Winterwetter: 800 Unfälle - Frühling nicht in Sicht

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[UPDATE 18.30 Uhr] NRW - Eine Schneewalze hat Nordrhein-Westfalen überrollt. Es ereigneten sich Hunderte Unfälle. Eine Frau kam ums Leben, viele Menschen wurden verletzt.

Der heftigste Temperatursturz im März seit mindestens 50 Jahren hat Teile von Nordrhein-Westfalen in ein Winterchaos gestürzt. Blitzeis und starker Schneefall brachten vor allem den Süden des Landes ins Rutschen. Die Polizei zählte in ganz NRW bis zum späten Dienstagnachmittag mehr als 800 Unfälle. Ein Mensch kam ums Leben, mindestens 14 wurden schwer verletzt. Im Kreis Mettmann stürzte eine Frau mit ihrem Wagen eine Böschung hinab und prallte gegen einen Baum. Sie erlag ihren Verletzungen. Die Meteorologen warnten erneut wegen überfrierender Nässe vor glatten Straßen und teils vor Neuschnee.

Wie die Polizeibeamten waren auch die Streuwagen im Dauereinsatz. Die Autobahn 40 war am Niederrhein zwischen Kempen und Wachtendonk wegen extremer Glätte komplett gesperrt, bis Streufahrzeuge den Abschnitt entschärft hatten. Der WDR zählte im gesamten Land um 9 Uhr 58 Staus mit einer Gesamtlänge von 386 Kilometern mit Schwerpunkt im Rheinland. Teilweise waren Autofahrer mit Sommerreifen unterwegs. In der Stadt Aachen schneiten die Straßen schneller zu als der Räumdienst reagieren konnte. "Der Schneefall ist so heftig, dass wir nicht nachkommen", sagte Winterdienstchef Dieter Lennartz.

Verspätungen gab es auch im Bahn- und Flugverkehr. Am Flughafen Köln/Bonn hoben etliche Maschinen verspätet ab, weil sie enteist werden mussten und bereits mit Verspätungen eingeflogen waren. Einige Flüge fielen ganz aus. Zusätzlich wurde Köln/Bonn als Ausweichflughafen für den noch stärker vom Winter betroffenen Frankfurter Flughafen genutzt. In Düsseldorf kam es aufgrund technischer Probleme bei der Deutschen Flugsicherung im Kontrollzentrum Langen zu Verspätungen von bis zu zwei Stunden. Es konnten weniger Abflüge pro Stunde zugelassen werden als geplant.

Bei der Bahn gab es vor allem rund um Köln und Bonn Verspätungen. Nur wenige Züge kamen pünktlich. Die starken Schneefälle führten auch in Belgien zu einem Verkehrschaos. Die Schnellzüge Thalys, die Brüssel mit Frankreich, Deutschland und den Niederlanden verbinden, kamen erst gar nicht oder zu spät. Im Laufe des Tages wurde der Verkehr eingestellt. Am Dienstagnachmittag war noch unklar, ob der Thalys am Mittwoch wieder fahren würde.

Wintersportler bekommen dagegen nochmal Auftrieb: In der Eifel gab es bis Dienstag 20 Zentimeter Schnee. In Winterberg im Sauerland herrschen gute Wintersportbedingungen. Rund 50 Lifte sind in Betrieb.

Für diesen Mittwoch sagten die Meteorologen für den Norden des Landes weitere Schneefälle voraus, jedoch nicht mehr so starke. Der Süden, der noch bis Dienstagabend betroffen sein sollte, werde dann verschont bleiben. Zum Wochenende klettern die Temperaturen auf 5 bis 10 Grad. Aber: "Das ist kein Frühlingserwachen", sagte Carsten Mix vom Deutschen Wetterdienst in Essen. Anfang des Monats hatten die Temperaturen noch um 20 Grad erreicht. "Solche Wintereinbrüche im März sind selten", sagte Mix. Während der Süden von NRW im Schnee versinke, verbringe der Süden Deutschlands den Tag bei Plusgraden.

Der Handel zeigte sich mit dem neuerlichen Winter auch nicht zufrieden. Den Winter hätte man sich eher zu Weihnachten gewünscht, sagte Rainer Gallus vom Einzelhandelsverband NRW. Im Moment sei die Laune fürs Shoppen nicht da. Der Handel hofft auf eine kurze Kälteepisode. In einem Schuhladen in der Essener Innenstadt standen fellgefütterte Winterstiefel neben den knallbunten Sandalen der Frühlingskollektion. "Ich habe die Winterschuhe noch einmal nach vorn geholt", sagte eine Verkäuferin. Die nächste Lieferung Frühlingsschuhe werde sie vorerst in den Kisten lassen.

Auch den Eisdielen vermiest der Schnee das Geschäft. "Das ist eine Katastrophe", sagte Rosa Micelli, Kellnerin im Essener "Toscani". "Bei dem Schnee kommen die Leute ja nicht einmal mehr für einen Kaffee in die Stadt." Nach dem Saisonstart am 28. Februar waren bereits viel mehr Kellner in der Eisdiele im Einsatz gewesen. "Die Kollegen mussten jetzt zu Hause bleiben."

Einen Schneeballwurf entfernt sah Rentner Manfred Müller am Dienstag dabei zu, wie die Eisbahn auf dem Essener Kennedyplatz abgebaut wurde. "Das ist schon ironisch, jetzt schneit und friert es und die machen die Schlittschuhbahn zu", sagte der 75-Jährige. - lnw

Quelle: wa.de

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