Wolf Maahn feiert seinen 60. Geburtstag

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KÖLN - Wolf Maahn raucht seine Kippen nur noch zur Hälfte, hat mit seiner Frau einen Gemüsegarten und kauft auf dem Wochenmarkt ein. Ein Spießer ist er deshalb aber noch lange nicht. Am Mittwoch hat er Geburtstag.

Von Michel Winde 

Wer Wolf Maahn kennenlernen will, muss seine Lieder hören. Wolf Maahn, das lernt man fix, ist ein Mann, den der kleinbürgerliche Muff der 80er Jahre abgestoßen hat.

"Arbeit, Pause / Die Welt dreht sich von acht bis fünf" heißt es in "Stadt der Waschmaschinen", im "Königsdorf-Tango" skizziert er den Wettstreit der Jägerzaun-Republik: "All die anderen sind schon wer / Abteilungsleiter oder Staatssekretär". Am Mittwoch wird Wolf Maahn 60 - ist er mittlerweile einer jener Spießer, über die er stets gesungen hat?

In den 1980er Jahren war er mal eine ziemlich große Nummer. Seine Alben waren monatelang in den Charts, als einer der ersten vermischte er soliden Deutschrock mit Soul- und R'n'B-Elementen, schrieb Hits wie "Rosen im Asphalt" und "Fieber". Er hing mit Wolfgang Niedecken (BAP) und Herbert Grönemeyer ab, produzierte Niedeckens Solo-Debüt, schrieb Musik für Klaus Lage und den Schimanski-"Tatort".

Maahn war im Vorprogramm von Fleetwood Mac, Bob Dylan und Roxy Music und trat als erster Deutscher bei der 15. ARD-Rockpalast-Nacht auf, die live in 17 europäische Länder ausgestrahlt wurde.

30 Jahre ist das her, damals hatte das Musikfernsehen noch Relevanz. Maahn war eine Ausnahmeerscheinung, eitel und scharfzüngig, sang mit schwarzem Humor gegen das bundesmusikalische Flachland an. Und er hat Liebeslieder geschaffen, die überdauern ("Ich wart auf dich").

Wer den Musiker Wolf Maahn wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag kennenlernen möchte, trifft ihn bei seinem Stammitaliener im Kölner Randbezirk Dellbrück, auf dem Tisch eingetopfter Efeu und ein kleines Windlicht. Mit seiner Frau, die für ihn auch Managerin und Ratgeberin ist, wohnt er hier im Viertel. Sie haben einen großen Gemüsegarten, gehen auf den Wochenmarkt, kaufen beim Bio-Weinhändler. Ziemlich bürgerlich. Die Zigaretten raucht er nur noch halb.

"Wo fängt Spießigkeit an?", fragt Maahn. "Ich war immer auch Teil der Bürger, hab' aber gleichzeitig gedacht: Ihr seid ein bisschen drüber. Und das denke ich heute noch." Es komme auf die Reflexion an - und diese Reflexion vermisst Maahn in weiten Teilen der Gesellschaft.

Nicht wach zu sein, ist auch auch spießig

Er spricht von einer "allumfassenden Massentierhaltung", auch kulturell, von Werbung und Massen-Kreuzfahrten ("schwimmende Wohnghettos"). Eine Art von Spießigkeit sei eben auch, nicht wach zu sein, all das nicht zu hinterfragen. So gesehen ist es eben gar nicht spießig, sein Fleisch auf dem Markt anstatt beim Discounter zu kaufen und eigenes Gemüse anzubauen. Wolf Maahn also, der bürgerliche Anti-Spießer.

So sieht er dann auch aus mit dem Piratentuch im Haar, Lederboots, Jeansjacke und -hose. Irgendwie anders als andere 60-Jährige, aber natürlich höchst konventionell. Rockmusik ist eben auch ein Lebensgefühl - und das hat seine eigenen Regeln. Maahn hat nie aufgehört, Platten zu veröffentlichen. Er war immer in der Öffentlichkeit, stand auf der Theaterbühne ("Das Lied von Schillers Glocke", 2009) und hat 2010 ein paar Wochen bei der RTL-Seifenoper "Unter uns" mitgespielt. Als Musiker, als Wolf Maahn. Am Ende hatte er einen Bühnenauftritt und spielte Lieder des neuen Albums. Promo also?

Unter dem Radar der großen Öffentlichkeit

"Ja, das klingt jetzt so wie Promo, aber es geht doch darum, für diese großartigen Lieder eine große Menschenmenge zu finden." Maahn war nie jemand, der Understatement übte, flog zuletzt aber doch unter dem Radar der großen Öffentlichkeit. "Auf jeden Fall werde ich manchmal unterschätzt", sagt er. Er sagt aber auch: "Ich weiß gar nicht, ob es das allumfassende Glück für mich wäre, überall erkannt zu werden.

Ich glaube, ich würde halb wahnsinnig." Im Herbst wird er ein neues Album veröffentlichen, eine Tour mit Band wird folgen. Maahn, der Von-sich-selbst-Überzeugte, kündigt unter anderem "vier bis fünf sehr atmosphärische Abheb-Grooves" an, "in denen sich langsam etwas verändert und die dich dann plötzlich von hinten links erwischen". Er lebt die Musik auch mit 60 noch. "Wenn ich heute so locker auf der Bühne tänzle, ist das vor allem noch immer die Musik, die das mit mir macht", sagt er. Es geht ihm also gut, Wolf Maahn, dem Unterschätzten. Es geht ihm sehr gut: "Ich hätte nicht gedacht, dass es mit 60 noch so schön ist."

dpa

Quelle: wa.de

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