Vermittlung Langzeitarbeitsloser in NRW weiter schwierig

DÜSSELDORF - Auch zehn Jahre nach Eiführung der Hartz-IV-Reformen ist die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen eine ungelöste Aufgabe. Das bilanzierten Arbeitsmarkt-Experten am Montag in NRW.  Dort gilt etwa die Hälfte der 763.000 Arbeitslosen als langzeitarbeitslos.

Zehn Jahre nach Einführung der Hartz-IV-Reformen haben Arbeitsmarkt-Experten in Nordrhein-Westfalen kritische Bilanz gezogen. Die Vermittlung Langzeitarbeitsloser bleibe eine noch ungelöste Aufgabe, stellte die Chefin der Arbeitsagentur NRW, Christiane Schönefeld, am Montag in Düsseldorf fest. Zu wenige hätten in Arbeit gebracht werden können.

In NRW gilt etwa die Hälfte der rund 763.000 Unversorgten als langzeitarbeitslos. 2005 habe ihr Anteil an allen Arbeitslosen aber noch bei fast zwei Dritteln gelegen, sagte Schönefeld. Als langzeitarbeitslos gilt, wer ein Jahr und länger als jobsuchend gemeldet ist. Arbeitsagentur, Arbeitsministerium und kommunale Spitzenverbände in NRW sind sich einig, dass ein öffentlich geförderter Arbeitsmarkt wiederbelebt werden muss.

"Kinder wachsen auf, ohne dass Eltern jemals zur Arbeit gehen."

Für viele Langzeitarbeitslose mit mehreren Handicaps gebe es auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance, sagte Schönefeld. Dazu zählten etwa fehlende Qualifikation, höheres Alter, Krankheiten, Sucht, Verschuldung und Analphabetismus.

Insbesondere in größeren Städten im Ruhrgebiet mit Arbeitslosenquoten über zehn Prozent verfestige sich die Hartz-IV-Problematik, berichtete NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). "Kinder wachsen auf ohne jemals bemerkt zu haben, dass Eltern zur Arbeit gehen."

Insgesamt habe sich die mit der Hartz-IV-Reform verbundene Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe bewährt, bilanzierten Ministerium, Arbeitsagentur und Spitzenverbände einmütig.

In der Arbeitsvermittlung werde heute viel mehr gestaltet statt verwaltet. Viele Betroffene, die früher in der Sozialhilfe verschwanden, seien von den Arbeitsvermittlern in den Blick genommen worden. Gleichzeitig stünden die Betroffenen heute finanziell besser da als die ehemaligen Sozialhilfeempfänger.

Schattenseiten und Webfehler

Es gebe aber auch Schattenseiten und Webfehler. Dazu zähle die wachsende Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse und Aufstocker, die von ihrer Arbeit nicht leben könnten, sagte Schneider. Dies sei skandalös.

Nach Zahlen der Arbeitsagentur gibt es derzeit rund 300.000 Aufstocker in NRW. Rund 557.000 Erwerbsfähige erhalten schon länger als vier Jahre Grundsicherung. 88 Prozent aller erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher haben Qualifizierungsdefizite. Das heißt, sie suchen nur eine Helfer- oder Anlerntätigkeit, haben keine abgeschlossene Berufsausbildung oder sind schon lange arbeitslos.

Gleichzeitig sinke aber der Anteil einfacher Jobs stetig, stellte Schneider fest. "Nur noch etwa 13 Prozent der Arbeitsplätze in Industrie und Gewerbe können ohne große Kenntnisse ausgeübt werden."

Der Geschäftsführer des Städtetags NRW, Stephan Articus, beklagte Fehlanreize im System. Für viele sei es günstiger, mit Hartz IV zu leben und dabei Wohnung und Heizung vom Staat bezahlt zu bekommen statt eine Arbeit aufzunehmen und dann nur noch 50 Prozent Wohngeld zu erhalten. "Das Wohngeld muss angepasst werden", forderte er.  - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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