Wahlforscher: Wahlrecht für 16-Jährige schwächt besonders CDU

DÜSSELDORF - Eine Absenkung des Wahlalters von 18 auf 16 Jahre würde besonders die CDU schwächen und den Piraten den Rücken stärken.

"Die Partei, die im Augenblick die größten Probleme mit jungen Menschen hat, ist die CDU/CSU", sagte Parteienforscher Ulrich von Alemann der Nachrichtenagentur dpa. Nach Ansicht des Professors für Politikwissenschaft der Universität Düsseldorf könnten die Piraten dagegen mit Zulauf rechnen, wenn in Nordrhein-Westfalen bei Landtagswahlen schon 16-Jährige an die Urnen dürften. "Einseitig profitiert selbstverständlich die Piratenpartei."

Mit Stimmverlusten rechnen müssen nach Einschätzung von Alemanns auch SPD und Grüne, die den Vorschlag bei Koalitionsgesprächen in Düsseldorf gemacht hatten. "Die SPD ist nicht mehr so ganz attraktiv für junge Menschen, wie sie es früher einmal war." Auch die grüne Wählerschaft sei längst nicht mehr so jung wie früher.

Schon die Wahlen zur Bremer Bürgerschaft vor einem Jahr bestätigten die Einschätzung des Politologen zum Wahlverhalten bei Teenagern. Dort konnten 2011 erstmals bei einer Landtagswahl in Deutschland auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Während die CDU vor allem bei den Menschen ab 60 punkten konnte, holten die Piraten den Großteil ihrer Stimmen bei den unter 25-Jährigen, wie das Statistische Landesamt Bremens in einer repräsentativen Umfrage herausfand.

"Je jünger die Jugendlichen sind, desto eher orientieren sie sich am Wählerverhalten ihrer Eltern", sagte von Alemann. Auch das soziale Umfeld sei für die Wahlentscheidung von jungen Menschen wichtig. "Die "Peer Groups", also die Gleichaltrigen, Freundesgruppen und Cliquen sind der wichtigste Einflussfaktor." Tageszeitungen nutze dagegen nur noch ein kleiner Bruchteil der Schüler, um sich eine politische Meinung zu bilden. "Auch der Politikunterricht in der Schule ist nur begrenzt einflussreich."

Obwohl sich junge Leute immer seltener in Parteien, Verbänden und Gewerkschaften engagierten, hält der Wahlforscher die 16- und 17-Jährigen für politisch entscheidungsfähig. "Ich glaube schon, dass die Jugendlichen mit 16 Jahren heutzutage reif genug sind, zu wählen." Schon 1970 sei das Wahlalter nach einem Vorstoß von Bundeskanzler Willy Brandt von 21 auf 18 Jahre gesenkt worden. "Nach diesen Jahren würde niemand mehr auf die Idee kommen, das Wahlalter wieder zu erhöhen."

Auch die umgreifende Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit werde bekämpft. "Am Anfang gibt es einen Begeisterungseffekt." Wer zum ersten Mal in seinem Leben einen Stimmzettel ausfüllen darf, mache von diesem Recht meistens Gebrauch. "Dann sind andere Dinge wie Berufsausbildung und Studium wichtiger", sagte der Wissenschaftler. So auch bei den Landtagswahlen in Bremen: Die Beteiligung der 16- bis 21-Jährigen lag deutlich höher als die der Wähler zwischen 21 und 35.

Die demografische Entwicklung ist für den Politologen ein weiteres Argument für die Veränderung des Wahlrechts. "Die älteren Menschen werden immer mehr, da schafft man ein gewisses Gegengewicht, indem man das Wahlalter senkt", so der 67 Jahre alte Wissenschaftler. - lnw

Quelle: wa.de

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