Papst-Kenner Andreas Englisch: "Froh, dass es vorbei ist"

Andreas Englisch

ROM/WERL - Andreas Englisch aus Werl lebt seit den achtziger Jahren in Rom und berichtet über den Vatikan. Zuletzt schrieb er die Biographie „Benedikt XVI. – der deutsche Papst“. Englisch war vom Rücktritt von Benedikt XVI. nicht überrascht, wie er im Interview sagt.

Kommt der Rücktritt des Papstes überraschend?

Andreas Englisch: Nein! Ich habe schon vor einem Jahr in einem Interview gesagt, dass er zurücktreten wird. Schon vor Papst Pauls Tod meinte Benedikt selbst: Einen Papst, der so krank ist und dabei noch die Kirche regiert, darf es nicht noch einmal geben.

Wie intensiv ist Ihre Beziehung zu Papst Benedikt?

Englisch: Ich habe viele Reisen mit dem Papst gemacht. Ich bin seit den 1980er Jahren in Rom, kenne ihn also seit Ewigkeiten. Ratzinger war ein Kardinal, der sich nie versteckt hat. Der war ein Mann von uns, der nicht – wie viele andere – nur mit Panzerlimousinen unterwegs war. Als er zum Papst gewählt wurde, war das natürlich vorbei. Trotzdem ist er seit dem Zeitpunkt noch immer ganz entspannt geblieben. Er ist ein sehr demütiger Mann, der immer den Kontakt zu den Menschen sucht.

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Englisch: Demütig, schlau. Er hasst es, im Mittelpunkt zu stehen. Er ist ein Mann, der am liebsten all seine Bücher um sich hat. Er hat die Wahl zum Papst immer als Strafe angesehen und sie sogar mit seiner Exekution verglichen. Papst Benedikt ist keiner, der sich gerne vor Millionen Menschen stellt. Das war von Anfang an sehr schwer für ihn, und ich denke, dass er jetzt vor allen Dingen froh ist, dass das vorbei ist. Warum wird Papst Benedikt XVI. in Erinnerung bleiben? Wird er nur wegen seines Abgangs in die Geschichte eingehen? Englisch: Natürlich wird er wegen seines Rücktritts in Erinnerung behalten werden. Immerhin ist ein Papst auf diese Weise erst ein einziges Mal aus dem Amt geschieden. Das war 1294. Erinnern wird man sich an ihn wegen seines langen und verzweifelten Kampfes gegen den Missbrauch. Sich damit auseinandersetzen zu müssen, war wohl das Schlimmste an seinem Job. Und das hat er sehr gut gemacht.

Wer wird der Nachfolger?

Englisch: Die große Frage ist, ob es ein Italiener wird oder nicht. Jahrhundertelang wurden ja einfach Kardinäle zu Päpsten befördert. Und dann kam der Pole Johannes Paul und schließlich mit Joseph Ratzinger ein Deutscher. Ist mit dieser Globalisierung jetzt Schluss? Ich glaube, sie nehmen einen Reformer, jemanden, der weniger konservativ ist – etwa Kardinal George Pell aus Australien.

Interview: Rebecca Hameister

Quelle: wa.de

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