Arbeitskampf

Amazon-Mitarbeiter in Werne streiken

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Verdi ruft im Tarifstreit mit Amazon Mitarbeiter zum Ausstand auf.

[Update 16.21 Uhr] WERNE/RHEINBERG - Mit einem dreitägigen Streik an gleich fünf Amazon-Standorten in Deutschland will Verdi das Weihnachtsgeschäft des US-Versandhändlers stören. Unter anderem haben Mitarbeiter am Montagmorgen die Arbeit an den Standorten Werne und Rheinberg in NRW niedergelegt.

Der Zeitpunkt ist gezielt gewählt: 2013 war der 15. Dezember der Spitzen-Bestelltag in Deutschland. Nach Amazon-Angaben beteiligten sich weniger als 1100 Mitarbeiter der Frühschicht an den Ausständen in Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne und Graben. Verdi machte zunächst keine bundesweiten Angaben. Gewerkschaftssprecher vor Ort sprachen von etwa 100 Streikenden in Werne bis hin zu 400 in Rheinberg.

"Wenn Amazon sich nicht bewegt, bewegen sich die Kollegen", sagte Verdi-Sprecher Thomas Schneider in Leipzig, wo etwa 200 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt hätten. "Wir kämpfen für den Tarifvertrag Versandhandel. Das ist unser Ziel", sagte seine Kollegin Sabine Busch in Rheinberg. Zudem will die Gewerkschaft, dass am Standort Rheinberg die Zahl der Befristungen eingegrenzt wird. "Amazon ist lange genug hier. Es ist nicht mehr nötig, die Leute durch Zeitverträge so lange im Unklaren zu lassen", sagte Gewerkschaftssprecher Daniel Zimmermann.

In Werne geht es den Streikenden außerdem um eine "Standort- und Beschäftigungsgarantie", denn der Mietvertrag für das ehemals von Ikea genutzte Logistik-Zentrum ende 2016. Amazon lehnt die Aufnahme von Tarifverhandlungen strikt ab und verweist auf eine Bezahlung, die am oberen Ende dessen liege, was in der Logistik-Branche üblich sei.

Verdi: "Zwei Abteilungen in Werne lahm gelegt"

Der Streik in Werne sei gut angelaufen, sagte Karsten Rupprecht, Pressesprecher von Verdi. Nicht nur Picker und Packer würden streiken, sondern auch Beschäftigte an Schlüsselpositionen. "Wir haben dadurch zwei Abteilungen komplett lahmlegen können", sagt Rupprecht. "Das entspricht nicht den Tatsachen", heißt es hingegen seitens des Unternehmens.

100 Mitarbeiter bei Amazon in Werne legten am Montag ihre Arbeit nieder.

Die Streikenden in Werne suchten in einem von Verdi aufgebauten Zelt Schutz vor dem Regenwetter. Zum Schichtwechsel am Nachmittag wollten sie wieder Posten direkt vor der Amazon-Einfahrt beziehen und die Kollegen der Spätschicht über die Hintergründe ihrer Arbeitsniederlegung informieren.

Karsten Rupprecht in Werne berichtete, dass Amazon bei Streiks "umlagere". Je mehr Versandzentren sich an den Streiks beteiligten, desto schwieriger werde das aber. Amazon verweist auf sein europaweites Netzwerk mit 28 Logistikzentren in sieben Ländern, das es ermögliche, die Liefertermine einzuhalten. Allein in Polen hatte das Unternehmen im September drei Versandzentren eröffnet. Bundesweit arbeiten bei Amazon im Weihnachtsgeschäft dem Unternehmen zufolge rund 20.000 Menschen - 10.000 Festangestellte und 10.000 Saisonkräfte.

Eine Einigung ist nicht in Sicht - Verdi ruft schon seit 2013 immer wieder zu Ausständen auf. Die Einschätzungen zu den Auswirkungen der Arbeitsniederlegungen gehen weit auseinander. "Wir liefern pünktlich", betonte Amazon-Sprecherin Anette Nachbar. An den Streiks nehme nur eine Minderheit der Mitarbeiter teil. Dagegen gehen Verdi-Sprecher davon aus, dass die Ausstände den Online-Versandhändler sehr wohl herausfordern.

Lieferverzögerungen im Weihnachtsgeschäft?

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger begründete den Streik mit den Worten: "Amazon weigert sich weiterhin kategorisch, das Recht der Beschäftigten auf einen Tarifvertrag anzuerkennen und hält Gewerkschaften für überflüssig." Das Unternehmen wolle die Arbeitsbedingungen diktieren. Nutzenberger betonte: Die Streiks richteten sich nicht gegen die Kunden, sondern gegen Amazon als Arbeitgeber. Lieferverzögerungen können wegen der Streiks nicht ausgeschlossen werden. Bestellungen sollten nicht allzu kurzfristig aufgegeben werden.

Amazon betont hingegen, das Versprechen pünktlicher Zustellungen einzuhalten. "Wir liefern zuverlässig", hatte Amazon-Sprecherin Anette Nachbar bei der Streik-Ankündigung am Freitag mitgeteilt. Am Ausstand habe immer nur eine Minderheit der Mitarbeiter teilgenommen. Robert Gottfried Marhan, der Standortleiter des größten Versandzentrums in Bad Hersfeld, erklärte jüngst: "Streiks sind ein Szenario, auf das wir vorbereitet sind." - dpa

Quelle: wa.de

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