die Organisatoren der Kulturhauptstadt sind sie wertvoll. Sie erzeugen Interesse im Netzwerk, bieten anderen „Fans“ und dem Internet-Team Anregungen.

Es zeigt sich, dass Online-Netzwerke bei jungen Internet-Nutzern die klassische Homepage zunehmend ersetzen. Sie sind meist aktueller und flexibler, interaktiv nutzbar und können den persönlichen Interessen angepasst werden.

So hat Twitter, die oft noch belächelte Webseite, über die 140 Zeichen lange Meldungen veröffentlicht werden, längst den Status eines individuell zugeschnittenen Mediums erreicht. Wer die Mitteilungen der Ruhr.2010 abonniert hat, wird täglich über Veranstaltungen, neue „Local-Hero“-Städte und originelle Projekte informiert. Dabei enthalten die meisten Kurzmitteilungen Links zu ausführlicheren Informationen, etwa eben zum Programm der Theater-„Odyssee“. Die Bedeutung der Kulturhauptstadt bei Twitter, aber auch die Prioritäten der Nutzer dort, lassen sich an den Statistiken ablesen. Am Eröffnungswochenende im Januar stand Ruhr.2010 an zweiter Stelle der am häufigsten getwitterten Begriffe in Deutschland; an erster Stelle das Sturmtief „Daisy“.

Der Twitter-Kanal der Kulturhauptstadt ist ein Beispiel dafür, wie stark das Web 2.0 – also das auf Interaktion und Gemeinschaftlichkeit beruhende Internet – von privater Beteiligung lebt. Die Kulturhauptstadt-Präsenz wurde von einer Privatperson aufgebaut, die aus eigenem Inter esse Meldungen aus Essen verbreitete. Im Dezember vergangenen Jahres wurde dieser Kanal dann von den Organisatoren übernommen. „Dem Betreiber war diese Arbeit zuviel geworden“, begründet Claudia Wagner.

Fast schon konventionell erscheint in diesem Zusammenhang das Web-TV-Angebot zur Kulturhauptstadt. Knapp zehn Minuten dauern die Magazinsendungen, die alle zwei Wochen ins Netz gestellt werden, auf der Ruhr.2010-Homepage sowie in einen speziellen Kanal beim Videonetzwerk Youtube. Moderator Markus Heidmeier interviewt darin zum Beispiel Jugendliche, die an dem Projekt „Next Generation“ teilnehmen, berichtet von der Gartenkunstausstellung im Schloss Oberhausen und fragt, was Controller bei der Ruhr.2010-GmbH den ganzen Tag so machen. Als „Navigator durch das umfangreiche Programm“ beschreibt die Internetchefin der Gesellschaft das Programm; für all die Menschen, die sich nicht selbst durch die Information klicken wollen. Über 20 000 mal wurden allein bei Youtube diese Filme abgerufen – und aufgrund dieses Erfolges nun um einige Spezialausgaben zu einzelnen Projekten ergänzt.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare