Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW erneut gestiegen

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NRW-Innenminister Ralf Jäger

DÜSSELDORF - Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Nordrhein-Westfalen steigt weiter: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres registrierte die Kriminalpolizei über 30 500 Fälle. Das sind rund vier Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Tageseinbrüche stieg sogar um neun Prozent.

Mit geballter Kraft von Spezialisten will NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) jetzt über Bezirks- und Ländergrenzen hinweg gegen Intensivtäter vorgehen. Am Mittwoch kündigte er an, die Ermittlungen gegen überregional aktive Banden in 16 Schwerpunktbehörden zu bündeln und zusätzlich 20 Stellen für Spezialisten zu finanzieren. Ein wachsendes Problem im Bereich der Wohnungseinbrüche seien südosteuropäische Tätergruppen. "Bei allem Verständnis für die schwierige Situation in den Herkunftsländern: Kriminelles Verhalten werden wir nicht tolerieren", unterstrich der Minister in Düsseldorf.

So wie die Einbrecherbanden professionalisiert jetzt auch die Polizei ihre Arbeit. Mit ihrem Spezialisten-Netzwerk übertrage sie ihre sonst bei organisierter Kriminalität angewandte Methodik in vollem Umfang auf die reisenden Diebe und ihre Helfer im In- und Ausland, erläuterte Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann. Eine Koordinierungsstelle beim Landeskriminalamt (LKA) stellt dabei die Zusammenarbeit mit Europol und Interpol sicher. Das Konzept sei bundesweit einmalig, sagte Jäger.

Die CDU-Opposition hält die Ankündigungen für unzureichend. Landesweit wird nur etwa jeder siebte Wohnungseinbruch aufgeklärt. Das sei beschämend, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Peter Biesenbach. Die FDP forderte erneut eine "Beute-Datenbank", um Diebesgut schneller wieder in die Hände der Eigentümer zu bringen.

Die Ermittlungsarbeit gleicht einem großflächigen Puzzle. Nicht selten führt ein Hinweis aufmerksamer Bürger die Kriminalisten auf die entscheidende Spur. So war es im Frühjahr, als einer 23-köpfigen Bande nach akribischer Arbeit nachgewiesen werden konnte, in nur vier Monaten in über 30 Städten im Rheinland und im Bergischen Land 176 Wohnungseinbrüche verübt zu haben. Ein Hinweis auf verdächtige Männer und ein Auto hatten die Nachforschungen ins Rollen gebracht.

"Wir haben es mit einem neuen Typ Einbrecher in NRW zu tun", sagte Jäger. Nach einer ersten Analyse von 375 Fällen hat das LKA ein typisches Intensivtäterprofil erarbeitet: Häufig reisen sie aus dem Ausland ein - manchmal als Touristen getarnt, den Unterschlupf stellen Verwandte. Hintermänner liefern gefälschte Reisepässe und Tatfahrzeuge.

"Die Analysen verdeutlichen auch, dass die Täter zunehmend aus Südosteuropa stammen", stellte Jäger fest. "Das ist die Kehrseite der europäischen Freizügigkeit." Das Kriminalitätsphänomen werde Deutschland weiter beschäftigen. "Solange das Armutsgefälle in Europa so groß ist, wird dieser Anreiz bestehen, in Deutschland Straftaten zu begehen." Diese Entwicklung müsse ehrlich benannt werden. Klar sei: "Wir führen keine Ermittlungen gegen Ethnien (Volksgruppen), sondern gegen Straftäter." - dpa

Quelle: wa.de

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