Update 19.30 Uhr/ Landesweit Gleise blockiert

Lokführerstreik legt späten Berufsverkehr lahm

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[UPDATE, 19.30 UHR] WESTFALEN - Der Warnstreik der Lokführer bei der Deutschen Bahn hat den Verkehr auch auf Strecken in NRW am frühen Montagabend zum Erliegen gebracht. Schon eine Stunde nach Beginn des Ausstands berichtete eine Bahn-Sprecherin von starken Einschränkungen - es herrschte großes Chaos.

Die Gewerkschaft hatte nicht angekündigt, wo die Streikschwerpunkte sein würden. Auf dem Essener Hauptbahnhof etwa ging für viele Berufspendler, die nicht rechtzeitig aufbrechen konnten, zunächst gar nichts mehr. Vor den Informationsständen bildeten sich lange Schlangen.

Anlass des Warnstreiks sind die laufenden Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn, die Senkung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden und eine Begrenzung der Zahl der Überstunden auf maximal 50.

Der Schwerpunkt des Warnstreiks sollte zwar auf dem Güterverkehr liegen, teilte die GDL zunächst mit, Rücksicht auf die vielen Pendler nehmen zu wollen. Aber auch der Personenverkehr werde teilweise ruhen. "Wir rechnen mit ganz erheblichen Ausfällen", wird GDL-Streikleiter Thomas Gelling in den Medien nun zitiert. Betroffen seien alle Verkehrsgesellschaften und damit auch Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr.

Gelling teilte zudem mit, dass bestimmte regionale Streik-Schwerpunkte nicht geplant seien. Vielmehr ist deshalb mit Zugausfällen und Verspätungen in ganz Nordrhein-Westfalen und damit auch in unserem Verbreitungsgebiet zu rechnen. Auch in Hamm, Bielefeld sowie in Osnabrück oder auch in Köln ging es für Züge nicht mehr weiter. In Dortmund fielen reihenweise S-Bahnen aus.

Durch Streikzüge wurden landesweit zahlreiche Gleise blockiert, weil die GDL-Lokführer ihre Züge nach Streikbeginn am nächsten Bahnhof stoppten.

Die Gewerkschaft hatten allen Pendlern geraten, schon früh mit der Bahnfahrt zu starten, so dass das Ziel vor 18 Uhr erreicht ist, oder eine alternative Reisemöglichkeit zu suchen. Privatbahnen werden nicht bestreikt. Dennoch könnten auch diese Fahrgäste betroffen sein: Lokführer der Deutschen Bahn könnten Züge nach GDL-Angaben am Bahnsteig stehen lassen und damit Strecken blockieren.

Die GDL verlangt für ihre 37.000 Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Die Deutsche Bahn hat derweil die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer dazu aufgefordert, ihre Warnstreik-Ankündigung zurückzunehmen. Das Unternehmen habe der GDL am Montagmorgen ein neues Tarifangebot vorgelegt, teilte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber mit. Es enthalte die Bereitschaft, über alle Tarifforderungen der GDL für Lokomotivführer zu verhandeln.

Weber: Verhalten "absolut unverständlich"

Weber nannte das Verhalten der GDL „absolut unverständlich“. Er wies den von der Gewerkschaft erhobenen Vorwurf der Blockadehaltung zurück. „Das war nie richtig und das ist es auch jetzt nicht. Wir sind und bleiben verhandlungsbereit“, fügte der Bahn-Manager hinzu.

Trotz des neuen Tarifangebots wird am Montagabend aber nun gestreikt. Zugreisende, die davon betroffen sind, können sich schon weit vor Fahrtantritt über mögliche Ausfälle oder Verspätungen informieren und müssen dies nicht erst am Bahnsteig oder in den Servicecentern am Bahnhof tun.

Jederzeit aktuelle Informationen gibt es im Internet über den Abfahrtsmonitor des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, die Homepage der Deutschen Bahn oder die Fahrplanauskunft.

Hilfe auch über die Service-Nummer

Hilfe bekommen Reisende auch unter der Service-Telefonnummer der Deutschen Bahn (01806 996633). Der Anruf kostet aus dem deutschen Festnetz 20 Cent. Mobil belaufen sich die Kosten auf maximal 60 Cent pro Verbindung.

Auf den Bahnhöfen werden von der deutschen Bahn mehrere hundert Mitarbeiter zur Verstärkung zusätzlich eingesetzt, vor allem beim Service-Personal, den Betriebszentralen, Transportleitungen und bei der Reisendeninformation.  

Fahrkarten werden erstattet

Fahrgäste, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten ihre Reise nicht wie geplant durchführen können, können ihre Fahrkarte und Reservierung im DB Reisezentrum oder in den DB Agenturen kostenlos erstatten lassen.

Alternativ können Reisende den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. In diesem Fall wird bei zuggebundenen Angeboten, wie beispielsweise Sparpreis-Tickets, auch die Zugbindung aufgehoben.

Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung weiter erklärte, können ergänzend zu den freiwilligen Kulanzregelungen der Deutschen Bahn die von Streiks betroffenen Fahrgäste auch die gesetzlichen Fahrgastrechte in Anspruch nehmen. Für Zeitkarten gelten die tariflichen Umtausch- und Erstattungsbedingungen. Für Verbundfahrkarten kommen die Beförderungsbedingungen der jeweiligen Verkehrsverbünde zur Anwendung. - wm/dpa

Quelle: wa.de

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