V-Mann als NSU-Bombenleger? - Ausschuss will These prüfen

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Der Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags will die These überprüfen.

[Update 17.21 Uhr] Düsseldorf - Der NSU-Untersuchungs-Ausschuss des NRW-Landtags will prüfen, ob ein V-Mann des Verfassungsschutzes eine der Bomben der Terrorgruppe NSU in Köln gelegt hat.

Einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge hat die Ex-Chefin des NRW-Verfassungsschutzes, Mathilde Koller, 2011 auf die Ähnlichkeit des Phantombildes des Attentäters in der Kölner Probsteigasse mit einem Kölner Neonazi hingewiesen. Dieser Neonazi sei geheimer Mitarbeiter des Verfassungsschutzes gewesen.

Die Obleute von CDU und Grünen im Ausschuss kündigten am Montag an, der Sache nachzugehen. Der FDP-Obmann Joachim Stamp will wissen, wieso der Hinweis des Verfassungsschutzes mit zehn Jahren Verspätung erfolgte. Das NRW-Innenministerium wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf die Bundesanwaltschaft.

Anwälte melden Zweifel an

Diese teilte am Montag auf dpa-Anfrage mit, es hätten sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Person, die dem Phantombild ähnlich sieht, "an dem Anschlag beteiligt gewesen sein könnte". Allerdings hatten die Überlebenden des Anschlags im Münchener NSU-Prozess selbst erhebliche Zweifel daran geäußert, dass es sich bei dem Bombenleger um Uwe Böhnhardt oder Uwe Mundlos gehandelt haben könnte, wovon die Bundesanwaltschaft ausgeht.

Einer der Verteidiger Beate Zschäpes hatte deren Täterschaft sogar als "widerlegt" bezeichnet. "Dem werden wir im Untersuchungsausschuss nachgehen", kündigte die Grünen-Obfrau Verena Schäffer am Montag an. Sowohl die Ex-Verfassungsschützerin als auch der Neonazi sollen vom Ausschuss gehört werden, nicht zuletzt, da dieser "unseres Wissens bislang nicht durch die Polizei vernommen wurde".

CDU-Obmann Peter Biesenbach.

"Der beschriebene Vorgang legt nahe, dass der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen offenbar deutlich engeren Kontakt zum Umfeld des NSU hatte, als bislang vermutet", erklärte CDU-Obmann Peter Biesenbach. Er wolle auch wissen, ob der Rückzug Kollers von der Spitze des NRW-Verfassungsschutzes im Juni 2012 in einem Zusammenhang steht. Bei dem Bombenanschlag in einem Lebensmittelladen war die damals 19-jährige Tochter der Ladenbesitzer 2001 schwer verletzt worden. Der Anschlag wird in der Bekenner-DVD des NSU genannt.

Ein Mann hatte in dem Laden die Bombe Weihnachten 2000 in einer Christstollendose zurückgelassen. Wochen später war sie explodiert, als die Tochter einen Blick in die Dose wagte. - dpa

Quelle: wa.de

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