Wolf im Kommen: Schafzüchter wollen mehr Informationen

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Lippstadt/Düsseldorf - Die nordrhein-westfälischen Schafzüchter verlangen mehr Informationen über umherziehende Wölfe.

"Wir kriegen die Meldungen spät und brauchen mehr gesicherte Erkenntnisse", sagte Ortrun Humpert, die Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Schafzucht-Verbandes, der Deutschen Presse-Agentur. Bislang dauere es manchmal Monate, bis ein Riss in einer Schafherde als Wolfs-Attacke bestätigt werde.

Ende Januar war südlich von Münster der erste Wolf des Jahres in NRW gesichtet worden. Das Tier konnte mit Hilfe von Fotos schnell bestimmt werden. In Berlin sind sich CDU und SPD einig, dass die Ausbreitung der Wölfe künftig stärker kontrolliert werden soll. Vor Angriffen sollten Nutztiere besser geschützt werden, vereinbarten die Parteien in den Koalitionsverhandlungen.

Schafzüchterin Humpert betont: "Wölfe lernen schnell, wo sie etwas zu fressen finden. Wir müssen rasch aktiv werden können, um die Herden zu schützen". Sie sei überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis das Wildtier auch in Nordrhein-Westfalen sesshaft wird. "Wir werden mehr Jungwölfe bekommen", sagte sie. 2017 gab es laut Landesumweltamt sieben Nachweise von drei Tieren in NRW.

Ein Sprecher des Umweltministeriums verwies darauf, dass bislang nur wenige einzelne Wölfe in NRW gesichtet worden seien und noch keiner sich angesiedelt habe. Daher würden den Besitzern bisher lediglich von Wölfen getötete Nutztiere sowie Tierarztkosten ersetzt. "Wenn sich ein Wolfsrudel ansiedelt, sieht die Entschädigung anders aus, denn dann wird auch die Prävention berücksichtigt", sagt der Sprecher. Dann würden auch Schutzzäune und Herdenschutzhunde sowie unter Umständen auch Ausbildung und Pflege der Hunde finanziert. Diese einheitlichen Richtlinien gebe es in allen Bundesländern.

Seit 2009 wurden nach Angaben des Ministeriums in NRW elf Ziegen und 13 Schafe nachweislich von Wölfen gerissen. Bund und Länder seien derzeit in Gesprächen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, wenn Wölfe immer wieder Tierherden anfallen oder menschlichen Siedlungen nahe kommen.

Humpert kritisierte die bislang empfohlenen Schutzmaßnahmen als unzureichend. Wie Schaf- und Ziegenherden effektiv geschützt würden, müsse erprobt werden. "Der Wolf kann schwimmen, klettern, graben und springen", berichtete sie. Die Schafzüchterin ist dabei ebenso gegen eine Verteufelung des Wolfs wie gegen eine Glorifizierung. "Die schwarze und die rosarote Brille helfen nicht."

Quelle: wa.de

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