Organisierte Kriminalität

Schlag gegen Miri-Clan: Polizei durchsucht Objekte in Werl und Dortmund

Die Polizei Dortmund hat am Donnerstagmorgen zwei Objekte in Werl durchsucht.
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Die Polizei Dortmund hat am Donnerstagmorgen zwei Objekte in Werl durchsucht.

Der Polizei Dortmund ist am frühen Donnerstagmorgen nach eigener Darstellung ein „erfolgreicher Schlag“ gegen die Organisierte Kriminalität gelungen. Zwei der durchsuchten Objekte lagen in Werl.

[Update: 17.59 Uhr] Werl/Dortmund - „Die Maßnahmen richten sich gegen Mitglieder des in Dortmund ansässigen Miri-Clans sowie weitere Tatverdächtige. Ihnen werden der bandenmäßige Handel mit Kokain im zweistelligen Kilogramm-Bereich sowie Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Dortmund und der Polizei Dortmund.

In einem seit Oktober 2020 geführten Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität hat die Polizei Dortmund in den frühen Morgenstunden des 24. Juni Durchsuchungen an insgesamt 21 Objekten in Dortmund (18), Werl (2) und Bochum (1) durchgeführt.

Bei der Razzia im Ruhrgebiet haben Ermittler mehrere Mitglieder der kriminellen Führungsebene des Miri-Clans festgenommen. Der 35 Jahre alte Clan-Chef habe sich allerdings nach Spanien abgesetzt und konnte dort nicht wie geplant festgenommen werden, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Thomas Manthei am Donnerstag in Dortmund. Nach ihm werde weiter mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Zwischenlager für Drogen

Nach umfangreichen Auswertungen verschlüsselter Chats, mit denen sich die Bandenmitglieder über ihre Drogengeschäfte ausgetauscht haben sollen, erfolgte am Donnerstagmorgen der Zugriff. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die kriminelle Gruppe insgesamt zwölf Personen umfasse. Ihnen wird bandenmäßiger Handel mit Kokain vorgeworfen. Dafür sollen sie in Dortmund und Werl jeweils ein Zwischenlager betrieben haben.

Die Drogen sollen sie selbst hergestellt und als angeblich peruanisches und damit gewinnbringenderes Kokain weiter verkauft haben. Insgesamt seien sieben Männer im Alter zwischen 26 und 45 Jahren festgenommen worden. Ein ebenfalls mutmaßlich an den Drogengeschäften beteiligter Bruder des Clan-Chefs sollte noch am Donnerstag aus Albanien ausgeliefert werden.

Einsatz im Werler Westen

Bei den Einsatzorten in Werl handelt es sich nach Informationen unserer Redaktion um zwei Wohnungen im Werler Westen. Anwohner waren am frühen Morgen unter anderem durch Lautsprecherdurchsagen der Polizei auf den Einsatz aufmerksam geworden und berichteten von mehreren Streifenwagen, aber auch Zivilbeamten, die an der Aktion beteiligt waren.

Sieben Haftbefehle

Im Rahmen des Großeinsatzes seien bislang sieben Haftbefehle gegen die Führungsebene des Dortmunder Miri-Clans vollstreckt und Beweismittel sichergestellt worden. Gefunden wurden laut Polizei rund 40.000 Euro Bargeld, 2,5 Kilogramm Marihuana, zwei hochwertige Uhren, eine Machete, ein Schlagstock sowie IT-Asservate. Die weiteren Ermittlungen auch hinsichtlich der Auswertungen von Inhalten aus dem Kommunikationsnetzwerk Enchrochat dauern an und sollen weitere strafrechtlich relevante Aspekte zu Tage bringen.

mit Material von dpa

Der Miri-Clan

Die Mitglieder des Miri-Clans gehören zur Volksgruppe der Mhallamiye. Diese stammt ursprünglich aus dem heutigen Grenzgebiet zwischen der Türkei, Syrien und dem Libanon. Später siedelte die Mhallamiye aufgrund religiöser und gesellschaftlicher Unterdrückung in den Libanon über. In den 1980er-Jahren flohen dann Angehörige dieser Volksgruppe zu tausenden vor dem Bürgerkrieg im Libanon nach Westeuropa, in Deutschland vor allem nach Bremen, Essen und Berlin. Dem Miri-Clan werden mafiöse Strukturen nachgesagt und zahlreiche Straftaten vorgeworfen. Aktiv sein soll der Clan unter anderem im Rotlichtmilieu, im Glücksspielgeschäft und im Drogen- und Waffenhandel.

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