Verlesung alter Aussagen in NS-Prozess - Mittäter belastete Bruins

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Siert Bruins

HAGEN - Im Hagener Mordprozess gegen ein früheres Mitglied der Waffen-SS sind am Montag alte Vernehmungsprotokolle inzwischen toter Zeugen verlesen worden.

Eine Aussage des 1985 gestorbenen mutmaßlichen Mittäters August Neuhäuser belastet den heutigen Angeklagten Siert Bruins. Demnach sollen die beiden Männer auf Befehl gemeinsam den Widerstandskämpfer Aldert Klaas Dijkema im September 1944 erschossen haben. Bruins und der mutmaßliche Mittäter waren damals an einem Grenz- und Sicherheitsposten im niederländischen Küstenstädtchen Delfzijl eingesetzt, der dem Kommando der nationalsozialistischen Sicherheitspolizei unterstand.

Der 92-jährige Bruins bestreitet den Vorwurf der Anklage, am Mord beteiligt gewesen zu sein. Er sei am Tatort gewesen, ohne zu wissen, was mit Dijkema, der anderen Widerstandskämpfern geholfen hatte, geschehen solle. Allein der deutsche Neuhäuser habe geschossen.

Der gebürtige Niederländer Bruins hatte die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und nach Kriegsende lange Zeit unerkannt in Westfalen gelebt. In den Niederlanden wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Später wurde das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt.

Von einem deutschen Gericht waren Neuhäuser und Bruins 1980 wegen der Beteiligung an der Erschießung zweier jüdischer Brüder zu Haftstrafen verurteilt worden. Die Ermittlungen zum Fall Dijkema waren eingestellt worden, weil die Tat als Totschlag statt Mord und damit als verjährt gewertet wurden. Diese Auffassung hat sich geändert.

Laut Vernehmungsprotokollen nahm Neuhäuser Bruins in die Mitverantwortung: In der fraglichen Nacht hätten beide von hinten zwei Schüsse auf Dijkema abgefeuert. "Bruins wusste genau, was mit Dijkema geschehen sollte und auf welche Weise", so Neuhäuser. Er habe auf Befehl seines Vorgesetzten gehandelt, die Erschießung so aussehen zu lassen, als habe der Häftling fliehen wollen. "Befehl, war für mich Befehl", gab die Richterin Neuhäusers damalige Aussage wieder.

Auch der inzwischen gestorbene Leiter des Grenzpostens war zu den Geschehnissen mehrfach befragt worden. Er gab an, den Befehl zur Erschießung auf vorgetäuschter Flucht lediglich an Neuhäuser weitergegeben zu haben. Sein Posten sei nur der verlängerte Arm der Sicherheitspolizei in Groningen gewesen. Neuhäuser habe ihm anschließend berichtet, eigenhändig den Auftrag ausgeführt zu haben. Über Bruins' Beteiligung wisse er nichts. - dpa

Quelle: wa.de

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