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Zecken-Gefahr in NRW: RKI macht erste Stadt zum FSME-Risikogebiet

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Von: Kristina Köller

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Mit dem Frühling beginnt die Zecken-Saison. In NRW wurde jetzt die erste Stadt vom RKI zum FSME-Risikogebiet erklärt. Was das bedeutet.

Hamm - Die Zecken-Saison naht. Wer viel in der Natur unterwegs ist, etwa im Wald oder auf Wiesen, sollte dabei grundsätzlich aufpassen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat vor kurzem eine erste Stadt in Nordrhein-Westfalen zum FSME-Risikogebiet erklärt. Was bedeutet das?

StadtSolingen
Fläche89,45 km²
Bevölkerung159.360 (2019)

Zecken in NRW: Solingen ist neues FSME-Risikogebiet

Zunächst drängt sich natürlich die Frage auf, was FSME überhaupt ist. Die Abkürzung steht für „Frühsommer-Meningoenzephalitis“, wobei es sich um eine durch Viren verursachte Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündung handelt. Die Viren werden durch Zeckenbisse übertragen.

Laut RKI sind in Deutschland hauptsächlich Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, das südöstliche Thüringen und Sachsen als FSME-Risikogebiete bekannt. Vereinzelt gibt es demnach auch Risikogebiete in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Niedersachen. In NRW gab es bislang kein FSME-Risikogebiet - jetzt aber schon: die Stadt Solingen.

Zecken in NRW: Solingen (NRW) und fünf weitere neue Risikogebiete in Deutschland

Insgesamt sind vor kurzem sechs neue Risikogebiete hinzugekommen. Diese Neuerung hat das RKI in seinem Epidemiologischen Bulletin vom 3. März bekanntgegeben. Neben Solingen sind also noch fünf weitere neue Risikogebiete zu verzeichnen: die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree und Spree-Neiße in Brandenburg sowie der Landkreis Görlitz und der Stadtkreis Chemnitz in Sachsen.

Auf Basis von Daten der bisherigen FSME-Erkrankungen zwischen 2002 und 2021 hat das Robert Koch-Institut nun diese neue Einschätzung vorgenommen und Solingen als Risikogebiet ausgewiesen. Als FSME-Risikogebiet gelten Städte oder Kreise dann, wenn die Erkrankungen über dem erwarteten Inzidenzwert von einer Erkrankung bei 100.000 Einwohnern liegen. In NRW ist Solingen bisher offenbar das erste Gebiet, das so stark betroffen ist.

Eine tote Zecke Hyalomma marginatum sitzt in der Parasitologie der Universität Hohenheim auf der Hand einer Doktorandin.
Tote Zecke auf einer Hand: Das RKI hat die Stadt Solingen (NRW) zum FSME-Risikogebiet erklärt. © Marijan Murat/dpa

Ein Sprecher der Stadt Solingen sagte der Deutschen Presse-Agentur kurz nach der RKI-Veröffentlichung, dass den Behörden im vergangenen Jahr vier FSME-Fälle gemeldet worden seien. Gemessen an der Einwohnerzahl sei damit die Inzidenz erreicht, um Solingen als Risikogebiet auszuweisen. Nun werde untersucht, ob der Zecken-Befall auf bestimmte Orte eingegrenzt werden könne. Die Stadt bereite Flyer und Plakate vor, um die Bevölkerung zu warnen.

Zecken in NRW: Solingen (NRW) Risikogebiet - RKI mit Impfempfehlung für diese Personen

Das RKI empfiehlt eine FSME-Impfung bei Personen, die in Risikogebieten „zeckenexponiert“ sind. Die Impfquote sei aber auch in Risikogebieten bislang niedrig, auch wenn eine Impfung viele der Krankheitsfälle verhindern könnte.

Der typische Verlauf einer FSME-Erkrankung besteht laut RKI aus zwei Phasen und beginnt mit unspezifischen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen und Fieber (Inkubationszeit meist 7 bis 14 Tage). Nach einem kurzen symptomfreien Intervall von circa einer Woche folgen die spezifischen neurologischen Symptome der FSME (Meningitis, Enzephalitis, Myelitis). „Verläufe mit nur einer Krankheitsphase kommen auch vor. Schätzungen zufolge verlaufen jedoch 70 bis 95 Prozent der Infektionen asymptomatisch oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus“, so das RKI in seinem Bulletin.

Zecken in NRW: Vier FSME-Fälle in Solingen in 2021

Doch was kann man tun, um das Risiko zu verringern? Beim Schutz vor Zecken können zum Beispiel lange Kleidung und Anti-Zecken-Spray helfen, wenn man in der Natur unterwegs ist. Auch sollte man den Körper abends auf die lästigen Plagegeister absuchen. Wer trotz aller Vorsicht einen Zeckenbiss erleidet, sollte gegebenenfalls einen Arzt konsultieren und auf eine gute Nachsorge achten.

Die allermeisten Menschen finden, dass für ausgiebige Spaziergänge in der Natur das Wetter stimmen muss. Was erwartet uns an Ostern 2022? Kommt erst der Blitzsommer, dann wieder Polarluft? *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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