Urteil am OLG Hamm

Pferdetritt  von "Arpeggio's son" kommt Halter teuer

Ochtrup/Hamm - Fast fünf Jahre nach einem verhängnisvollen Pferdetritt hat ein Hufschmied aus Ochtrup eine nennenswerte finanzielle Entschädigungen von dem Halter des Tieres erstritten.

Von Lisa Moorwessel

Der Besitzer des renommierten Springpferdes "Arpeggio's son" muss dem vermutlich lebenslang gehbehinderten Schmied Schadenersatz, Schmerzensgeld und eventuell eine monatliche Rente zahlen.

"Ich glaub, mich tritt ein Pferd!" - diese flapsige Bemerkung wurde für den heute 49-jährigen Handwerker im Stall des Turnierpferdes im Dezember 2010 beim Beschlagen des Wallachs schmerzhafte Realität. Ohne ersichtlichen Grund riss sich das Tier los, ging hoch und keilte zweimal Richtung Schmied aus.

Nach Tritt "schwer gehbehindert"

Der völlig überrumpelte Mann ging zu Boden, hatte das Gefühl, "dass mir das Bein zerrissen würde" und war von diesem Zeitpunkt an schwer gehbehindert. Nach Komplikationen und mehreren Operationen wird sein rechtes Bein vermutlich dauerhaft steif bleiben.

Der Halter des Pferdes und seine Haftpflichtversicherung hatten sich geweigert, für die Verletzungsfolgen einzustehen, und auch das Landgericht Münster hatte geurteilt, dass der Hufschmied den Unfall durch eigenes Fehlverhalten überwiegend selbst verschuldet habe.

OLG korrigiert Urteil aus Münster

Diese Entscheidung wurde nun durch den 14. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm korrigiert. Hier urteilten die Richte auch nach Befragung eines pferdekundlichen Sachverständigen, dass sich der Handwerker beim routinierten Beschlagen des Turnierpferdes absolut korrekt verhalten habe. Auch könnte der Halter nicht argumentieren, dass ein Hufschmied oder ein Tierarzt beim Arbeiten mit einem Tier sich den Verletzungsgefahren bewusst sei und daher auf eigene Gefahr handele. Nach geltender Rechtsprechung hafte stets der Halter eines Tieres für dessen Verhalten und müsse für eventuelle Unfälle und Verletzungen gerade stehen.

Höhe des Wiedergutmachung steht noch aus

Über die Höhe der finanziellen Wiedergutmachungen muss das Landgericht Münster in einem separaten Verfahren entscheiden - der siegreiche Schmied fordert 50.000 Euro Schadenersatz, 30.000 Euro Schmerzensgeld sowie eine monatliche Rente von 1400 Euro. Das Oberlandesgericht in Hamm hat keine Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen.

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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