„Wunder von Düsseldorf“: Lindners Sensationserfolg für NRW-FDP

Christian Lindner am Sonntagabend.

DÜSSELDORF - Christian Lindner hat der FDP wieder kräftig Leben eingehaucht. Die schon abgeschriebenen Liberalen ziehen nun doch wieder in den NRW-Landtag ein - und zwar mit sensationell sattem Ergebnis.

Von Yuriko Wahl-Immel

Die FDP feiert das „Wunder von Düsseldorf“. Und den, der es vollbracht hat: Christian Lindner. Der Jubel ist gewaltig und ohrenbetäubend bei der FDP-Wahlparty in Düsseldorf. „Das ist der Hammer“, „unfassbar“, „genial“ oder „das tut in der Seele gut“ - so gehen die Rufe durcheinander nach den ersten Prognosen von satt über 8 Prozent. „Oh, wie ist das schön, oh wie ist das schön“, singen die Lindner-Fans ausgelassen. Manche haben sogar Tränen in den Augen. „Das ist ein großes Ergebnis für die FDP in Nordrhein-Westfalen“, ruft der Landesparteichef im Düsseldorfer Zollhof. Der Wähler habe Prinzipientreue belohnt, die Liberalen seien wieder attraktiv.

Eigentlich sind es zwei Wunder, die Lindner geschafft hat. Die vor zwei Monaten noch parlamentarisch tot gesagte Partei - mit kümmerlichen 2 Prozent Zustimmung in den Umfragen - führt er nicht mit Ach und Krach, sondern mit einem deutlichem Zuwachs von rund zwei Punkten gegenüber 2010 wieder ins Düsseldorfer Landesparlament. Und er hat den Liberalen binnen Wochen wieder ordentlich Respekt und Selbstbewusstsein verschafft. Und dafür klatschen sie minutenlang, bevor Lindner überhaupt etwas in die Halle rufen kann.

Die Lindner-Fans sind euphorisch: „Ein grandioses Ergebnis, das zeigt, wie gut der Christian bei den Leuten ankommt, wie gut seine Strategie war. Und er hat nicht die große Welle gemacht, sondern ist bescheiden aufgetreten“, meint Michael Lintz. „Damit hat keiner gerechnet. Wir sind noch viel stärker als 2010 geworden“, freut sich Malik Hai. Düsseldorf werde nun - nach Kiel - der schwächelnden Bundes-FDP einen kräftigen Schub geben, hofft Jutta Schönau.

Mit nur 33 Jahren ist Lindner nun in der FDP ein Superstar mit einer stattlichen Machtbasis. Seit einer Woche ist er Chef des größten FDP-Landesverbands. Die Fraktion wird ihn zu ihrem Vorsitzenden wählen. Lindner, der sich aus der einstigen Boygroup mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und Bundesparteichef Philipp Rösler längst gelöst hat, spielt jetzt solo an wichtiger Stelle. Lindners Rezept: Abgrenzung von der Bundes-FDP, eigene Prioritäten und ein rasanter und ganz auf seine Person zugeschnittener Wahlkampf.

Lindner hat seine Botschaften präzise und schnörkellos formuliert. Auf Marktplätzen, in Hallen, in Fußgängerzonen, in dutzenden Interviews, in Videochats, TV-Runden oder via Twitter und Facebook. Auf plumpe Polemik gegen die Konkurrenz hat er verzichtet. Und im Gegensatz zum krachend gescheiterten CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen bekannte sich Lindner ohne Wenn und Aber zu NRW. „Ich hab' Lust auf Landespolitik“, betonte er immer wieder. Diese Lust dürfte am Sonntag noch gewachsen sein. - lnw

Quelle: wa.de

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