Vorwürfe nach Dioxin-Fund auf Duisburger Kinder-Bauernhof

[Update 16:15 Uhr] DUISBURG - Ausgerechnet auf einem Kinder- und Lernbauernhof sowie einem Bio-Hof in Duisburg sind dioxinbelastete Eier entdeckt worden. Zwei Wochen lang lief der vorösterliche Eierverkauf dennoch weiter - dann schritt das Land ein.

Ein Kinder-Idyll vor Hochofen-Kulisse: Der Ingenhammshof in Duisburg ist ein Lern-Bauernhof. Prächtige Hühner laufen auf grüner Wiese frei umher. Auch am Donnerstag lachen fröhliche Kinder auf dem Hof - nur Journalisten müssen draußenbleiben. In Eiern der Hühner sind erhöhte Dioxin-Werte gemessen worden. Binnen weniger Tage gerieten drei Betriebe in Nordrhein-Westfalen ins Visier der Behörden.

In Duisburg sind der Kinder- und Lernbauernhof der Arbeiterwohlfahrt sowie ein Bio-Hof betroffen. Zwei Wochen lang lagen die Messergebnisse vor - aber der vorösterliche Verkauf ging weiter, bis das Land einschritt und die Sperrung der Betriebe anordnete.

Zwei Tage zuvor waren erhöhte Werte dioxinähnlicher PCB (Polychlorierte Biphenyle) in einem großen Betrieb in Ostwestfalen-Lippe ermittelt worden. Eier des Hofs mit rund 25 000 Legehennen hatten eine bis zu sechsmal über dem Grenzwert liegende Konzentration der PCB aufgewiesen. Einen Zusammenhang zu den Duisburger Fällen sehen die Experten nicht.

Im nordrhein-westfälischen Umweltministerium hat man wenig Verständnis für das Verhalten der Duisburger Stadtverwaltung: "Die Betriebe hätten schon am 20. März gesperrt werden müssen. Die Stadt hat aber nur weitere Proben veranlasst", sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag.

Die städtischen Mitarbeiter hätten die Werte knapp über den Grenzwerten als nicht besorgniserregend eingestuft und die Ergebnisse der Kontrollproben abwarten wollen, entgegnete ein Sprecher des Duisburger Rathauses. Zudem sei unmittelbar mit der Ursachensuche begonnen worden.

Über die Höhe der gemessenen Werte gingen die Angaben auseinander. Während das Land beim AWO-Hof mit 10 Pikogramm (Billionstel Gramm) eine vierfache Überschreitung des Grenzwerts von 2,5 Pikogramm sieht, ist bei der Stadt nur von einer doppelt so hohen Belastung von 5,3 Pikogramm die Rede.

Für eine erhöhte Hintergrundbelastung durch die Schwerindustrie seien diese Werte aber zu hoch, hieß es in Düsseldorf. Auch im Futtermittel sei nichts gefunden worden, berichtete das Ministerium.

"Bislang hatten wir keine Probleme", sagte AWO-Mitarbeiter Osman Apaydin. Die Eier stammten von freilaufenden Hühnern und ihr Vertrieb sei nicht-kommerziell. "Wir wissen selbst nicht, wie das sein kann."

Beim zweiten Duisburger Fall, dem Bio-Hof, lag die Dioxin-Belastung nur leicht über dem Grenzwert. In diesem Fall sei es durchaus möglich, dass der Wert über eine erhöhte Hintergrundbelastung durch die benachbarte Industrie verursacht worden sei, hieß es.

Kritik kam vom Deutschen Bauernverband: "Es kann nicht sein, dass die Öffentlichkeit erst informiert wird, wenn die Eier alle aufgegessen sind", sagte Verbandssprecher Johannes Funke. Der vom Bundeslandwirtschaftsministerium ins Leben gerufene Zehn-Punkte-Plan zur Bewältigung solcher Situationen greife offenbar nicht.

Erst vor gut einem Jahr hatte ein Dioxin-Ei-Skandal bundesweit für Wirbel gesorgt. Über 1000 Höfe wurden gesperrt und Tausende Tiere getötet. Damals stammte der Eintrag des Supergifts Dioxin von belastetem Futtermittel.

Die Behörden rufen die Eier nun zurück: Verbraucher und Handel sollen Eier mit der Stempelnummer 0-DE-0521041 schnellstmöglich entsorgen, hieß es. Die Eier des einen Duisburger Direktvermarkters mit 120 Bio-Hennen tragen die Stempelnummer 0-DE-0521991. Der AWO-Hof mit 150 Legehennen stempele die Eier nicht, weshalb das Ministerium auch seinen Namen bekanntgab. - lnw

Quelle: wa.de

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