NRW will Salafismus-Prävention ausbauen

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Das Land NRW will seine Salafismus-Prävention ausbauen.

BOCHUM - Das Land Nordrhein-Westfalen will ein Präventionsprojekt ausweiten, das junge Leute vor einem Abrutschen in den Salafismus bewahren soll. Das Projekt "Wegweiser in NRW" soll 2015 auch in Köln, am Niederrhein sowie im Bergischen Land geben, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch.

Seit April befindet sich in einer interkulturellen Jugendhilfeeinrichtung in Bochum eine Beratungsstelle für junge Menschen, die Gefahr laufen, in die militante salafistische Szene zu geraten. Meist hätten sich bislang Angehörige oder Lehrer ratsuchend an die Experten gewandt.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Die Einrichtung arbeite seit Jahren mit Jugendlichen aus verschiedenen Kulturen und habe ein gutes Netzwerk mit Behörden, Jugendzentren und Moscheegemeinden aufgebaut. So könnten junge Menschen erreicht werden. Derzeit würden zehn Jugendliche intensiv von mehrsprachigen Mitarbeitern betreut, sagte Friederike Müller, Geschäftsführerin des Bochumer Trägerverein IFAK. Der Informations- und Hilfsbedarf bei Lehrern und Eltern sei groß.

Bei der Innenministerkonferenz im Dezember will Jäger bei seinen Ministerkollegen für das aus seiner Sicht vorbildhafte Modell werben. Auch in Düsseldorf und Bonn läuft das Projekt bereits. Bei den jeweiligenTrägereinrichtungen wurde je eine Vollzeitstelle geschaffen. Als Budget stehen 600.000 Euro zur Verfügung.

Aus Sicht der Oppositon ist das zu wenig. "So ist der Salafismus nicht aufzuhalten", kritisierte Joachim Stamp, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. Es bedürfe eines ausgereiften Konzeptes statt aufgeblasener Leuchtturmprojekte. CDU-Innenpolitiker Theo Kruse kritisierte: "Unter Innenminister Jäger hat sich Nordrhein-Westfalen zum Rückzugsraum und zur Wohlfühlzone für gewaltbereite Salafisten entwickelt."

Nordrhein-Westfalen gilt als Hochburg radikaler Salafisten

Von den rund 6600 Anhängern bundesweit leben dort nach Angaben des Verfassungsschutzes rund 1800. Bis zu 15 Prozent von ihnen werden der gewaltbereiten Szene zugerechnet. Die Verfassungsschützer verdächtigen Teile der Salafisten-Bewegung, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzen zu pflegen. Die Behörden haben bislang mehr als 140 Salafisten gezählt, die aus NRW in den Krieg nach Syrien oder in den Irak gereist sind.

Der Salafismus ist eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine "islamische Ordnung" mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an. Sie vertreten einen Ur-Islam und wenden sich gegen jede theologische Modernisierung. - dpa

Quelle: wa.de

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