Mit Vollgas in Schützenumzug: Anklage erhoben

Drei Schützen starben bei dem Unfall im Juli 2009.

MENDEN - Acht Monate nach dem Horror-Unfall bei einem Schützenfest-Umzug in Menden hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Ein heute 80 Jahre alter Autofahrer war im vergangenen Juli mit Vollgas in einen Schützenfest-Umzug gerast und hatte dabei drei Schützenbrüder getötet und mehr als 50 Menschen verletzt.

Dafür soll sich der Mann laut Anklage wegen "Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit einer fahrlässigen Tötung von drei Menschen und fahrlässigen Körperverletzung von acht Personen" vor Gericht verantworten. In der Anklage habe man sich nur auf die schwerwiegendsten Verletzungen konzentriert, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Es gebe keine gesundheitlichen Ursachen für das Verhalten des Mannes, sagte Oberstaatsanwalt Werner Wolf. Dies hätten die medizinischen Gutachten ergeben. Auch ein technischer Defekt am Wagen des Unfallfahrers sei ausgeschlossen worden. Der Mann hatte mit seinem Automatikwagen einen am Ende des Schützenumzuges fahrenden Rettungswagen überholt und war dann mit Vollgas ungebremst in den Schützenumzug gerast. "Er war offenbar von der Fahrsituation überfordert", sagte Wolf. Eine vom Angeklagten für den "Blackout" verantwortlich gemachte "Alters-Epilepsie" sei von den Gutachtern nicht festgestellt worden. Auch Alkohol spielte keine Rolle bei dem Unfall.

Nach Auskunft des zuständigen Landgerichts in Arnsberg hat die Anklage mehr als 100 Zeugen und mehrere Gutachter benannt. "Die Akten haben mehr als 1000 Seiten", sagte Gerichtssprecher Peter Marchlewski. Das Gericht habe die Anklage zugestellt, nun könne sich der Anwalt des Mannes dazu äußern. Dann werde in einigen Wochen über eine Verfahrenseröffnung und Terminierung entschieden. Dem 80-Jährigen drohen bis zu fünf Jahren Haft. Bei tödlichen Verkehrsunfällen werden aber nur selten Haftstrafen von mehr als zwei Jahren verhängt, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden können. Dann müsse nach Auskunft von Wolf neben einem Fahrfehler auch noch grobes Verschulden beispielsweise durch Alkohol am Steuer hinzukommen. dpa

Quelle: wa.de

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