Als "Gladbecker Geiselgangster" traurige Berühmtheit erlangt

JVA Werl befürwortet Freilassung von "Promi"-Insasse Dieter Degowski

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Dieter Degowski darf auf die Freilassung aus der JVA Werl hoffen.

Werl/Arnsberg - Ein wichtiger Schritt für Dieter Degowski auf dem Weg in die Freiheit: Die JVA Werl hat sich für die Freilassung des als "Gladbecker Geiselgangster" bekannten prominentesten Werler Häftlings ausgesprochen. "Nach unserer Auffassung ist die Entlassung verantwortbar", sagte Anstaltsleiterin Maria Look am Mittwoch auf Anzeiger-Anfrage.

Die nötigen Rahmenbedingungen seien mittlerweile geschaffen worden. Noch im Februar hatte die JVA sich skeptisch geäußert und zum damaligen Zeitpunkt die Voraussetzungen für eine Freilassung noch nicht gesehen. 

Wichtig sei, dass der zu Entlassende "eine Unterkunft und mehrere Bezugspersonen draußen hat, die den dann ehemaligen Gefangenen auch unterstützen", hatte Look im Februar gesagt. 

Man arbeite an Grundlagen für eine gelingende Wiedereingliederung. Mittlerweile, so Look, hätten sich die Dinge so weit entwickelt, dass man der Strafvollstreckungskammer ein positives Votum zukommen ließ. Das gilt als wichtiger Aspekt im jahrelangen Bemühen Degowskis um eine baldige Freilassung. 

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Unterdessen hatte der Häftling auch selbst das Wort: Im Zuge des Strafvollstreckungsverfahrens fand jetzt im Landgericht Arnsberg ein nicht-öffentlicher Anhörungstermin statt. Dabei war Dieter Degowski selber zugegen, teilt das Landgericht Arnsberg mit. 

Der Hintergrund ist der Antrag der Verteidigerin Degowskis, dass nach fast 30 Jahren Haft der Rest der gegen ihn verhängten lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden solle. 

Seit Jahren laufen in der JVA Werl Vorbereitungen für die Freilassung des Mannes, der gemeinsam mit seinem damaligen Kompagnon Hans-Jürgen Rösner im August 1988 deutsche Kriminalgeschichte schrieb. 

"Eine persönliche Anhörung des Betroffenen ist durch das Gesetz vorgesehen", teilt Dr. Johannes Kamp, Pressedezernent des Landgerichts Arnsberg, mit. "Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen. Der Antrag wird weiter geprüft."

Die Chancen auf eine baldige Entlassung Degowskis gelten in Justizkreisen aber als gut. Ein psychiatrisches Sachverständigen-Gutachten war im Zusammenhang mit dem Antrag erstellt worden – über die Inhalte gibt es keine Informationen. 

Klar ist: Sollte die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg Degowski auf freien Fuß setzen, wird er neben der JVA auch seinen Namen hinter sich lassen. Er wird mit einer neuen Identität ausgestattet, um ein Leben nach dem Knast zu ermöglichen. 

Ein positives Votum der Strafvollstreckungskammer könnte aber durch die Staatsanwaltschaft gebremst werden. Sie könnte gegen die Freilassung Beschwerde einlegen. 

Im August 1988 hatten Degowski und sein Komplize Rösner die Republik in Atem gehalten. Drei Tage lang flüchteten sie nach einem missglückten Bankraub in Gladbeck mit Geiseln vor der Polizei; sie kaperten unter anderem einen Linienbus. Drei Menschen starben, das Geiseldrama war begleitet von einer Medienmeute, die die Gangster auf der Flucht sogar interviewte.

Quelle: wa.de

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