Hässliche Spuren

Aufräumen nach dem Unwetter in NRW

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[UPDATE 14.50 Uhr] NRW - Es hörte nicht auf zu regnen. Wassermassen überfluteten am Donnerstag Straßen, Häuser, Schulen und Kirchen in NRW. Autos und Bahnen blieben stecken. Am Tag nach dem Sturm war längst nicht alles aufgeräumt.

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Die heftigen Gewitter mit Starkregen und Sturmböen am Donnerstag haben in Nordrhein-Westfalen deutliche Spuren hinterlassen. Bis tief in die Nacht hatten Feuerwehrleute im ganzen Land damit zu tun, überflutete Keller leerzupumpen und umgestürzte Bäume wegzuräumen. Sie waren zu tausenden Einsätzen gerufen worden. Weil Bahngleise noch unter Wasser standen, warteten Pendler im Berufsverkehr am Freitag länger auf ihre Züge. Bonn und das östliche Ruhrgebiet hatten die Regenmassen besonders hart getroffen. Dort fiel nach Überflutungen in Schulen sogar Unterricht aus.

Bahnreisende mussten weiter Geduld aufbringen. Über die am schlimmsten geflutete Strecke bei Königswinter rollten Regionalbahnen am Nachmittag mit halber Geschwindigkeit, wie ein Bahnsprecher sagte. Der Grund: Oberleitungsschäden, unterspülte Gleise und Schlamm. Die S-Bahn zwischen Dortmund und Solingen kam ebenfalls später. In Bonn bildeten sich auf einer wichtigen Verkehrsader kilometerlange Staus, nachdem ein Straßentunnel gesperrt worden war.

Kräftiger Regen war in der Nacht aber nur noch auf Ostwestfalen heruntergeprasselt. "Die Kaltfront ist inzwischen nach Nordosten abgezogen. Es bleibt aber unbeständig", sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Laut DWD fielen nachts in Gütersloh und Paderborn mehr als 40 Liter pro Quadratmeter. In Bielefeld liefen vier Unterführungen unter dem Ostwestfalendamm voll Wasser. Sieben Autos steckten fest. Eine Fahrerin rettete die Feuerwehr mit einem Schlauchboot. Eine der Unterführungen blieb zunächst gesperrt.

Bis zum späten Donnerstagabend hatten Sturm und Gewitter über NRW gewütet, Wohnungen und Straßen überflutet. "Auf dem Opelring reichte das Wasser bis zum Außenspiegel eines Autos heran", sagte ein Sprecher der Feuerwehr in Bochum. Hagelkörner so groß wie Taubeneier verbeulten in Hagen etliche Autos und ließen Glasdächer bersten.

Video aus dem südlichen Märkischen Kreis:

Blitze schlugen etwa in ein Haus in Paderborn und ein Gartencenter in Remscheid ein. In Möhnesee geriet ein Dachstuhl durch einen Blitzeinschlag in Brand. Eine Kirche in Witten musste die Feuerwehr am Freitag von Wassermassen befreien. In Bochum, wo am Donnerstagnachmittag in zwei Stunden 73 Liter Regen fielen, pumpten die Einsatzkräfte den Keller eines Kindergartens leer. "Zwei Grundschulen bleiben heute geschlossen", sagte ein Sprecher der Stadt. An einer Gesamtschule in Bonn hatten die Kinder am Freitag ebenfalls schulfrei, weil es nach einer Überflutung keinen Strom mehr gab.

Mit besonderer Wucht war die Gewitterwalze über Bonn hinweggerollt. In einem Kaufhaus in der Innenstadt war am Donnerstag ein Fallrohr geplatzt. Das Wasser floss durch die Decken und legte Rolltreppen und Fahrstühle lahm. Mit einem Boot hatten Retter bei Essen neun Kanutinnen eingesammelt, die aus Angst vor Gewitter Schutz auf einer Insel in der Ruhr gesucht hatten. Im münsterländischen Dülmen war ein 80-Jähriger in seinem überfluteten Keller ums Leben gekommen. Einige Menschen hatten sich im Unwetter leicht verletzt.

Allein im östlichen Ruhrgebiet zwischen Bochum, Dortmund, Hagen und Hamm rückte die Feuerwehr zu rund 1500 Einsätzen aus. In Köln zählte die Feuerwehr knapp 100 Einsätze - nur auf der rechten Rheinseite.

"Wir haben total Schwein gehabt", sagte dagegen ein Sprecher der Feuerwehr in Düsseldorf. Am Freitagmorgen standen nach einem neuen Gewitter einige Zentimeter Wasser im Rheinallee-Tunnel. Ansonsten gab es für die Feuerwehr kaum etwas zu tun. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", erklärte ein Sprecher der Feuerwehr im Kreis Aachen. Auch über Essen zogen die Unwetter am Donnerstag hinweg, ohne größere Schäden zu hinterlassen.

Anderswo dauern die Aufräumarbeiten noch länger an: In den Wäldern in NRW könnten Äste von Bäumen abbrechen und Menschen treffen. "In den nächsten 14 Tagen sollten die Wälder gemieden werden. Es besteht Lebensgefahr", warnte der Stadtförster in Hemer. Dort hatten Stürme besonders viele Bäume umstürzen lassen.

Die Versicherungen erreichten schon am Freitag viele Meldungen von Schäden durch Hagel, Überschwemmungen und Blitzeinschlägen. Eine Sprecherin des Düsseldorfer Ergo-Konzerns berichtete, dem Unternehmen seien bislang aber noch keine Großschäden gemeldet worden. - lnw

Quelle: wa.de

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