Weißer Ring zu Silvester-Übergriffen: Stärker auf die Opfer blicken

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Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Opferhilfevereins Weißer Ring

Köln - Die sexuellen Attacken gegen Frauen in Köln haben internationales Entsetzen ausgelöst. Wie lässt sich eine Wiederholung in der närrischen Zeit ausschließen? Der Verein Weißer Ring fordert einen stärkeren Fokus auf die Opfer.

Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht beklagt die Hilfsorganisation Weißer Ring einen mangelnden Blick auf die Opfer und warnt vor ähnlichen Attacken an Karneval. "Die Opfersicht kommt viel zu kurz", sagte Bundesgeschäftsführerin Bianca Biwer der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. "Die Debatte verläuft zu täterzentriert." Ein besserer Schutz von Frauen bei Spektakeln wie Silvester und Karneval sei kaum Thema. Auch die Überlastung von Polizei und Justiz bei der Ahndung von Übergriffen komme zu kurz, kritisierte die Juristin. Am Kölner Hauptbahnhof waren etliche Frauen von einem Männer-Mob umzingelt, begrapscht und ausgeraubt worden.

"Köln war in dieser Dimension bislang ein Unikum. Aber das Thema betrifft Frauen überall in Deutschland", mahnte Biwer (40). "Bei Volksfesten oder jetzt an Karneval kommt es in Feierstimmung und mit Alkohol zu viel sexueller Gewalt, die verharmlost wird. Darüber wird zu wenig gesprochen."

Wenn die Politik über einen härteren Rechtsstaat debattiere, sei das ein Scheingefecht, ergänzte die Bundesgeschäftsführerin des Opferhilfe-Vereins mit 420 Anlaufstellen, 120 000 Unterstützern und dem Hauptsitz in Mainz. "Das Strafrecht ist schon gut und ausreichend." Es müsse nur konsequent und zügig angewandt werden. Positiv an der Debatte über die Kölner Übergriffe sei alleine, dass das Sexualstrafrecht nun rascher verschärft werden soll.

Mit Blick auf die mutmaßlich nordafrikanischen und arabischen Täter von Köln sagte Biwer, deren Herkunft könne keine Erklärung für die Angriffe sein. "Das wäre eine Verharmlosung. Es waren keine kulturellen Missverständnisse, sondern Straftaten mit Vorsatz." Zur großen Zahl von Missbrauchsfällen und Vergewaltigungen komme es ohnehin vor allem in Deutschlands Familien. "Uns interessiert dabei nicht, ob die Täter Ausländer oder nicht sind."

Biwer rief sexuell belästigte Frauen dazu auf, keinesfalls aus Scham darauf zu verzichten, sich Hilfe zu holen oder die Polizei einzuschalten. "Bei ihr ist das Opfer in keiner Beweisbringschuld, sondern muss nur glaubwürdig berichten." Frauen in Menschenmengen riet sie, möglichst in Gruppen unterwegs zu sein, auf ihr Bauchgefühl zu achten und bei Angriffen Passanten direkt anzusprechen. - dpa

Quelle: wa.de

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