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Blitze verletzten 33 Menschen bei "Rock am Ring"

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Auf dem Campingplatz sieht man deutlich, wie der Sturm gewütet hat.

Mendig - Auf den sonnigen Auftakt folgt bei "Rock am Ring" eine Nacht voller Unwetter. Das Ergebnis: 33 Verletzte. Es soll aber wie geplant weitergehen bei dem Groß-Event mit knapp 90.000 Fans.

Campino, Frontmann der Toten Hosen, hatte gerade noch tausende von Menschen darauf eingeschworen, dass man das man den stillgelegten Bundeswehrflugplatz in Mendig nun gemeinsam entjungfere und zum Festivalgelände für Rock am Ring mache. Nicht alles könne bei so einer Premiere eben klappen, zu danken sei all jenen freiwilligen Helfern, die mit angefasst hätten, als der Platz zum Campen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag knapp geworden und weitere 30 Hektar Campingflächen aus dem Acker gestampft worden seien. 

Die schwerere Prüfung stand Rock am Ring allerdings noch bevor: Wind kam während des Toten-Hosen-Auftrittes in der Freitagnacht auf, die ersten Tropfen fielen und mancher drehte sich suchend um, um jene zu ermitteln, die vermeintlich mit Getränken spritzen. Was folgte war der erste von mehreren Wolkenbrüchen, die die Menschenmassen unvermittelt trafen. Tausende suchten Zuflucht und kehrten den Toten Hosen den Rücken. Etliche strebten dem Campingplatz zu in der Hoffnung, trockene Zelte vorzufinden. 

Gegen 1.30 Uhr erfolgte der erste Blitzeinschlag in den Backstagebereich. Acht Produktionshelfer wurden getroffen. Der Wind wirbelte Zelte und Pavillons durcheinander. Leichte Zeltkonstruktionen brachen unter der Regenlast zusammen. Gegen 3.39 Uhr verletzte ein weiterer Blitzeinschlag auf dem Gelände 25 Menschen. Ein Metallzaun leitete den Strom offenbar weiter. Retter sprachen vor allem von Herzproblemen. Hinzu kamen Knochenbrüche. Mancher glitt auf der Flucht vor dem Regen aus und stürzte unglücklich. Schwerverletzte waren, anders als zunächst verbreitet, offenbar nicht darunter. Nach der Gluthitze des Tages wurden die kalten Güsse von vielen als besonders extrem empfunden. Die wenigsten hatten sich mit Regenzeug eingedeckt, weil der sonnige Sommertag keinerlei Unwetter hatte vermuten lassen. "Das Gewitter war doch eigentlich für Samstag angekündigt", weinte eine junge Frau in kurzen Shorts, während ihr Freund eine Lacktischdecke von einer Bierzeltgarnitur riss und seine Freundin und sich darin eingwickelte.

Auftritt von Fritz Kalkbrenner abgesagt

Die Veranstalter reagierten sofort, sagten den zu später Stunde geplanten Auftritt von Fritz Kalkbrenner ab und schalteten unter anderem eine Hotline für besorgte Eltern. Überlegungen, das Festival gänzlich abzubrechen, blieben letztlich aber Theorie, da das Ausmaß der Katastrophe nicht so groß war wie befürchtet. 

Auf den Campingplätzen fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. In Teilen der Camping-Areale bekam man von den schlimmsten Auswirkungen des Unwetters nichts mit. Zwar habe es ungewöhnlich stark geregnet, aber man sei davon ausgegangen, dass das nun mal bei Rock am Ring dazu gehöre und man dadurch müsse, sagt Steffi (21) achselzuckend, die morgens relativ erstaunt die Abenteuergeschichte zur Kenntnis nahm, die Freunde von anderen Campingplätzen zu berichten hatten. 

Andere Festival-Besucher reagierten zunächst geschockt. Hier wollte man erlebt haben, wie der Blitz sirrend ins Nachbarzelt gesaust sei, dort freute man sich,dass das Zelt heile geblieben war und an anderer Stelle wurde aktive Aufbauhilfe geleistet, die allerdings nicht überall fruchtete. Viele Pavillons waren auf Grund der physischen Einwirkungen restlos zerstört. Erschwerend hinzu kam für viele Festivalbesucher, dass dreiste Diebe Kasse machten. Zum Trocknen aufgehängte Kleidungsstücke verschwanden während des mehrere Stunden andauernden Unwetters ebenso aus Vorzelten wie Geldbeträge und Wertgegenstände. 

Festival-Routine wieder eingekehrt

Die Aufräumarbeiten liefen bis in den Nachmittagsbereich auf Hochtouren. Aber spätestens mit dem Auftritt der ersten Band am frühen Nachmittag und dem Sonnenschein, der die Klamotten schneller trocknen ließ, kehrte wieder eine gewisse Festival-Routine ein. Die Wettervorhersagen sprechen von kleineren Schauern, die noch möglich sind. 

Konzertveranstalter Marek Lieberberg sprach sinngemäß von höherer Gewalt: Man könne noch so gut vorbereitet sein, das Wetter sei nun einmal nicht berechenbar und gegen die Naturgewalten sei man nun einmal machtlos. Auch in den Vorjahren hatte das Wetter Rock am Ring immer wieder um Legenden reicher gemacht. Die Palette reichte von Blitzeinschlägen in die Hauptbühne bis hin zu durcheinander gewirbelten und gefluteten Zelten.

In Zeiten, da es selbst auf einem neu erschlossenen Festivalgelände wie dem in Mendig bereits Sanitäranlagen und Supermarkt gibt, wurden die Unwetter weniger mit Woodstock-Feeling assoziiert als vielmehr als bedrohlich empfunden.

Quelle: wa.de

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