Verschärfte Kontrollen angekündigt

Ungebremst ins Stauende: Mehr tödliche Lkw-Unfälle in NRW

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Tödlicher LKW-Unfall auf Autobahn A2

Düsseldorf - Lastwagen als tonnenschwere Geschosse, überforderte Senioren auf Pedelecs und leichtsinnige Kradfahrer - auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen passieren immer mehr tödliche Unfälle mit E-Bikes, Motorrädern oder Lkw. Das ist die düstere Seite der Verkehrsunfallstatistik 2017.

Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Freitag aber auch eine gute Nachricht: Insgesamt sank die Zahl der Verkehrstoten in NRW im vergangenen Jahr um 40 auf 484 Menschen. Es gab auch weniger Schwerverletzte (rund 13.330) und weniger Leichtverletzte (knapp 64.000), obwohl die Gesamtzahl der Unfälle um 2,1 Prozent auf knapp 653.500 stieg. Die Statistik im Einzelnen:

Lastwagen:

Die Zahl der schweren Lastwagenunfälle an Stauenden stieg in NRW stark an. Waren es 2013 noch 135, wurden vergangenes Jahr bereits 194 solcher Lkw-Unfälle registriert. Das ist ein Anstieg um rund 44 Prozent in nur fünf Jahren. "Lastwagen können zu tonnenschweren Geschossen werden", sagte Reul. Bei allen Unfällen an Stauenden - mit und ohne Lkw-Beteiligung - kamen 2017 insgesamt 19 Menschen ums Leben (2013: zehn). In den meisten Fälle sei der Lkw-Fahrer der Unfallverursacher gewesen. Die Fahrer führen oft zu dicht auf, seien übermüdet, abgelenkt durch das Handy oder schalteten den Notbremsassistenten aus.

Konsequenz: Reul macht sich für eine europaweite Verschärfung der Vorschriften der Notbremsassistenz-Systeme stark. Viele Lkw-Fahrer stellten diese Assistenten manuell aus, weil sie etwa im Windschatten anderer Lastwagen fahren oder wach und fit bleiben wollten. Ein abgeschaltetes Notbremssystem sei aber "sinnlos", sagte Reul. Sie dürften nicht manuell abgeschaltet werden können.

Innenminister Herbert Reul stellte die Verkehrsunfallstatistik 2017 für NRW vor.

 

Schon kommende Woche soll laut Reul landesweit gezielt der Güterverkehr auf den Straßen kontrolliert werden. Geprüft würden Ladungssicherungen, technische Manipulationen, aber auch die Missachtung von Überholverboten und Mindestabständen sowie Alkohol am Steuer. Die Gewerkschaft der Polizei forderte, dass die Zahl der Polizisten für die Kontrollen der Lastwagen erhöht wird.

Nach Ansicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) sollten auf den Autobahnen zur Überwachung von Lastwagen vermehrt technische Abstandsmessgeräte eingesetzt werden. Lkw-Fahrer, die die Abstände nicht einhielten, sollten über Polizei-Lotsenfahrzeuge direkt aus dem fließenden Verkehr gezogen werden.

Motorradfahrer:

84 Kradfahrer verloren 2017 bei Unfällen ihr Leben - neun mehr als 2016. Das ist der höchste Wert seit fünf Jahren. Mehr als jeder zweite Fahrer habe den Unfall selbst verursacht - meist wegen überhöhter Geschwindigkeit, sagte Reul. Tödliche Motorradunfälle passieren laut Reul nicht nur auf den klassischen Biker-Strecken im Sauerland oder der Eifel, sondern auch in Ortschaften. Die Polizei appellierte an Motorradfahrer, Leuchtwesten statt dunkler Kluft zu tragen.

Pedelec:

Drastisch von zwölf auf 21 gestiegen ist die Zahl der bei Unfällen getöteten, meist älteren Pedelec-Fahrer. Allein 18 von ihnen waren 65 Jahre oder älter. Fast 700.000 Pedelecs und E-Bikes seien 2017 bundesweit verkauft worden, sagte Reul. Vor allem ältere Menschen wüssten den "eingebauten Rückenwind" zu schätzen. Insgesamt wurden 2017 schon 1.400 verunglückte E-Bike-Fahrer gezählt, die Hälfte von ihnen waren über 65. 2016 habe die Gesamtzahl noch bei rund 1000 gelegen. Reul appellierte an Käufer, sich beraten zu lassen, Helm zu tragen und an einem Verkehrssicherheitstraining teilzunehmen.

Junge Erwachsene:

Von 78 auf 60 sank die Zahl der Verkehrstoten in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen. Ein Grund könnten laut Reul Präventionsprogramme wie "Crash-Kurs" an den Schulen sein, wo Schüler authentische Unfallberichte von Polizisten oder Unfallopfern präsentiert bekommen. Seit 2011 hätten fast 777.000 junge Leute an diesen Kursen teilgenommen.

Konsequenzen der Statistik:

Reul kündigte ein konsequenteres Einschreiten der Polizei bei Verkehrsvergehen an, etwa durch "Anhaltetaktik". Mit zeitnahen Kontrollen und "Strafen auf dem Fuß" wolle die Polizei Präsenz zeigen. Insgesamt stellte Reul fest: "Es gibt eine höhere Aggressivität, nicht nur bei Autofahrern, sondern auch bei Radfahrern, die sich als Teil des Verkehrs verstehen, der immer Vorfahrt hat." Ein Tempolimit auf Autobahnen hält der Minister für nicht nötig. - dpa

Verkehrsunfallstatistik in Hamm

Quelle: wa.de

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