"Kyrill-Verträge" bedrohen Holzindustrie in NRW

DÜSSELDORF - Millionen Festmeter Sturmholz im großen Stil ins Ausland verkaufen - nach dem Orkan Kyrill eine verlockende Idee. Leider erweist sie sich als Boomerang: Die Verträge können nicht bedient werden. Jetzt muss sich NRW auf Millionen Euro Schadenersatz einstellen.

Unerfüllbare Holzlieferverträge bedrohen die nordrhein-westfälische Holzindustrie und könnten das Land Millionen kosten. Der Bundesverband der Säge- und Holzindustrie forderte von der Landesregierung am Dienstag in Düsseldorf eine politische Lösung. Vor dem Landgericht Münster sind bereits millionenschwere Klagen auf Schadenersatz- und Vertragserfüllung anhängig.

Hintergrund sind langfristige Holzlieferverträge, die die frühere Landesregierung unter Federführung ihres Umweltministers Eckhard Uhlenberg (CDU) nach dem Orkan Kyrill 2007 abgeschlossen hatte - unter anderem mit dem österreichischen Säge-Unternehmen Klausner. Die Verträge erwiesen sich als unerfüllbar. Allein an Klausner hätten jährlich 500 000 Festmeter Fichtenholz geliefert werden müssen. Im Landeswald werden aber nur 200 000 Festmeter pro Jahr geschlagen.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte Klausner beim Landgericht Münster eine Schadenersatzklage über 56 Millionen Euro eingereicht. Drei weitere Anträge, im Kern auf Nachlieferung von rund 1,5 Millionen Festmeter Fichtenholz, folgten inzwischen. Für den umfangreichen Verhandlungskomplex gebe es noch keinen Termin, teilte ein Gerichtssprecher auf dpa-Anfrage mit. Das Oberlandesgericht Hamm hatte die Klausner-Verträge bereits im vergangenen Dezember für gültig erklärt, hatte aber nicht über Schadenersatz zu entscheiden.

Die heimische Holz- und Sägeindustrie befürchtet nun, dass sie nicht mehr ausreichend beliefert werden kann und weitere Insolvenzen in der ohnehin schwierigen Marktlage die Folge wären. Das Land müsse eine einvernehmliche Lösung mit Klausner suchen, forderte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Lars Schmidt. Vorrangig müsse versucht werden, das Großsägewerk finanziell zu entschädigen statt zu beliefern. Wenn die Vertragserfüllung unumgänglich sei, sollten andere Holzquellen, etwa in Osteuropa, gesucht werden, forderte Schmidt. Auf keinen Fall dürfe es zu einer Übernutzung der heimischen Fichtenwälder kommen.

Der Förster kritisierte, dass der Umbau der Wälder nach den Orkanen der vergangenen Jahrzehnte übertrieben worden sei. "Nadelholz wurde verteufelt, nur Laubholz war gut." Nun fehle Nadelholz, die Preise seien auf Rekordniveau, die Nachfrage aber nicht mit Laubholz zu decken.

Er forderte die Politik auf, bei kleinen Besitzern zu werben, ihre Privatwälder zu bewirtschaften. Hier liege ungenutztes Potenzial, teilweise seien die Besitzverhältnisse ungeklärt.

Die SPD-Landtagsfraktion will das Anliegen unterstützen. Die im Forstgesetz verankerten Nutz- und Schutzfunktionen des Waldes blieben ungeachtet des Rechtsstreits gültig, unterstrich die SPD-Landtagsabgeordnete Annette Watermann-Krass. Eine Übernutzung der Fichtenwälder sei ausgeschlossen. "Kahlschläge wird es nicht geben." -dpa

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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