Mit falschen Diagnosen und Gutachten zur Rente

Schwere Betrugsvorwürfe gegen Werler Mediziner

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Werl/Bielefeld - Mehrere Ärzte in Nordrhein Westfalen sollen etliche Patienten mit Hilfe wissentlich falscher Diagnosen zur Frührente verholfen haben – und ein Werler Mediziner gilt als einer der Hauptbeschuldigten.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld und einer Durchsuchung der Praxisräume in Werl soll sich der Mann nach Informationen unserer Zeitung aber nun im Ausland aufhalten.

Zum genauen Stand der Betrugs-Ermittlungen will die Wirtschaftsstaatsanwaltschaft Bielefeld aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Allerdings bestätigt sie die Ermittlungen gegen den Werler Mediziner. 

Die Praxis in Werl ist seit geraumer Zeit geschlossen; der Telefonanschluss ist nicht mehr existent, der beschuldigte Mediziner ist nicht zu erreichen. Versuche einer Kontaktaufnahme unserer Redaktion scheiterten. Laut Jens Flintrop, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Dortmund, ist zumindest der KV Dortmund von Unregelmäßigkeiten zwar bislang nichts bekannt. 

Praxisräume durchsucht 

Fakt ist aber: Bereits im Februar haben die Staatsanwaltschaft Bielefeld und die Polizei die zu dem Zeitpunkt vollen Praxisräume in Werl aufgesucht und dabei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Das bestätigt Oberstaatsanwalt Ralf Günther von der Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität auf Anfrage unserer Zeitung. 

Die Betrugs-Ermittlungen richten sich gegen mehrere Ärzte; demnach haben mehr als 700 Menschen aus ganz Westfalen möglicherweise zu Unrecht Leistungen der Deutschen Rentenversicherung erhalten. Falsche Krankschreibungen und Gutachten sollen ihnen zu Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsrente verholfen haben. Dazu wurden offenbar Provisionen gezahlt. Neben den Ärzten sind auch Vermittler aus dem östlichen Ruhrgebiet im Visier der Fahnder. Eine Frau sitzt laut Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Sie ist aber keine Medizinerin. Derzeit gehen die Untersuchungen nicht über die Landesgrenzen von NRW hinaus. 

Zum Stand der Ermittlungen könne man aber derzeit keine Details mitteilen. Und damit auch nicht, wie viele Fälle allein dem Werler Arzt vorgeworfen werden können. „Aber das ist keine Kleinigkeit“, sagt der Oberstaatsanwalt. Ein Indiz dafür: Für kleine Fälle würde sich nicht die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft interessieren. Auch zur Gesamtschadenssumme könne man derzeit keine Angaben machen. 

Das Verfahren kam in Gang, als der Rentenversicherung Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind. Die habe Anzeige erstattet. Die Ermittlungen halten an; das Verfahren gilt als extrem aufwendig. Jeder Einzelfall muss auch auf Patientenseite überprüft werden. Da im Fall des Werler Arztes viele ausländische Patienten beteiligt gewesen sein sollen, muss mit Dolmetschern gearbeitet werden.

Quelle: wa.de

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