Sebastian Kellerhoff im „Hyatt Regency“

Abenteuer Sotschi: Werler ist Küchenchef im Nobelhotel

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Von Werl nach Berlin, von dort nach Dubai und Kiew und jetzt Sotschi. Der Werler Küchenchef Sebastian Kellerhoff ist viel herumgekommen.

WERL/SOTSCHI - In Sotschi wird gehämmert, gebaggert und geschraubt. Das wäre im fernen Werl kaum eine Notiz wert, fänden in der russischen Metropole am Schwarzen Meer nicht die Olympischen Winterspiele statt – und wäre nicht zufällig ein Werler unmittelbar von dem Chaos betroffen.

Von Britta Lenze und Matthias Dietz

Der Mann heißt Sebastian Kellerhoff, ist 35 Jahre alt und hat sich mächtig drauf gefreut, während der Spiele Gäste aus aller Welt beherbergen und bekochen zu können. Kellerhoff nämlich ist Executive Chef des Luxushotels „Hyatt Regency Sochi“. Anfang November war der Werler, der längst schon Weltenbummler in Sachen Hotelerie und Gastronomie ist, nach Russland geflogen, um die damals noch im Rohbau befindliche Fünf-Sterne-Unterkunft mit aufzubauen.

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Hier geht's zur Homepage des (unfertigen) Hyatt-Hotels Sotschi.

Keine leichte Mission, wie sich schnell herausstellen sollte. Die Bauarbeiten verzögerten sich, vieles lief nicht rund. Die für Mitte Dezember geplante Eröffnung verschob sich um mehrere Wochen auf den 1. Februar. Aber nicht unter der Hyatt-Flagge, sondern auf Ticket des Eigentümers, der Freunde und Geschäftspartner in dem halb fertigen Hotel unterbringen will.

„Das Hotel ist nicht fertig – bis auf zwei Etagen und ein Restaurant. Der Rest wird wohl erst in den nächsten Monaten fertig. Die große Eröffnungsparty von Hyatt wird Anfang des Sommers stattfinden“, fasst Kellerhoff die Zustände in Sotschi zusammen. Die Nobelhotel-Kette habe sich bis Mitte März zurückgezogen, weil die Umstände das versprochene Fünf-Sterne-Niveau nie und nimmer gewährleisten können. Aber der Werler wird die Ärmel hochkrempeln, will die Gäste des Eigentümers „nach unseren Richtlinien und Qualitäten bedienen und beköstigen – was eine echte Herausforderung ist“.

So soll das Hotel einmal aussehen, wenn es fertig ist.

Viel harte Arbeit hat Sebastian Kellerhoff bisher investiert: Gespräche mit Lieferanten mussten geführt, Personal eingestellt, Menüs erarbeitet und die Einrichtung der Küche geplant werden. Und das alles unter erschwerten Bedingungen, denn vieles läuft in Russland anders als in Europa: langsamer, komplizierter. Mehrmals fielen zudem Wasser, Strom und Internet aus. Starke Nerven waren gefragt. Der 35-Jährige aber biss sich durch, machte das Beste daraus, kämpfte sich mit seinen wenigen Russisch- Kenntnissen durch und machte seine 77 Mitarbeiter mit internationalen Hotel- Standards vertraut.

Englisch wird in Sotschi wenig gesprochen, selbst internationale Banken haben kaum englisch sprechende Angestellte. Generell müsse man seine Maßstäbe herunter schrauben, so Kellerhoff – egal ob es um Verlässlichkeit, Verwaltungsangelegenheiten oder die medizinische Versorgung geht.

Zudem ist Sotschi ein sehr teurer Ort, und die Restaurants sind für den Werler Küchenchef immer wieder eine neue Erfahrung: „Wenn man zum Beispiel Tabasco bestellt, wird der Tabasco auch auf der Rechnung erscheinen – oder die Zitrone für das Wasser. Ganz zu schweigen von der Qualität des Essens, das serviert wird. Die ist wirklich sehr, sehr schlecht – gerade im Preis-Leistungsverhältnis“.

Der vielfach ausgezeichnete Küchenchef hatte seine Ausbildung 1994 im „Haus Gerbens“ in Wickede begonnen und war 2002 zum Hotel Adlon Kempinski nach Berlin gewechselt. Seine Karriere in der „Hyatt“- Kette startete er 2005 im „Grand Hyatt“ in Dubai als zweiter Küchendirektor. Von dort ging es 2009 nach Kiew, wo Kellerhoff die Küchen mit 64 Köchen im „Hyatt Regency Kyiv“ führte.

Der Werler erkochte sich hohes Ansehen in der Ukraine. Das ukrainische Fernsehen drehte eine Serie mit ihm, und eine ukrainische Zeitschrift wählte ihn zu einem der 25 wichtigsten Köche des Landes. 2011 erhielt Kellerhoff die Auszeichnung „Chef of the year award“ des „Ukrainian Connoisseur Clubs“. Mitte 2013 kam das Angebot vom Schwarzen Meer, lockte darüber hinaus mit den Olympischen Spielen – und Kellerhoff schlug ein.

Quelle: wa.de

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